Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Malteser Hilfsdienst: Stadtverband hat hauptamtliche Chefin

Über das Projekt Wohnungswerkstatt zu den Maltesern gekommen: Verena Rothmund.
Über das Projekt Wohnungswerkstatt zu den Maltesern gekommen: Verena Rothmund.

Der Frankenthaler Stadtverband des Malteser Hilfsdienstes ist der größte in der Diözese Speyer. Betrieb der Tafel und des Seniorentreffs Villa Malta, Rettungsdienst und Katastrophenschutz – ein Blick auf die dort versammelten Aufgaben reicht, um zu verstehen: Das Ganze hat Größe und Aufwand wie ein mittelständisches Unternehmen. Seit November gibt es eine neue Führungsstruktur.

Bisher landete mehr oder weniger alles, was eine gewisse Bedeutung hatte und Entscheidungen erforderte, auf dem Schreibtisch oder im E-Mail-Eingang von Michael Baumann. Der 43-Jährige ist seit 2001 ehrenamtlicher Stadtbeauftragter der Malteser Frankenthal und hat die Professionalisierung des Verbands seitdem vorangetrieben – inklusive neuer Tätigkeitsfelder. Das Problem dieser Entwicklung: Neben dem Beruf und den Verpflichtungen als Kommunalpolitiker sei das Engagement nicht mehr zu leisten, sagt Baumann.

Entlastung fürs Ehrenamt

Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist ein Pilotprojekt. Es wird bis Ende 2022 laufen und hat vor allen Dingen das Ziel, die ehrenamtliche Führung des Stadtverbands von operativen Fragen zu entlasten, dem berühmt-berüchtigten Alltagsgeschäft: Rechnungslegung, Buchführung, Datenschutz, Mitarbeiterverwaltung. Übernehmen wird das Verena Rothmund in der dafür neu geschaffenen Funktion einer hauptamtlichen Geschäftsführerin. Die 30-Jährige leitet seit Mitte Februar halbtags die Wohnungswerkstatt der Malteser und hat jetzt auf Vollzeit aufgestockt.

Für ihr bisheriges Aufgabengebiet bleibt Rothmund verantwortlich. Mit der Flexibilität, sich ihr Pensum frei einteilen zu können, ist sie nun aber den ganzen Tag in beiden Funktionen ansprechbar. In den ersten Wochen als Geschäftsführerin gehe es jetzt aber erst einmal für sie darum, Abläufe, Strukturen und natürlich die darin aktiven Leute kennenzulernen. „Reinkommen ins Tagesgeschäft eben“, sagt Rothmund. Die größte Herausforderung hat die Erziehungs- und Migrationswissenschaftlerin dabei täglich vor Augen: die geplante und von der Stadt genehmigte Erweiterung der Tafel.

Abkehr von alter Struktur

Die Freiräume, die sich für ihn durch die veränderte Führungsstruktur ergeben, will Michael Baumann nutzen, um sich aufdie Aufgaben zu konzentrieren, die in „normalen“ Dienststellen auf einen Stadtbeauftragten warten: die Malteser zu repräsentieren. Darüber hinaus werde er sich bei möglichen neuen Projekten eng mit der Geschäftsführerin abstimmen und bleibe letztlich auch in der Verantwortung für den Stadtverband. „Ein bisschen mehr Luft“, erhofft sich Baumann, der nach der verpassten Wiederwahl 2019 inzwischen wieder für die CDU in den Stadtrat nachgerückt ist und die Fraktion im Krankenhausausschuss vertritt.

Die Frankenthaler Malteser rücken mit der neuen Konstruktion vom bisher ehernen Grundsatz des Hilfsdienstes ab, wonach Hauptamt immer Hauptamt führt und Ehrenamt immer Ehrenamt. Das werde jetzt mit Rothmunds Einstellung anders, sagt Baumann. Unter den bundesweit 550 Dienststellen sei das nun gewählte Modell wohl eher eine Seltenheit. Insofern erhoffe er sich durchaus spannende Impulse – nicht nur für seine Truppe. Michael Baumann ist aber realistisch: „Relevant ist eine solche Lösung vor allem für große Dienststellen wie unsere.“

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