Frankenthal Neue Wege bei der Prävention

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Vorbeugende Polizeiarbeit lohne sich. Davon sind Jürgen Clemens und Thomas Grub, Bezirksbeamte der Polizei in Frankenthal und Maxdorf, überzeugt – darum ist sie ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Als ermutigend werten sie den jüngsten Rückgang der Einbruchdiebstähle in ihrem Dienstbezirk.

Profi-Einbrecher brauchten allenfalls zehn Sekunden, um ein durchschnittliches, ungesichertes Fenster ist öffnen, sagt Jürgen Clemens (56), Bezirksbeamter der Polizeiinspektion Frankenthal, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen können Ihnen die Kollegen zeigen, wie das geht.“ Aber: Mit baulichen Veränderungen lasse sich deutlich wirksamerer Schutz erreichen. Wie das geht, erklären ratsuchenden Bürgern auf Wunsch zwei Bezirksbeamte, die zum Team der Frankenthal unterstellten Polizeiwache Maxdorf gehören: Thomas Grub und Wolfgang Görtz. Beide seien sie zu diesem Zweck im gesamten Inspektionsgebiet unterwegs, berichtet der 58-jährige Oberkommissar Grub. „Wer Rat sucht, kann uns anrufen“; die Beratung sei kostenlos. Termine könnten normalerweise innerhalb einer Woche vereinbart werden. „Wir kommen dann zu einer Begehung in die Wohnung oder ins Haus“, sagt Grub. Terrassen und Kellereingänge seien oft besondere Schwachstellen, an denen Einbrecher ansetzten. Die Beamten geben Verbesserungstipps – und sie können Bürgern eine Liste spezialisierter Handwerksbetriebe an die Hand geben, „die vom Landeskriminalamt zertifiziert sind“. 116-mal hätten sich Bürger im vergangenen Jahr zu diesem Thema beraten lassen, berichtet Grub. Diese Arbeit mache Spaß: Man könne viel Positives damit erreichen, „und wir bekommen gute Rückmeldungen. Die Leute sind wirklich dankbar für diese Hilfe.“ Rund 86.000 Einwohner in Frankenthal, Bobenheim-Roxheim sowie den Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim und Maxdorf: Das ist der Dienstbezirk, den Grub und Clemens seit Jahrzehnten kennen. Clemens, der aus der Westpfalz stammt, arbeitet seit 1981 in Frankenthal. „Anfangs war ich im Schichtdienst“, berichtet der Hauptkommissar, „seit 1994 bin ich im Bezirksdienst“. 1981 ist auch das Jahr, in dem Thomas Grub den Dienst in seinem Heimatort Maxdorf begann; seit 2005 ist der Oberkommissar dort Bezirksbeamter. Zu Fuß im eigenen Revier unterwegs sein – das können Bezirksbeamte nur noch selten, dazu ist die Arbeitsbelastung heute zu vielfältig. Das System, dass es für Teile des Inspektionsgebiets jeweils zuständige Bezirksbeamte gibt, hat sich nach Einschätzung von Clemens und Grub jedoch bewährt – nach außen und nach innen. Denn einerseits seien Bezirksbeamte gefragte Ansprechpartner für Bürger und Institutionen. Andererseits seien sie im Polizeialltag die Spezialisten, die den Überblick über das Geschehen in ihrem Bezirk hätten. Aus den im Schnitt „40 bis 50 Vorgängen pro Tag“ hätten Bezirksbeamte jeweils das zu bearbeiten, was in ihrem Bereich geschehe, sagt Clemens. „Ein Bezirksbeamter kennt dann viele Zusammenhänge, auch Dinge, die vielleicht nicht schriftlich erfasst sind.“ Er sei dann in dieser Rolle auch wichtiger Ansprechpartner für andere ermittelnde Kollegen. Der Kontakt nach außen, zu den Bürgern, hat sich nach Clemens’ Eindruck in den letzten Jahren verbessert: „Es werden der Polizei heute mehr Hinweise gegeben als früher, und das ist gut so.“ Das betreffe auch Themenfelder, bei denen Betroffene oder Zeugen in der Vergangenheit aus falscher Scham geschwiegen hätten – etwa, wenn es um Gewalt in engen sozialen Beziehungen, unter Verwandten und Bekannten, gehe. Clemens ist Spezialist für dieses Thema: Bei der Frankenthaler Inspektion fungiert er als „Koordinator für Gewalt in engen sozialen Beziehungen“; sein Kollege Grub kümmert sich in Maxdorf um das Problemfeld. Informationen, die sie dazu sammeln, bringen sie in ein Präventionsprojekt des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen ein: Seit etwa zwei Jahren gebe es dort einen runden Tisch, an dem einmal monatlich besonders kritische Fälle besprochen würden – sofern die Betroffenen einverstanden seien. „High Risk“ (hohes Risiko) heiße diese Runde, sagt Clemens. Beteiligt seien neben Polizeikräften auch außenstehende Fachleute, etwa von Beratungsstellen, und die Universität Landau. Risiken möglichst früh zu erkennen, Gefahren zu verringern, von Gewaltdrohungen oder -erfahrungen Betroffenen möglichst effektive Hilfe anzubieten – darum gehe es. Dazu gehöre dann auch, potenzielle Gewalttäter eindringlich auf mögliche Folgen ihres Tuns hinzuweisen und zu warnen. Nicht alle von Gewaltdrohungen Betroffenen – nach Erfahrung der Polizei nahezu durchweg Frauen – seien bereit, diese fachliche Begleitung anzunehmen, bedauert Clemens. Das Verhältnis Zustimmung:Ablehnung betrage derzeit etwa 50:50. Bezirksbeamte kümmern sich um weitere Zusatzaufgaben. So ist Clemens in Frankenthal auch Koordinator für den Opferschutz, und Grub fungiert in Maxdorf als Sachbearbeiter Technik: „Wenn ein Auto bei uns einen Defekt hat, muss ich mich darum kümmern“, erläutert er. Auf einer kleineren Dienststelle müsse man ohnehin vielseitig einsatzbereit sein, sagt Grub. Wenn notwendig, „kümmere ich mich auch um die Geschäftsstelle“. Gefreut haben sich die Bezirksbeamten über die jüngste Kriminalstatistik für 2016 im Inspektionsgebiet – und nicht nur darüber, dass die Anzahl der Einbruchsdelikte um ein Drittel zurückgegangen ist (wir berichteten am 28. März). Mehr als 50 Prozent der Einbruchsversuche seien abgebrochen worden, hebt Clemens hervor. Das könne auch damit zu tun haben, „dass wir die Bürger gut beraten haben“. Bezirksbeamte In der Polizeiinspektion Frankenthal und in der Polizeiwache Maxdorf gibt es Bezirksbeamte für folgende Bereiche: —Stadtgebiet Frankenthal: Georg Urbach, Telefon 06233 313-209; —Stadtmitte Frankenthal, Frankenthal-West, Eppstein, Flomersheim: Jürgen Clemens, Telefon 06233 313-212, sowie Heribert Urban, Telefon 06233 313-207; —Stadtgebiet Frankenthal, Frankenthal-Nordost, Industriegebiet Nord und Mörsch: Uwe Reuber, Telefon 06233 313-208; —Stadtgebiet Frankenthal, Frankenthal-Südost, Studernheim: Manfred Schärf, Telefon 06233 313-232; —Bobenheim-Roxheim: Kai Weber, Telefon 06233 313-210; —Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim: Thomas Grub, Telefon 06237 934-217; —Verbandsgemeinde Maxdorf: Wolfgang Görtz, Telefon 06237 934-116.

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