Frankenthal LESERBRIEFE AN DIE LOKALREDAKTION:
Es ist schon interessant zu lesen, dass der Sprecher der Deutsche Bahn AG nicht weiß, warum die neuen Aufzüge nicht freigegeben werden. Was hält die DB AG davon ab, die Auftragnehmer gegebenenfalls entsprechend der Verträge in Regress zu nehmen? Aber es gibt im Zusammenhang mit dem Bahnsteigumbau, außer den schon bemängelten Bahnsteighöhen und -breiten, noch weitaus mehr zu bemängeln: Da stellt sich nämlich auch die Frage, warum am Bahnsteig zwei Drittel der Überdachung nicht wieder bis über die Treppe und – darüber hinaus – bis über den Aufzug verlängert wurden. Es macht absolut keinen Spaß, bei Regen die nicht überdachte Treppe oder den Aufzug (falls er einmal funktionieren sollte) zu benutzen und pudelnass zu werden. Was für einen (Haupt!)-Bahnhof außerdem ein absolutes Unding ist, sind die fehlenden Bahnsteiguhren. Die fehlen seit dem Umbau komplett und müssen dringend wieder installiert werden. Dass man vom hinteren Bereich des Bahnsteigs die Anzeige an der Treppe nur sehr schwer oder gar nicht entziffern kann, soll hier nicht unerwähnt bleiben und ist ebenfalls ganz dringend nachzubessern. Nun ist es also so weit, dass die ersten vorher absehbaren Probleme auf dem Messplatz auftauchen. Hat ja nicht lange gedauert. Die Flüchtlinge aus Flomersheim wurden aus ihren bisherigen Strukturen gerissen und haben ganz viele Ansprechpartner verloren. Die Aussage von Bürgermeister Andreas Schwarz, dass Frankenthal keine große Stadt ist, ist generell richtig, wenn man die fünf Kilometer zum Café Asyl nicht bei Kälte und Regen zu Fuß zurücklegen muss. Dass die Nachfrage im Café dadurch sinkt, war uns Helfern allen klar. Die Jungs haben nun nur noch sich selbst und kaum Abwechslung. Besuche sind kaum möglich, da wir eben auch nicht das Camp betreten dürfen und dort auch sonst keine Möglichkeit besteht, sich auch einmal hinzusetzen und sich zu unterhalten. Die Realität sieht hier folgendermaßen aus: Wenn man zur Pforte kommt, muss man den Sicherheitsdienst erst mal bitten, das Tor aufzuschließen. Dieses ist mit einer dicken Kette und einem Schloss gesichert. Dann darf man manchmal unter Geleitschutz der dort tätigen Malteser Sachen abliefern. Oder aber man sollte „seine“ Flüchtlinge vorher anrufen, damit sie rauskommen können. Die einzigen bekannten Gesichter sind die von den Maltesern, die auch hier mit hohem menschlichen Einsatz ihren Dienst ausführen. Die Mitarbeiter der Security-Firma aus Flomersheim waren für die Jungs auch Ansprechpartner und Vertrauenspersonen. Kleinere Konflikte und Reibereien, die natürlich auftauchen, wenn so viele Menschen aufeinander sitzen und nichts tun dürfen, wurden hier sofort erkannt, und es wurde beschwichtigend eingegriffen. Leider wurden diese Mitarbeiter nicht zum Messplatz mitgenommen. Hier wurde die günstigste Firma genommen, die ein Konzept mit nur zwei Personen pro Schicht ausführt. Dass diese dann nicht in den Zelten auch mal nach dem Rechten schauen können, hat dann die logische Konsequenz, dass diese Streitigkeiten nun auch körperlich ausgetragen werden. War es das wert? 100 Männer waren gut untergebracht, und Ärger gab es keinen im Dorf. Im Gegenteil, wir hatten ein schönes Miteinander. Danke für fehlenden Weitblick und blinden Aktionismus! Ach ja, von Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit einsetzen und vieles leisten, was der Stadtverwaltung gar nicht möglich ist, eine höhere Flexibilität zu fordern, hat uns alle sprachlos gemacht. Was wir nun fordern? Mehr Respekt gegenüber dem Ehrenamt.