Frankenthal Mit dem Akkordeon auf Weltreise

Für die Liebhaber anspruchsvoller Akkordeonmusik war das Frühlingskonzert des Harmonika-Spielrings Frankenthal am Sonntagnachmittag in der Zwölf-Apostel-Kirche ein echter Leckerbissen. Die drei Klangkörper des seit 85 Jahren bestehenden Vereins zeigten sich bestens disponiert und boten ein stilistisch sehr breit angelegtes Programm. Es nahm die rund 150 Zuhörer mit auf eine vergnügliche Reise rund um den Globus.
Erste Station war die Grüne Insel Irland, die das erste Orchester, das seit knapp zwei Jahren von der gebürtigen Essenerin Carina Mehren geleitet wird, zu Variationen über eine Volksweise inspirierte. Dem langsamen Auftakt folgte ein sehr lebhafter Satz, bei dem die 14 Akkordeonspieler – unterstützt von Xylofon und Pauken – ein Klanggemälde voller Kontraste schufen und ihr virtuoses Spiel mit einem triumphalen Schluss krönten. Dass die Nachwuchsarbeit vom Harmonika-Spielring ernst genommen wird und daher auch Früchte trägt, zeigte sich eindrucksvoll beim Auftritt des zweiten Orchesters, das sich mit der zackig-militärischen „North Beach Parade“ des niederländischen Komponisten Harm Evers gegen das dominante Schlagwerk behaupten musste. Mit dem durch James Last bekannt gewordenen Titel „Biscaya“ von Manfred Buchholz und Franz-Peter Moorlampen (Pseudonyme William Bookwood und Howard O’Malley) schlugen sie dann sanft-harmonische Töne an. Eigens für das Konzert hatte Dirigentin Maria Marschalk eine kleine Europareise arrangiert, die mit populären Erkennungsmelodien aufwartete: von den Caprifischern über Heidi (exzellent mit der Knopfharmonika interpretiert) bis zu Kalinka und Beethovens „Ode an die Freude“ mit feierlich strahlenden Tutti-Passagen. Als Zugabe gab’s den 1958 entstandenen Latin-Rock-Klassiker „Tequila“. Mit Filmmusik des erfolgreichsten Hollywood-Komponisten John Williams verzauberte das erste Orchester nach einer stark ausgedehnten Pause. Bei dem temperamentvoll angegangenen „Raiders March“ ließen die blendend aufeinander abgestimmten Musiker Szenen aus „Indiana Jones“ mit Harrison Ford vor dem geistigen Auge der Zuhörer vorbeiziehen. Die verträumten karibischen Rhythmen – exakt wie ein Uhrwerk getrommelt – waren dann ganz dazu angetan, ein bisschen Urlaubsstimmung im Kirchenschiff aufkommen zu lassen. Klar, dass eine Zugabe gewünscht war: Stevie Wonders „You Are the Sunshine of My Life“? Die fünf routiniert aufspielenden Mitglieder des Ensembles „Ernst & Co.“ (Leitung Frank Rieck) entlockten ihren Instrumenten nicht nur Tonfolgen in einer bemerkenswerten klanglichen Vielfalt, sondern entfachten bisweilen auch einen Tastenzauber. Kurt Weills Vertonung der Moritat von Mackie Messer aus der „Dreigroschenoper“ hat man in dieser virtuosen Version noch selten gehört. Auch bei Glenn Millers wunderbarem Swingtitel „Chattanooga Choo-Choo“ – in Deutschland durch Udo Lindenberg und seinen „Sonderzug nach Pankow“ berühmt geworden – zeigte sich die wahre Klasse des Quintetts. Während sich draußen ein Hitzegewitter entlud, wurde drinnen die Uraufführung eines Werks mit dem beziehungsreichen Titel „El Trueno“ (Der Donner) gefeiert. Mareike Lenz, die Erfinderin des Musiktheaters „Honk und Hanna“, hat es komponiert und ihrem Ehemann Rolf Donner gewidmet. Und der schrieb als studierter Akkordeonist das Arrangement, bediente sich dabei effektvoller lautmalerischer Elemente. Das Publikum feierte die beiden persönlich anwesenden Künstler mit donnerndem Applaus. „Ernst & Co.“ hatten ihr Pulver noch nicht ganz verschossen. Mit dem „Typewriter“, jenem unverwüstlichen Ohrwurm von Leroy Anderson, setzten sie nach gut zwei Stunden den heiter stimmenden Schlusspunkt eines unterhaltsamen Konzerts.