Frankenthal Polizei: Beim Personal unter dem Soll

Mit 6000 Straftaten hatten es die Inspektionsmitarbeiter 2016 zu tun; 3555 wurden aufgeklärt.
Mit 6000 Straftaten hatten es die Inspektionsmitarbeiter 2016 zu tun; 3555 wurden aufgeklärt.

Die Polizeiinspektion Frankenthal leidet unter Personalknappheit. Mit elf Einsatzkräften pro Dienstgruppe liege man deutlich unter dem Soll, erschwerend hinzu kämen viele Zusatzdienste. Das hat Inspektionsleiter Thomas Lebkücher bei einem Besuch des Ludwigshafener CDU-Bundestagsabgeordneten Torbjörn Kartes in der Frankenthaler Dienststelle unterstrichen.

In der Inspektion Frankenthal und der zugehörigen Polizeiwache Maxdorf sind nach Angaben Lebküchers insgesamt 100 Mitarbeiter (davon 53 in Frankenthal) in Vollzeit und Wechselschicht tätig. Als weiteres Erschwernis für die Einsatzkräfte vor Ort nannte Lebkücher deren technische Ausstattung: Es fehlten iPads, Navigationsgeräte und Geräte zum Auslesen von Personalausweisen. Auch davon wollte sich Kartes ein eigenes Bild machen, um sich für eine bessere technische Ausrüstung sowie für die Schaffung zusätzlicher Stellen bei der Landespolizei stark zu machen. Den Alltag von Polizei und Rettungsdiensten besser kennenlernen will Kartes bei einer „Blaulichtwoche“. In Frankenthal begleitete der Bundestagsabgeordnete daher zwölf Stunden lang die Nachtschicht der Polizei im Streifendienst. Am 16. Februar will er dann mit einer Rettungswagenbesatzung des DRK Vorderpfalz in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis unterwegs sein. Die Frankenthaler Polizei ist zuständig für 86.000 Einwohner. Ihr Dienstbezirk umfasst Frankenthal, Bobenheim-Roxheim, die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim mit den Ortschaften Lambsheim, Heßheim, Beindersheim, Heuchelheim und Groß- und Kleinniedesheim sowie die Verbandsgemeinde Maxdorf mit Maxdorf, Fußgönheim und Birkenheide. Damit deckt sich das Einsatzgebiet mit Kartes nördlichem Wahlkreis. „Unsere Rettungs- und Einsatzkräfte sichern, oft unter hoher körperlicher und psychischer Belastung, unser aller Sicherheit, Gesundheit und die staatliche Ordnung“, sagte Kartes. „Dafür brauchen sie unsere Unterstützung.“ Mit seinem Einsatz will er auch die seit September laufende Kampagne „Stark für Dich. Stark für Deutschland“ unterstützen, mit der das Bundesinnenministerium für einen respektvollen Umgang mit Einsatz- und Rettungskräften werben will. Als Hintergrund für seinen Sondereinsatz nannte Kartes die seit Jahren zunehmende Anzahl von tätlichen Angriffen auf Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten. Dies bestätigte Inspektionsleiter Thomas Lebkücher mit der Statistik: 2016 seien im Einsatzbezirk 6000 Straftaten verübt und 3555 aufgeklärt worden. 68-mal sei Gewalt gegen die Polizei mit im Spiel gewesen. Wegen Wohnungseinbrüchen wurden 2016 700 Sonderstreifen geleistet, die Zahl der Einbrüche sei um 30 Prozent zurückgegangen, ein weiterer Rückgang werde für 2017 erwartet. „In 60 Prozent aller Einbruchsfälle bleibt es beim Versuch“ – ein Indiz, so Lebkücher, für die Messbarkeit des Erfolgs von 116 Grundschutzberatungen der Polizeikräfte vor Ort. Das Ansehen der Polizei in der Bevölkerung ist nach dem Eindruck des Inspektionsleiters „sehr gemischt“. Zum einen nehme seit rund 20 Jahren die Respektlosigkeit gegen obrigkeitliche Strukturen allgemein und die Gewaltbereitschaft gegen Einsatzkräfte im Besonderen stetig zu, doch finde gleichzeitig ein Kulturwandel statt: Es gebe Bürger, die sich auf Weihnachtsmarkt und Strohhutfest bei der Polizei für deren Präsenz bedankten: „Die bringen schon mal Kaffee oder Wasser vorbei“, hat Lebkücher beobachtet. Torbjörn Kartes Nachtschicht-Einsatz bei Polizei und DRK soll nicht der einzige bleiben. Ein weiterer Termin mit der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen ist geplant. Die Wahlkampf-Themen „Junge Familien“ und „Fachkräfte“ will Kartes anschließend ab Frühjahr mit Besuchen in einer Kita, Grundschule und in Betrieben aufgreifen.

x