FRANKENTHAL
Ostern: Gemeinden suchen Kontakt zu Gläubigen auch auf digitalen Wegen
„In Zeiten, in denen viele Menschen Halt im Glauben suchen, dürfen sie keine Gottesdienste besuchen.“ So charakterisiert Theo Wieder, Vorsitzender des Pfarreirats der katholischen Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Frankenthal, die aktuell schwierige Lage. Auch wenn die Gremien derzeit nicht tagten und der Vorstand lediglich über Telefon- und Videokonferenzen kommuniziere, bemühe man sich im Rahmen der Möglichkeiten, die Seelsorge aufrechtzuerhalten.
Als Beispiel nennt Wieder die Streaming-Gottesdienste, die seinem Empfinden nach kein vollwertiger Ersatz für eine mit innerer Anteilnahme in der Kirche gefeierte Messe sein können. Auch das Verteilen geweihter Zweige an Palmsonntag sei der Not entsprungen. Gedanken mache er sich, wie das Gemeindeleben und auch der angestoßene Prozess des Synodalen Wegs nach Corona wieder zum Laufen gebracht werden können. „Da kann man nicht einfach den grünen Knopf drücken“, gibt Wieder zu bedenken.
Impulse auf Internetseite
„Je länger die Krise dauert, umso größer wird das Bedürfnis der Menschen, in die Kirche zu gehen“, erklärt Pfarrer Stefan Mühl. Der Geistliche erinnert auch an die ökumenische Aktion „Licht der Hoffnung“, bei der jeden Abend um 19 Uhr zum Läuten der Glocken eine Kerze ans offene Fenster gestellt und ein persönliches Gebet gesprochen werden könne. Darüber hinaus plane die Pfarrei, den älteren Gemeindemitgliedern zu Ostern ein kleines Präsent vor die Tür zu stellen, informiert Mühl.
Um ein Zeichen der Verbundenheit zu setzen, bieten die Seelsorger der Pfarrei bis Ostersonntag jeden Tag einen „Impuls zum Anhören“ an. Das Pastoralteam möchte Pfarrer Mühl zufolge Zuhörern in der Karwoche ermutigende Gedanken zum Tag und seiner Bedeutung oder zum Evangelium des Tags mitgeben. Die Impulse sind über einen Link auf der Startseite der Homepage www.pfarrei-frankenthal.de zu finden. Jeden Morgen spätestens um 9 Uhr wird der aktuelle Beitrag hochgeladen. Beiträge der vergangenen Tage werden auch weiterhin zu hören sein.
Auch in der Pfarrei Heiliger Petrus in Bobenheim-Roxheim, wo Pfarrer Markus Hary am 1. April seinen Dienst angetreten hat, sind mehrere Aktionen auf den Weg gebracht worden. Pfarreiratsvorsitzender Lothar Gräf nennt gegenüber der RHEINPFALZ den Einkaufsservice der Pfadfinder sowie das Verteilen von Palmsträußchen und Osterwasser. „Online läuft in der Gemeinde eine ganze Menge“, sagt Gräf mit Blick auf die Livestream-Gottesdienste, die Pfarrer Michael Baldauf auch in der Karwoche und an Ostern in Heßheim feiere und die bisher im Netz großen Zuspruch gefunden hätten. Erstkommunion und Firmung seien verschoben, ob der Termin der Einführung des neuen Pfarrers am 26. April gehalten werden könne, bezweifelt Lothar Gräf.
Anrufe bei Senioren über 80
Etwas Besonderes hat sich Ralf Hettmannsperger, protestantischer Pfarrer in Bobenheim-Roxheim, einfallen lassen. Unterstützt von Vikarin Franziska Boltenhagen tritt er seit etwa zwei Wochen mit den älteren Gemeindemitgliedern in telefonischen Kontakt. Allein bei den über 85-Jährigen kamen 155 Anrufe zusammen. Die noch nicht ganz abgearbeitete Liste der Senioren über 80 umfasst 183 Namen. „Die Rückmeldungen sind überwältigend, die Menschen sind total dankbar, weil sie spüren, dass wir sie nicht vergessen“, erklärt der Seelsorger. Den Einkaufsservice, der bislang noch zurückhaltend in Anspruch genommen werde, lege er diesem Personenkreis besonders ans Herz. „Nach meinem Eindruck sehen die Leute die Krise eher gelassen.“
Pfarrer Hettmannsperger verweist auf die von Ulla Albers initiierte „Aktion Mundschutz“: Vor dem Pfarrhaus in Roxheim (Mittelstraße 10) wurden zwei Boxen aufgestellt. In der einen befinden sich Materialpackungen zum Selbstnähen eines provisorischen Mundschutzes (Selbstkostenpreis 50 Cent). Aus der zweiten Box können fertig genähte Schutzmasken gegen eine Gebühr von 1,50 Euro entnommen werden. Eine Kasse steht bereit. Ein möglicher Erlös komme dem Sozialverein Kunterbunt zugute.
Kleine Videos in Planung
In den Hof der Frankenthaler Lutherkirche, wo ein Kreuz aufgestellt ist, kämen jeden Tag – mit dem gebotenen Sicherheitsabstand – viele Leute, um ein Gebet zu formulieren oder sich die Sonntagspredigt abzuholen, berichtet Pfarrer Martin Henninger. Auch die „Luther-Hotline“ werde rege in Anspruch genommen. Er selbst sitze täglich mehrere Stunden lang am Telefon. Beim Einkaufsservice übersteige derzeit das Angebot noch die Nachfrage.
Der protestantische Seelsorger hat sich entschlossen, nach dem Vorbild seines in den sozialen Netzwerken recht aktiven Kollegen Carsten Schulze (Pilgerpfad) zu den Kar- und Ostertagen kleine Filme zu produzieren, die über Youtube abgerufen werden können. Im Geist der Ökumene würden von Gründonnerstag bis Ostermontag Streaming-Gottesdienste aus protestantischen und katholischen Frankenthaler Kirchen ins Netz gestellt. Und vor der Lutherkirche werde am Sonntag, an dem die Auferstehung Jesu gefeiert werde, die Osterkerze brennen. Die Gläubigen könnten sich das Licht mit nach Hause nehmen.