Fussball
Nexhat Hajra vom VfR Frankenthal findet nach Verletzung langsam wieder zu seiner Form
Nexhat Hajra ist wieder aktiver Teil der ersten Mannschaft des VfR Frankenthal. In der aktuellen Saison steht er wieder auf dem Platz. 36. Minute im Derby gegen den SC Bobenheim-Roxheim am dritten Spieltag: Hajra schießt sein erstes Tor in der ersten Mannschaft – ein Freudenausbruch direkt danach, Genugtuung auch mit Abstand. In der 70. Minute legt er gleich den zweiten Treffer nach.
Zum Start in die Saison, im Verbandspokalspiel gegen Südwest Ludwigshafen, waren Nexhat Hajra die Defizite in Spritzigkeit und Koordination noch deutlich anzumerken. Da sei er sehr aufgeregt gewesen, erzählt er. Sein erstes Pflichtspiel für die „Erste“ nach der Verletzung. Doch von Spiel zu Spiel wird es laut Hajra besser.
Vieles ist Kopfsache
Das ist auch eine Kopfsache nach einer so langwierigen Verletzung: „Ich mache mir jetzt nicht mehr so viele Gedanken“, berichtet Hajra. Er fühle sich auf dem besten Weg, an die Leistungen früherer Tage anzuknüpfen, sagt der Stürmer. Anfangs habe es schon kleine Rückschläge gegeben, da habe er sich beim Torschusstraining Zerrungen geholt. Doch er hat gekämpft. Mit einer schwarzen Rolle im heimischen Wohnzimmer und einem Fahrrad auf dem Balkon. Und er hat sich in dieser Saison ein Ziel gesetzt, die Torausbeute betreffend. Doch dieses selbst gesteckte Ziel macht er schlauerweise erst einmal nicht öffentlich. Seine bisherige Bilanz kann sich jedenfalls sehen lassen: In elf Partien ist er zum Einsatz gekommen und hat dabei acht Tore geschossen.
Nach einem Zusammenprall auf dem Platz wurde ein Knorpelschaden diagnostiziert. Weil er unbedingt mithelfen wollte, dass seine Mannschaft in die Bezirksliga aufsteigt, habe er sich fitspritzen lassen. Direkt nach dem Aufstieg wurde er operiert. Doch richtig bessern wollte sich seine Situation danach nicht. Er habe mit der Zeit gemerkt: „Irgendetwas kann nicht stimmen.“
Verletzung ähnlich wie bei Deisler
Er konnte nicht springen. An seinem Geburtstag bekam er dann vom Arzt mitgeteilt, dass eine zweite Operation nötig sei. „Meine Frau war mit beim Arzt. Da sind schon ein paar Tränchen geflossen“, sagt Hajra rückblickend. Die Kniescheibe stand schief. Sie musste neu ausgerichtet und fixiert werden. Sebastian Deisler, ehemaliger Profi beim FC Bayern München, bevor er mit Burnout aus dem Fußball ausstieg, hatte eine ähnliche Verletzung.
Er habe wieder fit werden wollen, mit seinem Sohn kicken und mit seinen Kindern spielen wollen, sagt Hajra. Deshalb habe er die Operation machen lassen. Nach dem zweiten Eingriff habe sich dann relativ schnell Besserung eingestellt.
Kontakt zum Verein gehalten
Kurz nach der zweiten Operation hat er sich beruflich verändert, wurde bei der Stadt Frankenthal eingestellt. Inzwischen ist er beim Ordnungsamt tätig – er schreibt unter anderem Strafzettel für Parksünder. Nicht immer schlägt jenen, die diesen Job ausüben, nur gute Laune entgegen. Doch Hajra hat gute Erfahrungen gemacht. Viele in der Stadt würden ihn auf den Fußball ansprechen. Manche würden „Da kommt der Goalgetter“ rufen. Als Hygienebeauftragter hat er sich beim VfR während der Pandemie eingebracht.
Der Weg zurück auf das Spielfeld war nicht leicht. Seinem Trainer Martin Wohlschlegel habe er viel zu verdanken, sagt Hajra. Mannschaftskapitän Patrick Corell habe ihm oft Mut zugesprochen, ihn motiviert. Ebenso Uwe Rebholz, Tobias Winsel, Matteo Randazzo sowie die Vorstandsmitglieder Salvatore Mauro und Simone Krämer hätten in der Verletzungszeit den Kontakt zu ihm gesucht. Dass er in seiner langen sportlich aktiven Auszeit einen Trainerposten bei der B-Jugend hatte, sei für ihn sehr wichtig gewesen, da so die Bindung an den Verein erhalten geblieben sei.
Fitnesstraining mit Wohlschlegel
Coach Martin Wohlschlegel habe einen gut eingerichteten Fitnessbereich bei sich im Keller, in dem er viele Einheiten absolviert habe. Auch samstags sei Wohlschlegel oft extra ins Stadion gekommen, um mit ihm und Jason Tack Sonderschichten auf dem Platz zu absolvieren, um beide wieder fit zu machen. Im Training mit der Mannschaft habe es aber anfangs immer wieder Situationen gegeben, in denen er gemerkt habe, dass er zurückziehe.
Seine ersten Gehversuche machte Hajra in der zweiten Mannschaft. Doch Martin Wohlschlegel habe ihm gesagt, dass er ihn als Stürmer in der ersten Mannschaft brauche. Das Zustellen von Laufwegen habe von Anfang an gut geklappt. Das verlerne er nicht, meint Hajra.
Beim VfR Frankenthal fühlt sich Nexhat Hajra zu Hause. Zuvor war er bei Nibelungen Worms, dann spielte er beim VfR Grünstadt. Auch dort hatte er schon eine relativ schwere Verletzung, einen Bandscheibenvorfall. „Damit habe ich ebenfalls lange gekämpft“, erinnert er sich. Die Beine seien damals wie gelähmt gewesen. Ausgerechnet da sei seine Frau während der Schwangerschaft ins Krankenhaus gekommen. Sein Bruder habe ihn mit dem Rollstuhl hingefahren, erinnert sich Nexhat Hajra. Seine Frau habe schon einiges mit ihm mitgemacht, räumt der 30-jährige Fußballer ein. Doch seine Familie gehe ihm über alles.
Zur Sache
VfR Frankenthal am Sonntag zu Gast bei RW Seebach
Am 22. August hat Fußball-Bezirksligist VfR Frankenthal zum letzten Mal nach einem Meisterschaftsspiel den Platz als Verlierer verlassen. Es war ein 1:2 gegen den FV Freinsheim. Seitdem gab es in jedem Spiel mindestens einen Punkt. Zuletzt siegte der VfR 10:0 im Derby gegen den SC Bobenheim-Roxheim. Die Serie soll auch am Sonntag (14.30 Uhr) bei RW Seebach halten. Der VfR hat mittlerweile den besten Sturm und die zweitbeste Abwehr der Liga und steht auf Platz zwei hinter dem BSC Oppau. Der Kurs geht ganz klar in Richtung Aufstiegsrunde.