Frankenthal „Niemand will gegen Freunde kämpfen“

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Die Herbstferien standen in der Frankenthaler Lutherkirche, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, im Zeichen des Jugendaustauschs. Ein Schwerpunktthema war der Erste Weltkrieg, der vor hundert Jahren in Europa wütete. „Hass zu überwinden und Versöhnung zu leben“, darin sieht Pfarrer Martin Henninger ein Ziel des Austauschs. Für den 16-jährigen Joe Prollins aus der Schwestergemeinde Leeds ist das Treffen eine gute Möglichkeit, Freunde zu finden.

Rund 20 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren aus Bernburg und Leeds waren für eine Woche nach Frankenthal gekommen. Das Programm für Gäste und Gastgeber bot Information und Unterhaltung – unter anderem Einblicke ins Studio des Rhein-Neckar-Fernsehens, in die BASF, Besichtigungen in Heidelberg und Mannheim, aber auch die Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg, seinen Ursachen und Folgen. Nachdem die Großväter der beiden Pastoren David Pickering (Leeds) und Martin Henninger in der Schlacht an der Somme gegeneinander gekämpft hatten, sollten 100 Jahre danach Freundschaft und Versöhnung gefeiert werden. Vorgesehen waren der Besuch der Ausstellung „Heimatfront“ im Rathaus und eine Ganztagesfahrt nach Verdun. Für die jungen Leute brachte der Anblick der ehemaligen Schlachtfelder zwiespältige Eindrücke. Victoria Kühborth (17) kannte zwar die Fakten der Kriegsgeschichte, „aber die Landschaft habe ich mir so nicht vorgestellt“. Sie erinnerte sich an „viele Krater, wie kleine Hügel“. Losgelöst von der Vergangenheit, von der Vorstellung, dass hier viele Soldaten gefallen waren, ein ganzer Landstrich ausgelöscht wurde, könne man diesen Anblick beinahe schön finden: „Mutter Natur hat das Schlachtfeld zurückerobert, bevölkert mit Gras, Blumen, Schmetterlingen.“ Die teilweise Kriegseuphorie zu Beginn habe sehr schnell die Erkenntnis gebracht, dass es keine Sieger, keine Gewinner gebe, „am Ende das Leid überwiegt“, so Kühborth – gleich ob an der Front oder in der Heimat. Dass sich Großbritannien auch heute an Kriegsaktionen beteiligt, spüren die Schüler aus Leeds sehr direkt. Ivan Parslow (16) berichtete, dass ein Lehrer während eines Hilfseinsatzes von IS-Sympathisanten ermordet wurde. Dass die englische Regierung derzeit auf Distanz zu Europa geht, sieht er der starken Rechten geschuldet, die am liebsten alle Ausländer rauswerfen wolle. Doch er denkt, dass sich diese Politik nicht durchsetzen werde. Immerhin sei einer der rechten Parteiführer mit einer Deutschen verheiratet, erzählte er. Doch was tun, um dem Krieg die Rote Karte zu zeigen? Martin Henninger erinnerte an ein Gespräch in Verdun und die Frage, warum sich Soldaten verheizen lassen. „Solange Menschen einfach nur tun, was ihnen gesagt wird, solange wird es Krieg geben“, gab er die Antwort. Deutschland sei auf einem guten Weg. „Wir versuchen, nicht auf Gehorsam aufzubauen, sondern auf dem eigenen Denken der Menschen“, bezog er sich auf das Nein der Bundesregierung zu Kriegsbeteiligungen im Irak oder den Bombardements der IS. Verena Berger (17) findet es wichtig, Frieden zu haben. Dennoch ist sie skeptisch, „es wird immer Kriege geben, immer wird irgendwo gekämpft, weil die Menschen nicht verstehen, dass Krieg keinen Sinn macht, es gibt keine Gewinner, nur Tote“. Franka Dietz (17) ergänzte: „Ich denke, solange wirtschaftliche Interessen über Menschenleben stehen, solange wird es weiter Krieg geben.“ Doch für sie gibt es auch Hoffnung: „Es ist ein Unterschied, ob man sagt, England kämpft gegen Deutschland, oder ob man die Menschen, die Gesichter dahinter kennt.“ Niemand wolle doch gegen Freund oder Nachbar kämpfen, ist sich die 17-Jährige sicher. Seit 1971 besteht die Partnerschaft der Lutherkirche mit St. Andrew’s im englischen Leeds, seit 1991 mit der Martinskirche in Bernburg (Sachsen-Anhalt). Gab es zu Anfang regelmäßige Treffen der Erwachsenen, so liegt ein Fokus der Partnerschaft seit rund fünf Jahren auf dem Jugendaustausch. Für die Jugendlichen ist es eine Möglichkeit, sprachliche Barrieren zu überwinden und Freundschaften zu knüpfen. Für Pfarrer Martin Henninger bedeutet es die Überwindung von Hass und Versöhnung in einem geeinten Europa. (cei)

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