Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Nachwuchs zeigt neue Welten auf: Lions-Club-Ausstellung im Kunsthaus

Celine Grafs Köpfe sind fast fotorealistisch, die Farbgebung der fast perfekten, makellosen Schönheiten eigenwillig.
Celine Grafs Köpfe sind fast fotorealistisch, die Farbgebung der fast perfekten, makellosen Schönheiten eigenwillig.

Manche haben schon als Kind im Kurs bei Uschi Freymeyer gemalt, andere finden später im Leben zur Kunst: Sechs Nachwuchskünstler und vier erfahrene Kunstschaffende treffen bei einer Benefizausstellung des Lions-Clubs Frankenthal vom 15. Bis 26. März im Frankenthaler Kunsthaus zusammen – inspiriert von Mode, Computerdesign oder ganz handfesten Materialien.

Für den Lions-Club Frankenthal ist die jährliche Veranstaltung eine liebe Tradition, die nun nach der Coronazwangspause zum zweiten Mal im Kunsthaus stattfindet. Die Auswahl der Teilnehmer trifft Uschi Freymeyer, erklärt Lions-Club-Präsident Roland Busch auf Nachfrage. Die Frankenthaler Künstlerin mit Atelier im Kunsthaus gibt gern Kollegen eine Plattform und engagiert sich seit fast 20 Jahren für junge Talente, unterstützt diese bei der Präsentation ihrer Arbeiten. Aber auch die Förderung der künstlerischen Entwicklung von Kindern liegt ihr am Herzen. Und so manches junge Talent hat einst bei ihr die Liebe zum kreativen Tun entdeckt. Die diesjährige Ausstellung sei erneut „eine tolle Mischung von Jung und Alt“, äußert sich Uschi Freymeyer begeistert über die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. Einige der jungen Leute habe ihr Kollege Joachim Hanisch empfohlen, der die Kunstleistungskurse am Albert-Einstein-Gymnasium leitet.

Gegenständliches verfremdet

Dass man durchaus im fortgeschrittenen Alter zur Kunst findet, das liest sich aus den Lebensläufen der „alten Hasen“. Die Juristin Ruth-Ellen Schaeffer war zwar, gibt sie an, immer kunstinteressiert, zu Pinsel oder Spachtel hat sie aber erst vor rund 20 Jahren gegriffen, in Kursen und autodidaktisch sich in ihrem neuen Metier weitergebildet. Es ziehe sie zur Abstraktion, sagt sie, gegenständliche Bildinhalte verfremdet sie. „Das Haus von Mariupol“ etwa hat keine Fassade mehr, die Zimmer sind menschenleer. Ein paradiesisches Umfeld in zarten Grün- und Blautönen setzen der Kriegszerstörung Hoffnung entgegen.

Lebendiges Gegenüber

Stein, Holz und Gussverfahren wie Bronze nutzt der Odenwälder Bildhauer Martin Hintenlang. Seine Objekte sind abstrahierend bis lebensnah. Sehr realistisch, fast wie ein lebendiges Gegenüber muten seine Köpfe an. Auch er hat erst einen Beruf erlernt. Nach einer Schreinerlehre und mehreren Berufsjahren studierte Hintenlang von 1990 bis 1993 Bildhauerei.

Porträts in Linol

Bei Hintenlangs Schwester Lucia van Amsterdam wagte Angelika Reiter ihre ersten gestalterischen Schritte. Sie kam nach eigener Schilderung im Jahr 2000 über eine Kunstausstellung, bei der sie sich als Gattin des Organisators um das „leibliche Wohl der Künstler kümmerte“ mit Kunst erstmals in Berührung. 2017 lernte sie den Linolschnitt kennen und widmet sich seitdem dieser doch recht mühevollen Technik. Ihre Motive sind vornehmlich Menschen, bekannte Künstler wie die Rolling Stones oder eine anonyme japanische Geisha.

Der vierte Profi im Bunde ist die Frankenthalerin Uschi Freymeyer, die nach der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau viele Jahre in der Modebranche tätig war. Seit 1994 ist sie künstlerisch tätig. Bemerkenswert ist ihre Neigung zum Experimentieren und ihre Liebe zur Farbe. Ihre Motive sind abstrakt, lassen Raum für die Phantasie des Betrachters, assoziieren Landschaften, drücken Gefühle und Stimmungen aus. Ihr zweites Standbein sind Malkurse für Jung und Alt.

Modedesign und Malerrolle

Leonard Hoepke habe als Kind bei ihr gemalt, sagt Uschi Freymeyer. Inzwischen macht der 19-Jährige eine Ausbildung zum Modedesigner in Mannheim. Schon mit 13, heißt es in seiner Vita, habe er die ersten Modeskizzen gezeichnet. Er malt gerne spontan, nutzt Pinsel oder Malerrolle, Spachtel oder Hände, Graffiti und natürlich Designerprogramme.

Sneakers in mehreren Dimensionen

Die Kommunikationsdesignerin Celine Graf probiert immer wieder Neues aus; in ihrer Bachelorarbeit „Fantastic Nature“ stellte sie die Entstehung eigener Designs als 3D-Animationen für Sneakers vor. Malerisch möchte sie Gesehenes abbilden und fantasievoll ausschmücken. Ihre Motive sind bevorzugt figürlich, fast fotorealistisch.

Neu entdeckte Schraffur

Mit Mandalas und Kritzeleien fing Fabienne Marquardt an, heute sind es realistische Zeichnungen. „Imperfekter Perfektionismus“ nennt sie ihren Stil, das heißt, sie zeichnet naturgetreu und doch bewusst eben nicht ganz perfekt. Eine neu entdeckte Schraffurart lässt ihre Werke fast druckähnlich wirken. Fabienne Marquardt besucht zurzeit noch das Albert-Einstein-Gymnasium und möchte Kunst studieren.

Wechselspiel von Licht und Schatten

Rebecca Gräfs Personen entstehen digital am Computer, aber auch ganz traditionell mit Aquarellfarben. Sie malt in warmen Farben, bevorzugt das Wechselspiel von Licht und Schatten. Ihr Ziel ist es, mehrere Farben zu einer einzigen zu kombinieren.

Momente eigenen Lebens

Lena Birkenmeiers Arbeiten sind eigenwillig, vom Motiv bis hin zur Farbgebung. Und sie ist experimentierfreudig, offen für Neues. In ihren Arbeiten möchte sie auch Momente ihres eigenen Lebens festhalten.

Motivfetzen neu kombiniert

Neue Welten dem Betrachter aufzeigen, das versucht Max Kühborth. Aber auch seine eigenen Gedanken will er bildlich ausdrücken. Seine Arbeiten stellen einen Schmelztiegel an unterschiedlichsten Motivfetzen dar: In seiner Arbeit „Sun Wukong“ ist ein Äffchen präzise angedeutet, dessen Torso sich aus einem Sammelsurium an Porträts, Tieren, Pflanzen, Gegenständen oder Fantasiefiguren zusammensetzt.

Noch Fragen?

Benefizausstellung des Lions-Club Frankenthal vom 15. bis 26. März im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42a, geöffnet Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr und Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Vernissage ist am Sonntag, 12. März, 11 bis 15 Uhr, live dabei der Musiker Chris Stockert. Alle Arbeiten sind käuflich.

Möglichst naturgetreu und doch in unperfekter Art und Weise möchte Fabienne Marquardt ihre Werke gestalten. Als Beispiel ihre Sc
Möglichst naturgetreu und doch in unperfekter Art und Weise möchte Fabienne Marquardt ihre Werke gestalten. Als Beispiel ihre Schildkröte mit Kartenhausturm.
Rebecca Gräfs Malstil orientiert sich am Semirealismus. Ihre Personen wirken real und doch unecht-schön.
Rebecca Gräfs Malstil orientiert sich am Semirealismus. Ihre Personen wirken real und doch unecht-schön.
Max Kühborts Arbeit „Sun Wukong“: Präzise angedeutet ist ein Äffchen, dessen Torso sich aus einem Sammelsurium an Porträts, Tier
Max Kühborts Arbeit »Sun Wukong«: Präzise angedeutet ist ein Äffchen, dessen Torso sich aus einem Sammelsurium an Porträts, Tieren, Pflanzen, Gegenständen oder Fantasiefiguren zusammensetzt.
Angelika Reiter arbeitet mit Linoldrucken. Ihre Motive sind bekannte Künstler wie die Rolling Stones oder eine anonyme japanisch
Angelika Reiter arbeitet mit Linoldrucken. Ihre Motive sind bekannte Künstler wie die Rolling Stones oder eine anonyme japanische Geisha.
Gewalt thematisiert Lena Birkenmeier eigenwillig: Raffaels Engel blickt durch ein zerfetztes Guckloch, die Fassade um ihn herum
Gewalt thematisiert Lena Birkenmeier eigenwillig: Raffaels Engel blickt durch ein zerfetztes Guckloch, die Fassade um ihn herum zeigt Einschusslöcher und Schmauchspuren.
„Kopf Greth“ ist der Bildausschnitt einer lebensgroßen, sehr realistisch wirkenden Bronzefigur von Martin Hintenlang.
»Kopf Greth« ist der Bildausschnitt einer lebensgroßen, sehr realistisch wirkenden Bronzefigur von Martin Hintenlang.
„Das Haus von Mariupol“ von Ruth-Ellen Schaeffer hat keine Fassade mehr, die Zimmer sind menschenleer. Ein paradiesisches Umfeld
»Das Haus von Mariupol« von Ruth-Ellen Schaeffer hat keine Fassade mehr, die Zimmer sind menschenleer. Ein paradiesisches Umfeld in zarten Grün- und Blautönen setzen der Kriegszerstörung Hoffnung entgegen.
„My perfect Homeland“ – die Farben fallen bei diesem Triptichon von Uschi Freymeyer sofort ins Auge. Sie sind harmonisch abgesti
»My perfect Homeland« – die Farben fallen bei diesem Triptichon von Uschi Freymeyer sofort ins Auge. Sie sind harmonisch abgestimmt und dennoch überlässt sie das Zusammenspiel dem Zufall.
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