Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Marktschätze: Metzgerei Bergold verkauft Fleisch und Wurst vom Pferd

„Pferdefleisch ist sehr eisenhaltig sowie cholesterin- und fettarm“, sagt Verkäuferin Christine Bergold.
»Pferdefleisch ist sehr eisenhaltig sowie cholesterin- und fettarm«, sagt Verkäuferin Christine Bergold.

Schweinefleisch erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Durchschnittlich 30 Kilogramm verzehrt der Bundesbürger davon jedes Jahr. Bei Pferdefleisch sind es dagegen nur 50 Gramm. Etliche Kilo des Produkts gehen freitags am Stand der Wachenheimer Pferdemetzgerei Bergold auf dem Wochenmarkt über die Theke.

Am Verkaufsmobil, das mit einem Pferdekopf verziert ist, überwiegt die Stammkundschaft. Diskussionen darüber, ob Fleisch vom Ross ethisch vertretbar ist, gibt es kaum. Hier kaufen eingeschworene Gourmets wie die junge Frau, die ein Kilo Gulasch mitnimmt. „Pferdefleisch mag ich seit meiner Jugend, es ist eine Delikatesse“, sagt sie. Die Dame gehört zu einer kleinen Fangemeinde. Die meisten Deutschen lehnen Pferd auf dem Teller ab. Das Tier hat einen hohen Sympathiefaktor. Was auch daran liegen dürfte, dass Pferde in der Regel Namen tragen. Dagegen bekommen viele Stadtbewohner Schweine oder Kühe gar nicht mehr zu Gesicht.

Beim Konsum von Pferdefleisch gibt es von Land zu Land große Unterschiede: In Europa verzehren die Italiener mit einem Kilogramm pro Kopf und Jahr die größte Menge. Auch in Frankreich ist das Ross als Fleischgericht oder Wurstware sehr beliebt. Bei den Briten wiederum ist es streng verpönt.

Christine Bergold, die auf dem Rathausplatz gut gelaunt hinter der Theke steht, argumentiert mit Nachhaltigkeit: „Wir verarbeiten Reitpferde aus der Region, die durch unsachgemäßes Training verletzt wurden oder einen Unfall hatten. So wird das hochwertige Fleisch nicht weggeworfen.“ Die Würste, Rauchfleisch und Schinken seien bei nationalen und internationalen Wettbewerben mit Gold prämiert worden, berichtet die 53-Jährige und zeigt auf die Urkunden im Wagen.

Metzgerei und Viehhandel

Im Schnitt kämen in der Metzgerei in Wachenheim zwei bis drei Pferde pro Woche unters Messer, sagt Bergold. Getötet würden sie wie Kühe oder Schafe per Bolzenschuss. Das erledige ihr Ehemann Hans Erwin, der in Deutschland zur kleinen Berufsgruppe der Pferdemetzger zähle. Nur rund 100 gebe es bundesweit. Bevor ein Pferd geschlachtet wird, müsse der Besitzer den Pferdepass vorlegen. Darin stehe, ob das Pferd als Schlachttier eingetragen ist. Der zuständige Veterinär begutachte das Tier zweimal – lebend und nach der Schlachtung. „Das ist Pflicht“, betont Bergold.

Sie selbst esse am liebsten Pferdegulasch. Dessen Geschmack komme Rindfleisch am nächsten, habe aber ein etwas stärkeres Aroma. Gesundheitlich biete Pferdefleisch viele Vorteile: „Es ist sehr eisenhaltig sowie cholesterin- und fettarm. 100 Gramm enthalten etwa 3,5 Milligramm Eisen, Rinder liefern dagegen nur 1,9 Milligramm“, erklärt die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin.

Gegründet wurde die Metzgerei 1928. Das Wachenheimer Familienunternehmen wird bereits in dritter Generation geführt. Vor rund 30 Jahren erweiterte Hans Erwin Bergold den Betrieb um die Pferdemetzgerei. Viehhandel betreibt er ebenso wie seine Vorfahren – er hält Pferde, Ponys, Ziegen, Esel und Schafe.

Päpstliches Verbot

Historisch betrachtet gehört Pferdefleisch zu den ältesten Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs. In der Frühzeit war das Wildpferd ein beliebtes Jagdobjekt. Ab etwa 3000 vor Christus wurde es domestiziert. Im Jahr 732 erließ Papst Gregor III. jedoch ein Verbot, Pferde zu essen. Wie Historiker vermuten, sollte das kriegswichtige Tier wohl nicht auf dem Teller landen. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Pferdefleisch in Deutschland als normale Handelsware zugelassen.

Experten vermuten, dass das kirchliche Verbot bis heute nachwirkt. Früher wurde die Ablehnung auch dadurch befeuert, dass Pferdegerichte als Essen armer Leute galten. In wirtschaftlich schlechten Zeiten und Hungersnöten waren die Menschen gezwungen, ihre Pferde zu schlachten, um zu überleben. Vor zehn Jahren kam es in Europa zu einem großen Lebensmittelskandal: Vorgefertigte Produkte wie Lasagne enthielten statt Rindfleisch nicht deklariertes Pferdefleisch.

Die Serie

Der Frankenthaler Wochenmarkt hat eine Tradition, die sage und schreibe 450 Jahre alt ist: 1572, also fünf Jahre vor der Verleihung der Stadtrechte, gestattete Kurfürst Friedrich III. der Gemeinde, einen Wochenmarkt abzuhalten. Heute bieten rund 40 Händler ihre Ware feil, sie kommen aus der Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und der französischen Region Grand Est. In loser Folge stellen wir ausgewählte saisonale Marktschätze und ihre Verkäufer vor.

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