Frankenthal
Koch-Neuburg: Wie es mit einer Frankenthaler Marke weitergeht
Nein, die 100 Jahre noch vollzumachen, das wäre für sie kein Grund gewesen, in die Verlängerung zu gehen, sagt Annette Neuburg-Linnebach. „So ein Jubiläum ist nur ein Datum“, findet die Geschäftsführerin der 1925 gegründeten Koch-Neuburg GmbH. Nach mehr als drei Jahrzehnten an deren Spitze freut sie sich mit ihrem Mann Udo Schiebold darauf, „etwas anderes machen zu können“. In der Verantwortung – sie als Chefin, er als Prokurist des Betriebs – seien beide selbst im Urlaub häufig mit den Gedanken in der Frankenthaler Frankenstraße geblieben.
Der Schritt, jetzt – nach drei Generationen in Familienhand – das Unternehmen abzuwickeln, sei ihr bei allem Stolz auf Tradition und Produkte nicht schwer gefallen, beteuert die Diplom-Ingenieurin. Eine Nachfolgelösung für das Unternehmen mit Sitz in der Frankenstraße habe es nicht gegeben. Und als ein langjähriger Kunde, die Fritz Barthel Armaturen GmbH & Co. KG (Hamburg), Interesse an der Übernahme von Produktion und Vertrieb der bislang in Frankenthal gefertigten Durchflussanzeiger und Hauptstromfilter bekundete, habe man diese Chance zum Ausstieg genutzt.
Auf Veränderung vorbereitet
Im Herbst vergangenen Jahres begannen Neuburg-Linnebach und Schiebold damit, die Kunden auf die bevorstehende Veränderung vorzubereiten, Ende Januar endete die Produktion in der Pfalz und Ende März sind Maschinen, technische Unterlagen, Dokumentationen sowie Kunden- und Lieferantendateien nach Hamburg umgezogen. Und mit ihnen eine Marke, die auf fünf Kontinenten vertreten war und es dank Mike Barthel bleibt. „Die Koch-Neuburg-Produkte integrieren sich hervorragend in unser bestehendes Portfolio“, sagt der Chef des mittelständischen Armaturenherstellers.
Dass der eingeführte Namen und die damit verknüpften Erzeugnisse inklusive des Wissens darum nicht verschwinden, das ist Neuburg-Linnebach extrem wichtig. „Ich bin glücklich, dass wir so eine namhafte Firma für die Übernahme gefunden haben. Das ist ein schönes Gefühl.“ Weswegen sie und ihr Mann auch „mit Rat und Tat für einen Übergangszeitraum unterstützend zur Seite“ stünden, wie Barthel Armaturen der RHEINPFALZ bestätigt. Dies sei „praktisch eine Symbiose des Wissens und Know-hows“ zweier Traditionsunternehmen. Die drückt sich auch in Form einer Personalie aus: Ein langjähriger Fertigungs- und Montagemitarbeiter von Koch-Neuburg ist aus Frankenthal mit nach Hamburg gewechselt.
Traditionsprodukt im Keller
Das Einsatzgebiet der Durchflussanzeiger und Filter ändert sich auch unter neuer Ägide nicht: In Raffinerien, Kraftwerken und in der chemischen Industrie haben Kunden wie Shell, BASF, Flowserve und auch KSB auf die Qualität „made in Frankenthal“ gesetzt. Tatsächlich dürfte in der Region so mancher ein Produkt von Koch-Neuburg im Keller haben: in Form eines Hauswasserzählers. „Da gibt es zwar genügend andere Firmen, aber auch das war ein Traditionsprodukt“, sagt Annette Neuburg-Linnebach. Nicht wenigen Leuten sei – falls nötig – beim Einbau geholfen worden. „Da bricht in Frankenthal schon etwas weg.“
Diese unternehmerische Verbundenheit mit dem Standort verkörpert Neuburg-Linnebach nicht zuletzt auch selbst: Von den 98 Jahren stand sie ein knappes Drittel an der Spitze. Sie sei technikaffin gewesen und habe sich insofern auch für das Ingenieurstudium entschieden, wo sie die einzige Frau unter 40 Männern war. „Das hat mir immer Freude gemacht, weil die Zusammenarbeit viel einfacher war als mit Frauen“, sagt sie. Nach ein paar Jahren bei MTU in München sei sie 1988 in die Pfalz zurückgekehrt – nach ihrem Empfinden gut vorbereitet auf die Rolle als Geschäftsführerin.
Zeit für Reisen und Hobbys
Die jetzt nach mehr als 30 Jahren aufzugeben, das tut Annette Neuburg-Linnebach aber nicht ohne klare Vorstellung von dem, was kommt. Die freie Zeit werde sie für Hobbys nutzen, die bisher etwas zu kurz gekommen sind: Nähen und die Herstellung eigener Seifen. Auch auf ihrem und dem Plan ihres Mannes steht das Reisen – dann ohne den ständigen Gedanken an den Betrieb in Frankenthal.