Frankenthal Leidenschaftliche Pädagogin
«NEUSTADT». Die promovierte Pädagogin Hiltrud Funk, die von 2005 bis 2014 das Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation (PIH) in Frankenthal leitete, lebt mit ihrem Mann seit fünf Jahren in Neustadt. Hier hat es ihr die historische Altstadt angetan. Und hier entdeckte sie auch die Villa Böhm und das Stadtmuseum, in dem sie sich seit einem Jahr ehrenamtlich als Museumspädagogin und ebenso wie im Historischen Verein auch als Beirätin engagiert.
Was verschlug die 1950 im hessischen Offenbach geborene Pädagogin, die an der Universität Frankfurt Deutsch, Sozialkunde und Kunsterziehung studierte und dort 2004 auch ihre Doktorarbeit schrieb, 2013 nach Neustadt? In ihrer Wohnung in der Innenstadt mit Blick auf die Haardt erklärt sie spontan: „Neustadt ist pittoresk. Ich habe eine Vorliebe für die historische Altstadt, die Menschen hier sind locker und offen.“ Gern wandert sie mit ihrem Mann und auch mit den beiden Töchtern und den drei Enkeln, wenn diese zu Besuch kommen, im Pfälzerwald oder unternimmt Ausflüge ins nahe Frankreich. Da sie sich für Kunst, Kultur und Geschichte begeistert, entdeckte sie bald die Villa Böhm und lernte die Mittwochstreffs des Museumsfördervereins zu schätzen. Als dessen Vorsitzende, Helga Willer, die neue Museumspädagogik initiierte, war für die leidenschaftliche Pädagogin klar, dass sie sich hier einbringen wollte. „Wichtig ist mir, zwischen Pädagogik und Geschichte zu vermitteln“, sagt Funk. Mit ihren Führungen bringt sie Schülern der ersten bis sechsten Klassen die fast 800-jährige Stadtgeschichte nahe. Zur Themenauswahl gehören die Stadtentwicklung im Mittelalter, Druckwerke der Harnisch-Druckerei im 16. Jahrhundert, der Aufbruch zu Einheit und Freiheit mit dem Höhepunkt des Hambacher Fests. Auch mit Neustadter Erfindern und Entdeckern macht sie bekannt. Ein ebenso informatives wie humorvolles „Entdeckerheft für junge Museumsbesucher“ bietet mit Funks Texten und Steffen Boiselles Comic-Illustrationen Kindern einen spannenden Einstieg in die Stadtgeschichte. Die Führungen, zu denen sich Schulen anmelden können, werden gut angenommen. Auch Workshops werden angeboten. Hauptberuflich hat sich Funk bis zu ihrer Pensionierung für die Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Menschen eingesetzt. Von 1977 bis 1979 studierte sie zusätzlich an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg Schwerhörigen- sowie Sprachbehindertenpädagogik und arbeitete danach bis 2005 als Lehrerin an einer Schule für Hörgeschädigte mit Schwerpunkt Frühförderung in Hessen. Auch verfasste sie 2004 ihre Dissertation über „Das nicht-gehörte Kind – Die Entfaltung des Selbst von hörenden Kindern mit hochgradig hörbehinderten Eltern – Möglichkeiten der Frühförderung“. Für diese Förderung setzt sie sich bis heute unter anderem in der Vereinigung hörender Kinder gehörloser Eltern, „Coda“ (Children of Deaf Adults), ein. Zu dieser Thematik verfasste sie in diesem Jahr zusammen mit einer Arbeitsgruppe das Heft „Wir sind gehörlos & hörend eine Familie – Ratgeber für gehörlose Eltern“. Es ist eine Hilfe für die ganze Familie, besonders für Kinder, „denn sie leben in der Balance zwischen hörenden und nicht hörenden Angehörigen“, betont die engagierte 68-Jährige.