Frankenthal „Meinen Beruf habe ich immer als kreativ erlebt“

Seit 1978 stand sie im Dienst der pfälzischen Landeskirche: Gertrud Lugenbiehl-Spindler.
Seit 1978 stand sie im Dienst der pfälzischen Landeskirche: Gertrud Lugenbiehl-Spindler.

Der letzte Gottesdienst ist gefeiert, ihre Amtszeit geht zu Ende: Gertrud Lugenbiehl-Spindler war 40 Jahre im Dienst der pfälzischen Landeskirche, 25 davon als Pfarrerin der Friedenskirche.

Wer kannte sie nicht, die kleine energische Frau, die mit wehenden roten Haaren und wallenden Gewändern durchs Heßheimer Viertel wirbelte und über den Wochenmarkt. „Man muss unterwegs sein mit wachem Blick, offenen Ohren und liebevollem Herzen“, so ihr Credo. Am liebsten sei sie zu Fuß gegangen, denn „da kriegt man viel mehr mit und erreicht die Menschen“. Anders als Petrus in der Bibel war Gertrud Lugenbiehl-Spindler keine Menschenfischerin, lieber knüpfte sie Netze zwischen Menschen, ermöglichte Begegnungen, schuf Kontaktfelder. Auf der Straße komme man leichter miteinander ins Gespräch als drinnen, meint sie. Etwa mit den Frauen, die nachmittags auf der Bank vor der Sparkassenfiliale saßen und einen Treffpunkt für Senioren vermissten. Daraus entstand die Idee des Seniorenkaffees (zweiter Donnerstag im Monat) und des Mittagstischs für Senioren (letzter Freitag im Monat). Und da war die Frau, die immer allein spazieren ging. Die brachte sie mit einem ebenso einsamen Spaziergänger zusammen, und fortan waren die beiden gemeinsam unterwegs. Hier wie da sei es ihr gelungen, „etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes weiterzugeben“, das habe sie glücklich gemacht. Mit 1200 Gläubigen ist die Friedenskirche eine kleine Gemeinde, und gerade das sei schön gewesen. Die Menschen im Frankenthaler Westen zusammenzubringen, Alteingesessene und Zugezogene, Senioren und junge Familien, Einheimische und Neuankömmlinge aus anderen Glaubensrichtungen und Kulturen, lag der Pfarrerin stets am Herzen. Dabei war Gertrud Lugenbiehl-Spindler nicht allein: ihre Pfarrstelle teilte sie sich 1999 mit Ehemann Wilhelm Spindler, einem promovierten Theologen, den sie während des Studiums in München und Marburg kennengelernt hatte. Zwei Kinder, Artur und Magdalena, wurden geboren. Pfarrer Spindler verstarb im Januar 2018. Pfarrerin zu werden schien Gertrud Lugenbiehl in die Wiege gelegt, denn sie stammt aus einem klassischen Pfarrerhaushalt: Geboren 1953 in Kusel, der Vater Pfarrer in Zweibrücken, die Mutter mithelfende Pfarrfrau. Am 1. Oktober 1978 trat Gertrud Lugenbiehl-Spindler ihren Dienst bei der pfälzischen Landeskirche an, zunächst als Vikarin, dann 1980 als Pfarrerin in Ellerstadt. Nach Stationen im Dekanat Grünstadt, unter anderem als Seelsorgerin im Altenheim Grünstadt, kam sie am 1. Dezember 1993 als Pfarrerin an die Friedenskirche. „Meinen Beruf habe ich immer als sehr kreativ erlebt“ betont sie fast schwärmerisch. Freud und Leid, Hochzeiten und Trennungen, Taufen, Konfirmationen, Beerdigungen – stets sei man als Pfarrerin nah dran an den Schaltstellen des Lebens, bei Übergängen und Brüchen. Doch die Menschen zu erreichen sei heute schwieriger geworden, das erfordere neue Ideen: Im Jahr 2000 hat sie ihren ersten Gottesdienst auf dem Spielplatz gehalten, 2013 die Aktion „Adventsfenster“ angestoßen. Weitere Projekte sind das Frühlingsfrühstück und das nach biblischem Vorbild mit Brot und Wein am Tisch gefeierte Abendmahl an Gründonnerstag. In ihrer Kirche einen Raum zu schaffen für Ruhe und Stille, für Abstand und Reflexion, war Gertrud Lugenbiehl-Spindler ebenso wichtig. Dazu ließ sie sich in meditativem Tanz und als Leiterin von Taizé-Gottesdiensten ausbilden und holte Künstler und ihre Werke – etwa im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“ – ins Gotteshaus. 25 Jahre Leben im Pfarrhaus in der Wingertstraße, damit ist es jetzt für Gertrud Lugenbiehl-Spindler vorbei: Ihren letzten Gottesdienst feierte sie bereits am 23. September. Danach ging es ans Kofferpacken. Ihren Lebensabend will die ehemalige Pfarrerin in Bad Dürkheim verbringen, in einem Haus mit Sohn Artur und Familie. Künftig möchte sie sich verstärkt ihren Hobbys Chorsingen, Yoga und Meditation widmen, die Freiräume genießen, die der Ruhestand mit sich bringe und nach einer Orientierungsphase ehrenamtlich tätig sein.

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