Frankenthal Musikalische Selbsthilfe

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Mit witzig vertonten Männerproblemen sang sich die A-cappella-Gruppe Männer ohne Nerven am Samstagabend direkt in die Herzen der rund 160 Zuschauer in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle in Bobenheim-Roxheim. Dabei erwies sich das Quartett als Meister darin, sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Wer sich unter einem A-cappella-Männerquartett Sänger in schnieken Anzügen mit schwarzer Fliege im Stil der Comedian Harmonists vorstellt, wird von den Männern ohne Nerven zunächst eines besseren belehrt: Auf der Bühne stehen ein Herr im Sportdress, einer im Norwegerpulli, einer in Arbeitslatzhosen und einer im grauen Jackett. „Wir sind die Männer ohne Nerven, wer uns hört, braucht ein Gemüt aus Stahl“, warnen sie im Einstiegslied gleich das Publikum in der fast ausverkauften Halle vor. Kennengelernt haben sich Philipp Leschhorn (Bariton), Norbert Kotzan (Tenor), Christoph Schmidt (Bariton) und Thorsten Werner (Bass) in einer Männerproblemgruppe. Christoph, der im Norweger-Strick und mit gehäkeltem Weinglashalter um den Hals ziemlich verklemmt daherkommt, wirkt gleich besonders bemitleidungswürdig. „Die Jungs haben gesagt, ich soll heute Abend auch mal ne Ansage machen, das wäre gut für meine Entwicklung“, erklärt er schüchtern dem Publikum. Und heute Abend seien sie ja eh nur in Bobenheim-Roxheim. Der Saal tobt, „Borox“, wie das Quartett den Ort verballhornt, wird immer wieder zum Thema des Abends, etwa, wenn das Publikum gefragt wird, wo man denn hier noch weggehen könne nach der Show, was ausführlich beantwortet wird. Neben dem Gesang simulieren die Vokalisten die Instrumentalbesetzung einer Swingband. Besonders prägnant sind dabei die Walking-Bass-Läufe von Thorsten Werner. Verbunden werden die Songs, die vorwiegend aus eigener Feder stammen, durch kleine Anekdoten aus der Mate-Tee-schlürfenden Selbsthilfegruppe. Sie handeln vom Kampf des starken Geschlechts um die Fernbedienung, weil die Sportschau läuft, der Teilnahme an der Fernsehsendung „Herzblatt“, um Schönheitschirurgie, von guten Freunden, vom Kennenlernen von Frauen, dem Einkaufsparadies Aldi oder der männlichen Unordnung. Die Folgen des Verzehrs von Chili con Carne oder die Verselbstständigung eines im Sommer auf der Fensterbank vergessenen Mett-Brötchens taugen ebenfalls bestens dazu, unterhaltsam besungen zu werden. Mitreißend sind dabei immer wiederkehrende Sambaklänge, die ab und an in die Songs mit einfließen oder diese, wie bei „Chili con Carne“, gänzlich durchdringen. Die gewollt ulkigen Tanzkünste, die durch einen Stagediving-Sprung von Christoph komplettiert werden, sorgen für jede Menge Spaß im Saal. Der landet nämlich beim beherzten Sprung in die Menge nicht im Publikum, sondern auf den eigenen Füßen. Und nach der Pause wird dann doch noch das Klischee vom A-cappella-Künstler bedient. Die vier Herren, durch das Problemewälzen in der Männergruppe sichtlich geläutert, treten nun in dunklen Anzügen mit laszivem Blick und englischen Liedern vors Publikum. Für die gelungene Verwandlung gibt’s einen Sonderapplaus. Kurz vor Schluss wird das begeisterte Publikum beim Song „Pata Pata“ noch gesanglich involviert, bevor das zweistündige Programm mit mehreren Zugaben endet.

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