Motorsport
Marvin Dienst von mehreren Reifenschäden ausgebremst
Der fliegende Start eines GT3-Rennens ist immer eine enge Angelegenheit. Wenn 47 Supersportwagen nach wenigen Hundert Metern in die erste Kurve einbiegen, geht so manchem Fahrer der Platz aus. Am Samstagabend erwischte es Paul Petit, den Startfahrer des Teams Toksport WRT aus der Eifelgemeinde Quiddelbach. Nach einem unverschuldeten Kontakt mit dem Fahrzeug eines Konkurrenten war der linke Vorderreifen seines schwarzen Mercedes-AMG GT3 Evo hinüber. Auch einige Kleinteile an der Karosserie und im Radkasten hatte es erwischt. Alles in allem habe es aber nach keiner allzu großen Sache ausgesehen, berichtet Dienst, der seit vielen Jahren auch für das Team Schütz Motorsport aus Bobenheim-Roxheim in verschiedenen Serien ins Lenkrad greift. „Der Reifen wurde in der Box gewechselt, das Auto war so weit in Ordnung.“
Hinüber war natürlich auch die ganz ordentliche Ausgangslage. Petit hatte das Rennen von Startplatz 20 aus aufgenommen – nicht optimal, aber bei einem Langstreckenrennen kann ja viel passieren. Nach dem ungeplanten frühen Boxenstopp musste sich der Franzose jedoch im hinteren Teil des Feldes einsortieren.
Problemloser Stint
Nach einem problemlosen Stint des Kolumbianers Oscar Tunjo, der den Toksport-Mercedes für die zweite Rennstunde von Petit übernommen hatte, war Marvin Dienst an der Reihe. „Das Auto lief gut, die Pace war in Ordnung.“ Doch kaum war der Lampertheimer fünf Runden gefahren, gab es den nächsten Reifenschaden – wieder vorne links.
Auf dem Circuit Paul Ricard komme dies beim Mercedes durchaus häufiger vor, erklärt Dienst. „Durch den Frontmotor hat der Mercedes viel Gewicht auf der Vorderachse.“ Aufgrund der Streckencharakteristik sei der Reifenverschleiß in Le Castellet vorne links besonders groß. Kurzum: Auch der zweite Plattfuß sah zunächst nach keiner großen Sache aus, zumal die Boxencrew beim Blick unter den Boliden keine kaputten Fahrzeugteile entdeckte, die den Reifenschaden verursacht haben könnten.
Einige Plätze gutgemacht
So machte Dienst wieder einige Plätze gut und beendete seinen Stint ohne weitere Probleme, ehe er den Wagen an Paul Petit übergab. Doch als der Franzose aus der Boxengasse fahren wollte, passierte es wieder – der Reifen vorne links war nach ein paar Metern aufgeschlitzt. Der Mercedes wurde in die Box geschoben und einer Inspektion unterzogen. Auf die Schnelle konnten die Mechaniker jedoch nichts finden. „Wir gehen von einem Folgeschaden der Kollision am Anfang aus und wollten kein Risiko eingehen“, berichtet Dienst. „Bei einem erneuten Schaden wäre es auch knapp geworden mit unserem Reifenkontingent. Weil wir bereits weit zurücklagen, haben wir entschieden, das Rennen vorzeitig zu beenden.“
Die Enttäuschung sei im Team natürlich groß gewesen. „Wir hatten uns viel vorgenommen für das Wochenende“, sagt Dienst. „Wir sind eigentlich fehlerfrei gefahren, und Strafen haben wir auch keine kassiert.“ Zufrieden ist der Pilot mit seinem Qualifying. Mit 1:53,846 Minuten fuhr er in der dritten Session die viertschnellste Zeit und war damit bester Mercedes-Pilot. Dass es für das Toksport-Trio trotzdem nur zu Startplatz 20 reichte, lag an den deutlich langsameren Qualifyingzeiten seiner beiden Teamkollegen in der ersten und zweiten Session.
Positiv: „Die Pace vom Auto stimmt. Wir waren ja schon in Monza schnell“, betont Dienst. „Jetzt müssen wir das nur noch in Punkte ummünzen.“ Die nächste Gelegenheit dazu hat das Toksport-Team Ende Juli beim Saisonhöhepunkt, dem 24-Stunden-Rennen von Spa.
Spannung an der Spitze
Als sich Dienst von der Box auf den Weg zurück in sein Hotel machte, wurde es auf dem Circuit Paul Ricard an der Spitze richtig spannend. In der Schlussphase entriss Matt Campbell im GPX-Racing-Porsche dem Lamborghini-Piloten Marco Mapelli und dessen Orange-FFF-Mannschaft den fast schon sicher geglaubten Start-Ziel-Sieg.
Ganz leer ging auch die Toksport-Truppe am Ende nicht aus. Seit dieser Saison gibt es in der GT World Challenge Europe bei jedem Saisonlauf auch einen E-Sport-Wettbewerb – ein virtuelles Rennen auf der entsprechenden Strecke, das in die Wertung einfließt. Jedes Team muss dafür einen Fahrer benennen. Und da bewies Marvin Dienst, dass er auch im Simulator schnell unterwegs ist. Der 24-Jährige steuerte den virtuellen Toksport-Mercedes auf einen Podestplatz und ergatterte 6500 Euro Preisgeld sowie drei Punkte fürs Team.