Frankenthal Meisterhafte Tonsprache

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Das Collegium Vocale am Wormser Dom, das schon wiederholt mit geistlichen Werken in Frankenthal gastiert hatte, machte das Benefizkonzert des Lions-Clubs am Samstagabend in der Zwölf-Apostel-Kirche zu einem eindrucksvollen und nachhaltigen Hörerlebnis, das mehr als nur knapp 100 Zuhörer verdient gehabt hätte.

Die 34 Sängerinnen und Sänger präsentierten sich trotz deutlicher Dominanz in den Frauenstimmen als bestens harmonierender und kultiviert intonierender Chor, der durch seine exakten Einsätze bestach und sich auch in Dynamik und Tempo keine Blöße gab. Allein bei den Tenören fehlte im Obertonbereich stellenweise etwas das Volumen. Mit unaufdringlicher Orgelbegleitung unterstützte die junge Russin Maria Mokhova den Chorgesang und setzte nur selten eigene musikalische Akzente. Am Dirigentenpult hatte der sachlich agierende Dan Zerfaß, Domkantor an St. Peter in Worms, das Heft stets sicher in der Hand. Im Mittelpunkt des gut einstündigen Konzerts stand mit Antonin Dvoráks Messe in D-Dur ein relativ selten aufgeführtes kirchenmusikalisches Werk, das 1887 im Auftrag des Architekten und Gründers der Tschechischen Akademie der Wissenschaft und Künste, Josef Hlávka, entstanden ist. Die Tonsprache besticht durch ihre scheinbare Einfachheit, und doch zeigt sie die Meisterschaft des Komponisten, einen sakralen Text so zu fassen, dass gleichzeitig auch der unbeschwert-volkstümliche Charakter seiner böhmischen Heimat mitschwingt. Gottesverehrung ist für Dvorák eher lyrische Meditation als dramatische Unmittelbarkeit. Die Messe wurde nicht im Zusammenhang aufgeführt, sondern durch zwei im tonalen Kontrast stehende Orgelstücke unterbrochen, um den Sängern eine Verschnaufpause zu gönnen. Maria Mokhova verstand es, in der Passacaglia von Dimitrij Schostakowitsch mit einfühlsamer Registrierung die dynamischen Steigerungen meisterhaft herauszuarbeiten und auch in den mehr romantischen Passagen den Spannungsbogen nicht abreißen zu lassen. Auch beim Choral in a-Moll von César Franck, einem der meistgespielten Orgelwerke des 19. Jahrhunderts, offenbarten sich Spielfreude und technische Perfektion der Solistin, die auch das rasante Tempo des Mittelteils bravourös meisterte. Zurück zu Dvorák und seinem musikalischen Glaubensbekenntnis. Das Vokalensemble aus der Nibelungenstadt gestaltete das fugenartige „Kyrie“ mit energiegeladenen Modulationen, um sich in der Reprise zu einem mächtigen Forte zu steigern. Eine freudige Grundstimmung begleitete das „Gloria“, während das „Benedictus“ mit getragener Würde – mal zweistimmig geführt, mal im Tutti – interpretiert wurde. Das „Credo“ erinnerte an einen Wechselgesang zwischen Vorsänger und Gemeinde – mit dem erschütternden „Crucifixus“ (Kreuzigung) und dem strahlenden „Resurrexit“ (Auferstehung), gekrönt von einem mächtigen Amen. Besonders ergreifend sang der Chor das „Agnus Dei“ mit dem flehenden „Miserere“ und der sanft verklingenden Schlussbitte „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden). Für ein besinnliches Konzert belohnten die Zuhörer die Musiker mit starkem Beifall.

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