Coronavirus
Kulturvereine und Theaterensembles aus dem Frankenthaler Umland haben finanzielle Verluste
„Alles kam ziemlich plötzlich“, berichtet Thomas Andres, Vorsitzender des Theaterkreises 1975 Bobenheim-Roxheim. Ab 14. März haben man die sechs letzten von insgesamt elf Spielterminen des Frühjahrsstücks, der Kriminalkomödie „Guns’n’Nuns“ in der Winterspielstätte Hoftheater Hasch-Masch absagen müssen. „Gerade diese Termine waren ausverkauft, damit haben wir zwei Drittel unserer Einnahmen verloren“, sagt Andres. Ersatzlos gestrichen wurde das Jugendstück „König Artus“. Die Premiere war für den 7. Juni geplant. In den Osterferien beginnt der Nachwuchs normalerweise mit den Proben. Gekaufte Karten müssen nun erstattet, oder für künftige Termine umgetauscht werden. Den finanziellen Verlust beziffert Andres bislang auf rund 12.000 Euro. „Unsere ganze Hoffnung setzen wir jetzt in den Sommer.“ Im Mai sollen die Proben starten für das Stück, das ab August auf dem Freilichtgelände Im Busch gespielt werden soll. Dafür sollte das Regiehäuschen eigentlich ein neues Dach bekommen, doch die Investition in Höhe von rund 10.000 Euro ist aufs nächste Jahr verschoben.
Finanzen sind solide
Dem Versammlungsverbot zum Opfer gefallen ist das Vereinsleben. Organisatorisches werde zwar per Telefon, Skype und WhatsApp geregelt, digitale Kulturangebote etwa per Video seien aufgrund von Verlagsrechten aber nicht machbar. Trotz monatlicher Kosten von 1500 Euro (unter anderem für Miete/Pacht, Heizung, Versicherungen, Kredite) und fehlender Einnahmen sei der Theaterkreis existenziell nicht bedroht, die Finanzen solide, man sei kreditwürdig. Staatliche Soforthilfe, die Selbstständige in der Kreativwirtschaft beantragen können, sei für gemeinnützige Theatervereine nicht vorgesehen.
Nächste Premiere erst im November
Zurzeit noch keine Finanzverluste macht das Theater am Türmchen (TaT) Lambsheim, monatliche Kosten seien aus dem laufenden Betrieb gedeckt. Das nächste Großprojekt, die Inszenierung von Shakespeares „Sommernachtstraum“, ist erst für November geplant. Die Proben hatten im Februar begonnen und wurden Anfang März ausgesetzt. Durch die Corona-Krise bedingte Verzögerungen im Produktionsablauf des Zehn-Personen-Stücks werde man organisatorisch auffangen, gibt sich Kassierer Martin Armingeon optimistisch. Frühzeitig auf Eis gelegt worden seien auch die Trainingstermine der Impro-Theatergruppe, denn beim Improvisieren komme man sich körperlich nah. Zugleich sei das Ensemble für die Zeit nach Corona relativ schnell wieder spielbereit.
Beim TaT ausgefallen ist lediglich das Gastspiel „Summ Summ“ des Chawwerusch-Theaters Herxheim. Der Spieltermin 28. März wurde abgesagt, ein Ersatztermin im nächsten Jahr werde gesucht. Ticketpreise wurden zurückerstattet, einige Kartenkäufer haben aus Solidarität das Geld gespendet.
Theaterangebote per WhatsApp
Produktionen ins Netz zu stellen und für Theaterbesucher digitale Alternativangebote zu schaffen sei aus aufführungsrechtlichen Gründen für einen kleinen Theaterverein keine Option, betont Vorsitzender Rafael Barth. Über die eigene Webseite und per WhatsApp würden jedoch Links zu anderen Theatern geteilt und die Zielgruppe auf interessante Formate aufmerksam gemacht.
Ebenfalls am 28. März nicht spielen konnte Madeleine Sauveur beim Kulturverein Sieben Mühlen in Großkarlbach. Ihr Termin werde in den Herbst verlegt, betont Vorsitzender Jürgen Klüpfel und gibt sich zuversichtlich: „Momentan warten wir ab, aber ab Ende April/Anfang Mai geht’s weiter.“ Laufende Kosten habe der Verein nur wenige, allen voran die Miete für den Vereinsraum im alten Rathaus. Bei Bedarf werde man das Gespräch mit der Gemeinde suchen.
Maennchen: Eine ganz schwierige Zeit
„Wie im Kriegszustand“ erlebt Anni Maennchen, Vorsitzende des Kulturvereins Sankt Michael in Dirmstein, die Gegenwart. „Es ist eine ganz schwierige Zeit.“ Laufende Kosten von monatlich 150 Euro könne man „Spitz auf Knopf“ noch stemmen. Doch der Verein sei angewiesen auf die Einnahmen aus Veranstaltungen. Bereits im Februar frühzeitig abgesagt wurde das erste Basurconcert „Windrose Nord“ (22. März) im vollen Veranstaltungskalender. Der Grund: „Unsere älteren Besucher gehören zur Hochrisikogruppe“, erklärt Maennchen. Es wurde verlegt auf den 7. Juli. Die Übungsstunden der höfischen Tanzgruppe liegen derzeit ebenso auf Eis wie das Vereinsleben: Telefon und Skype könnten Sitzungen nicht ersetzen. Auch digitale Angebote seien nicht möglich: „Das Kulturerlebnis, wie wir es bieten, ist physisch, für die Sinne“, sagt Maennchen. Termine betreffend fahre man zurzeit „auf Sicht“ und sei zuversichtlich, dass es mit der Kultur ab Sommer wieder weiter gehe.