Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel Marvin Dienst startet bei den 24 Stunden von Spa

Herausforderung für Mensch und Maschine: Marvin Dienst im Toksport-Mercedes beim Training für das 24-Stunden-Rennen auf der lege
Herausforderung für Mensch und Maschine: Marvin Dienst im Toksport-Mercedes beim Training für das 24-Stunden-Rennen auf der legendären Strecke Spa-Francorchamps.

Die Herzen der Motorsportfans schlagen am Wochenende höher: Mit dem 24-Stunden-Rennen von Spa steht am Samstag, 31. Juli, der absolute GT3-Höhepunkt des Jahres an. Um 16.30 Uhr begeben sich 58 Supersportwagen auf die Hatz zweimal rund um die Uhr. Mit dabei ist Marvin Dienst, der einen Mercedes-AMG GT3 Evo des Teams Toksport WRT aus der Eifelgemeinde Quiddelbach pilotiert.

Nach Le Mans, Dubai und dem Nürburgring ist es bereits das vierte 24-Stunden-Rennen für Marvin Dienst, der seit vielen Jahren für das Team Schütz Motorsport aus Bobenheim-Roxheim in verschiedenen Serien am Lenkrad dreht. Und nein, er sei vor dem Start nicht nervös, sagt der Lampertheimer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er ist bereits seit Beginn der Woche in Spa. Er absolvierte Testfahrten, und es gibt vor dem Rennen auch mehr Trainingseinheiten als sonst. Er freue sich auf den Saisonhöhepunkt im Endurance Cup der GT World Challenge Europe, betont der 24-Jährige. Für ihn und sein Team, das im Vorjahr Vizemeister wurde, ist es das dritte Saisonrennen in der Serie.

Druck, weil die Ergebnisse bislang nicht den Vorstellungen entsprochen haben, verspüre man noch nicht. Beim Drei-Stunden-Rennen in Monza sprang Mitte April für Marvin Dienst, Paul Petit und Oscar Tunjo nur Platz 20 heraus, Ende Mai dann bei den 1000 Kilometern auf dem Circuit Paul Ricard im südfranzösischen Le Castellet mussten sie ihr Auto nach mehreren Reifenschäden vorzeitig abstellen. „Bisher war viel Pech dabei. Für das 24-Stunden-Rennen gibt es aber die doppelte Punktzahl. Wenn wir hier ein gutes Ergebnis erzielen, ist für uns noch alles drin“, unterstreicht Dienst.

Fahrer besonders gefordert

Die Testtage im belgischen Spa vor fünf Wochen seien sehr gut verlaufen. Wo man im Vergleich zu den anderen stehe, sei jedoch schwer einzuschätzen, meint der Rennfahrer. „Bei den Tests arbeiten die Teams ja mit verdeckten Karten, probieren verschiedene Setup- und Aero-Einstellungen aus. Man weiß auch nie, wie viel Benzin die Konkurrenten an Bord haben, ob sie gerade sehr schwer oder ganz leicht unterwegs sind.“

Im Rennen werde es nicht zuletzt auf den Fahrer ankommen. Der sei auf der sieben Kilometer langen Strecke Spa-Francorchamps mit ihrem hohen Vollgasanteil besonders gefordert. Mensch und Maschine haben auf jeder Runde einen Höhenunterschied von 100 Metern zu überwinden und 21 Kurven zu durchfahren, von denen eine ganz besonders heraussticht: die legendäre Eau Rouge mit ihrer steil bergauf führenden Links-rechts-links-rechts-Kombination. „Das ist eine meiner Lieblingskurven, aber sie erfordert viel Vertrauen ins Auto und in einen selbst“, sagt Dienst. „Die Kurve baut sich wie eine Wand vor der Windschutzscheibe auf und ist für den Fahrer nicht vollständig zu übersehen. Man muss sie aber mit Vollgas durchfahren, um die anschließende Kemmel-Gerade optimal zu erwischen, die weiter bergauf führt.“

Vierter Fahrer an Bord

Auch das Material werde auf der „Ardennen-Achterbahn“ hart rangenommen. „Wir werden auf jeden Fall neben den Reifen auch die Bremsen wechseln müssen“, erzählt Dienst, auf den am Wochenende wohl die meiste Arbeit zukommen wird. Der erfahrenste Pilot im Toksport-Team rechnet damit, sechs Stints à zwei Stunden zu fahren. „Abschalten kann man bei einem solchen Rennen ohnehin nicht. Wir haben zwar einen Camper an der Strecke, aber um zwischendurch richtig zu schlafen, ist es viel zu laut“, sagt der 24-Jährige und lacht. Für die Hatz zweimal rund um die Uhr ist ein vierter Fahrer an Bord: Neben dem Lampertheimer, dem Franzosen Paul Petit und dem Kolumbianer Oscar Tunjo wird auch der Türke Berkay Besler, ein Fahrer aus dem Porsche Carrera Cup, das Steuer des Toksport-Mercedes übernehmen.

In den Qualifyings will das Quartett auf jeden Fall einen guten Startplatz herausfahren, auch wenn dieser bei einem 24-Stunden-Rennen nicht so entscheidend ist wie sonst. „Bei fast 60 Autos ist die Gefahr hinten groß, frühzeitig im Verkehr stecken zu bleiben und bei Gelbphasen das Nachsehen zu haben“, erläutert Dienst.

Anspruchsvoller als Le Mans

Gefahren wird in vier Klassen: Pro Cup, Silver Cup, Pro Am Cup und Am Cup. Sie unterscheiden sich nur durch das Fahrerrating beim weltweiten Motorsport-Dachverband FIA, die Fahrzeuge sind identisch nach dem GT3-Reglement. Dienst und seine Mitstreiter im Toksport-Mercedes treten in der zweithöchsten Klasse, dem Silver Cup, an, wollen aber auch um den Gesamtsieg mitfahren.

Weil alle Starter Rennwagen der gleichen Kategorie pilotierten, seien die 24 Stunden von Spa noch anspruchsvoller einzuschätzen als die Langstreckenklassiker in Le Mans und auf der Nürburgring-Nordschleife, wo mit ganz unterschiedlichen Autos gefahren wird. „Die Leistungsdichte hier ist enorm. In Spa sind die besten GT3-Fahrer der Welt am Start“, betont Marvin Dienst.

Im Netz

Die Rennaction aus Belgien wird im Livestream übertragen, unter anderem unter www.youtube.com/gtworld/featured.

Trainingsrunden in der Nacht sind Pflicht in Spa.
Trainingsrunden in der Nacht sind Pflicht in Spa.
Für Marvin Dienst ist es bereits das vierte 24-Stunden-Rennen in seiner Karriere.
Für Marvin Dienst ist es bereits das vierte 24-Stunden-Rennen in seiner Karriere.
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