Handball
Oberliga: HSG Eckbachtal zum Start beim TV Homburg
Ums gleich mal vorwegzunehmen: Thorsten Koch glaubt nicht an Flüche. Spricht man ihn darauf an, schüttelt der Trainer der HSG Eckbachtal nur den Kopf und lächelt milde. Man könnte es ihm aber nicht verübeln. Die Saison in der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar hat noch nicht mal begonnen, und schon hat er wieder ein Lazarett zu beklagen, bei dem mancher wohl wirklich böse Mächte im Spiel wähnen könnte.
Jüngstes Beispiel: Rückraumspieler Julian Pozywio hat sich beim letzten Testspiel die Nase gebrochen, ist schon operiert worden. „Vier bis sechs Wochen Pause“, meint Koch. Und in dem Takt geht’s weiter. Kreisläufer Fabian Quandt hat sich beim Turnier in Viernheim einen Bänderriss im Fuß zugezogen. Kreisläufer Carsten Wenzel laboriert an einer Oberschenkelzerrung.
Rückraum gebeutelt
Besonders hart hat es den Rückraum erwischt. Neben Pozywio muss Koch auch auf Kapitän Michael Betz verzichten, der noch Probleme mit den Knien hat. Nisse Nehrdich hat sich im ersten Training der Vorbereitung einen Bänderriss im Fuß zugezogen, ist aber wieder ins Training eingestiegen. Sven Dopp hat sich Anfang des Jahres einer Hüftoperation unterzogen. Der Aufbau wurde von einer Tischplatte torpediert, die ihm laut Koch auf die Füße gefallen ist.
Diese lange Verletztenliste hat mehrere Folgen. Zum einen war es für Koch schlicht unmöglich, mit einer Rumpftruppe in den Übungseinheiten neue Abwehrformationen oder Angriffssysteme einzuüben. Zum anderen war sein Plan, Spieler auf anderen Positionen einzusetzen, schnell hinfällig. Kreisläufer Georg Ebel wollte er eigentlich mal auf Rechtsaußen probieren. Und Wenzel war als Helfer im Rückraum vorgesehen.
Koch lamentiert nicht
Aber wer Thorsten Koch kennt, der weiß, dass Lamentieren nicht seins ist. Der Übungsleiter hat aus der Not eine Tugend gemacht und setzt verstärkt auf den Nachwuchs. Das klappe sehr gut, weil die Absprache mit A-Jugend-Trainer Peter Baumann hervorragend laufe. „Besser war’s noch nie“, betont Koch. Und auch der Kontakt zu Bruno Caldarelli, dem Trainer der zweiten Mannschaft, sei intensiv.
Und so müssen sich die Fans der „Gekkos“, zumindest in den ersten Wochen der Spielzeit 21/22, an neue Namen gewöhnen, wenn die Aufstellung bekanntgegeben wird. „Wir haben uns intern ein paar Namen notiert, die wir uns anschauen wollen. Damit wollen wir zeigen, dass wir die Jungs im Auge haben“, sagt Koch. Regelmäßig seien die Nachwuchsspieler bei den Übungseinheiten der Herren dabei gewesen.
Vielversprechende Kandidaten
Philipp Schloß (linker Rückraum) gehöre zum Beispiel in die Kategorie der vielversprechenden Kandidaten. Auch Bennet Löhmar (rechter Rückraum) habe im Training einen guten Eindruck hinterlassen. Robert Lang darf sich ebenfalls Hoffnungen auf Oberligaeinsätze machen. Der Linksaußen ist laut Koch vor einem Jahr aus der A-Jugend herausgekommen.
„Es werden noch einige weitere bei mir aufschlagen“, betont der Coach. Etwa Niklas Groß, der im Rückraum flexibel links und in der Mitte einsetzbar ist. Er gehört in der aktuellen A-Jugendmannschaft zum jüngeren Jahrgang. Christian Meyer kann im Rückraum in der Mitte und auf Linksaußen auftauchen. Jona Rogawski könnte am Kreis seine Chance bekommen. Simon Müsel war in der Oberliga-Qualifikation bester Torschütze der HSG-A-Jugend. Und auf Rechtsaußen ist Lars Zalik eine Alternative. Dazu kommt noch Marc Bappert (Rückraum Mitte). Im Tor ist Clemens Diehl, der auch noch A-Jugend spielt, der neue dritte Mann. Er kommt zum Zug, wenn Tobias Häuselmann und Rouven Hahn nicht zur Verfügung stehen.
Koch: Qualität der Jugend größer
Jonas Bruder Silas Rogawski tauchte dagegen schon in der Vergangenheit öfter im Dunstkreis der ersten Mannschaft auf. Jetzt könnte der Rückraum-Allrounder die Chance bekommen, sich im Kader festzuspielen. „Und ruck zuck ist der Kader so groß, dass es schöner aussieht“, sagt Thorsten Koch mit einem schelmischen Grinsen. Ja, schon in der Vergangenheit sei der Plan gewesen, Spieler aus der A-Jugend hochzuziehen. „Doch jetzt ist die Qualität größer“, erläutert der Coach. „Wenn jemand gut ist, trainiert er bei uns mit. Das wollen wir weiter forcieren“, sagt Koch.
Während er bei seinen Spielern ganz genau weiß, wo Stärken und Schwächen liegen, tut er sich bei einer Prognose für die Saison schwer. Klar ist: Für die HSG Eckbachtal geht’s auch diesmal wieder ausschließlich darum, in der Liga zu bleiben. Doch welcher Platz dafür reicht, entscheidet sich frühestens im kommenden Sommer.
Bis zu sechs Absteiger
„Es kann fünf, sechs Absteiger geben, es kann aber auch nur einen geben“, sagt Thorsten Koch. Alles hänge davon ab, wie viele Absteiger aus der Dritten Bundesliga runter in die Oberliga kämen. Und die Dritte Liga spielt eben bis Juni. Deshalb ist bei den Oberligateams wieder warten angesagt. „Wir wollen so viele Punkte holen, dass wir am Ende nicht rechnen müssen“, sagt der HSG-Trainer.
Und damit will er nicht warten, bis die Verletzten wieder da sind. Denn dann könnte der Zug fast schon abgefahren sein. „Wir werden mit unseren Mitteln versuchen, das Optimale rauszuholen. Wir können nicht abwarten, bis alle wieder da sind“, formuliert es Koch. Heißt: Die in den ersten Wochen wahrscheinlich junge Mannschaft soll ein unbequemer Gegner sein. Auch für Teams wie Auftaktgegner TV Homburg, den Koch zu den Titelanwärtern zählt. Dazu gehören für ihn auch Mundenheim, Saulheim und Offenbach.
HSG Eckbachtal
Tor: Tobias Häuselmann, Rouven Hahn, Clemens Diehl. Rechtsaußen: Matthias Kassel, Georg Ebel, Lars Zalik. Linksaußen: Timo Kluzik, Sven Lerzer, Robert Lang. Kreis: Fabian Quandt, Carsten Wenzel, Steffen Christmann, Jona Rogawski. Rückraum: Jochen Schloß, Michael Betz, Nisse Nehrdich, Maximilian Schreiber, Sven Dopp, Julian Pozywio, Philipp Schloß, Bennet Löhmar, Niklas Groß, Christian Meyer, Simon Müsel, Marc Bappert, Silas Rogawski.