Frankenthal Mit Konzentration und Konstanz

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Als amtierender Pfalzmeister tritt Wolfgang Witzl am Samstag und Sonntag bei der Zwischenrunde zur deutschen Meisterschaft im Skat in Bitburg im Einzelwettbewerb an. Die besten 16 Spieler dort qualifizieren sich für die deutsche Meisterschaft im Juni in Bremen. Das große Ziel des 60-jährigen Frankenthalers ist aber die Weltmeisterschaft 2018 in Berlin. Dafür muss er sich nicht einmal qualifizieren.

Dass Wolfgang Witzl als Sieger der Pfalzmeisterschaft in Ludwigshafen hervorgegangen ist, lässt ihn nicht abheben. „50 bis 70 Prozent vom Turniersieg sind Glück. Hat ein Weltmeister oder Europameister kein Glück, dann kann er auch kleinere Turniere nicht gewinnen“, ist Witzl überzeugt. Und er unterstreicht: „Noch nie war ein Spieler zweimal Pfalzmeister.“ Im Gegensatz zum Schach, bei dem beide Spieler alle Figuren sehen können, habe der Skatspieler ja auch nur Einblick in 30 Prozent der Karten. Neben dem Glück ist nach Witzl die Konzentrationsfähigkeit ein wichtiger Faktor, um erfolgreich zu sein. Bei der Pfalzmeisterschaft waren für alle Spieler fünf Serien mit jeweils 48 Spielen zu absolvieren. Eine Serie dauert in etwa zwei Stunden, macht eine Gesamtspielzeit von circa zehn Stunden. „Bei Skatturnieren werden Sie keinen Spieler finden, der ein alkoholisches Getränk auf dem Tisch stehen hat“, widerspricht Witzl, der bei der BASF im Schichtbetrieb arbeitet, einem Klischee. Laute Diskussionen über „vergeigte“ Spiele oder Ärger gebe es bei den Spielrunden solcher Meisterschaften ebenfalls nicht. Bei der Pfalzmeisterschaft hat der Frankenthaler im richtigen Moment Konzentrationsfähigkeit bewiesen. Bis 20 Spiele vor Ende der Meisterschaft führte er das Feld gar nicht an. Doch dann zog er an der Konkurrenz vorbei. Die fünfte Serie war mit 1495 Punkten die beste von Wolfgang Witzl. Und in der ersten Serie legte Witzl mit 1472 Punkten gleich einmal vor. Andere Spieler hatten deutlich bessere Einzelserien, holten mehr als 1600 Punkte. Ausreißer, denn diese Spieler zeigten deutlich größere Schwankungen als Witzl. Die Konstanz ist dann wohl in der Erfahrung von Witzl begründet. Obwohl der 60-Jährige seinen Traum, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 in Berlin, fest im Visier hat, setzt er eine Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft von der Wertigkeit höher an. Für die Weltmeisterschaft muss er sich als Mitglied des Internationalen Skatverbands nämlich nicht qualifizieren, sondern kann sich einfach anmelden. „Rund 1500 Teilnehmer, zehn Tage, 20 Serien“, zählt Witzl die WM-Herausforderung auf. Anders bei der nationalen Meisterschaft: Hier stellen die Mitglieder des eigenen Vereins die erste Hürde dar. Die Spieler müssen sich im gesamten Jahr bei den Vereinsabenden in der Rangliste einen oberen Platz sichern. Pro fünf Mitglieder eines Vereins darf einer zur Pfalzmeisterschaft. Sein Spiel nennt er kalkuliert risikofreudig: „Wenn ich nur zuschaue, kann ich keine Punkte holen.“ Ob er beim Reizen über die Grenzen gegangen sei, merke er schnell. Bei einem Clubabend sei er vielleicht etwas risikofreudiger als bei einer Meisterschaft, bei der an einem Tag alles entschieden wird. Ganz ohne Chance auf den Sieg könne es vorkommen, dass er nach wenigen Stichen das Blatt auf den Tisch wirft und aufgibt. Gespielt wird bei Witzl immer das, was die meisten Punkte verspricht. „Wichtig ist, was am Ende unter dem Strich rauskommt“, freut er sich auch über die Punkte eines ganz einfachen Spiels, das mit diesem Blatt quasi jeder gewinnen könnte – jeder, der Skat kann. Witzl reizt die Vielfältigkeit am Skat, das hohe Maß der Abwechslung. Hier hakt Witzl ein: „Skat ist vom Aussterben bedroht. Es kommen keine jungen Spieler nach.“ Er selbst habe Skat von seinem Vater beigebracht bekommen. Das passiere heute kaum noch. Mit Kumpels habe er im Schwimmbad gespielt. Mit 23 Jahren sei er mit ihnen zu einem Turnier des Skatclubs gegangen – und hängen geblieben. „Der letzte mit Welpenschutz im Skatclub ist gerade 50 geworden“, scherzt Witzl. Der älteste Spieler sei 87 Jahre, aber noch sehr ernst zu nehmen. Kommt Wolfgang Witzl unter die ersten 16 in Bitburg, darf er zur deutschen Meisterschaft im Juni in Bremen. Mit seinem Clubkollegen Gerd Leubner, der als 13. bei den Pfalzmeisterschaften ebenfalls bei der Zwischenrunde am Start ist, wird Witzl auch zur südwestdeutschen Meisterschaft im Tandem-Skat fahren. KONTAKT Die Mitglieder des Skatclubs Frankenthal treffen sich freitags ab 20 Uhr beim Kleintierzuchtverein Am Kanal.

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