Kleinniedesheim
Kleinniedesheim: Selbstbildnisse aus 100 Jahren Kunstgeschichte im Schloss zu sehen
Zu sehen ist dort auch ein Selbstbildnis von Max Liebermann aus dem Jahr 1920. Der Berliner Maler und Grafiker zählt bis heute zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Nach seiner Ausbildung in Weimar und Aufenthalten in Paris und den Niederlanden widmete er sich zunächst naturalistischen Motiven. Seine Maltechnik war geprägt von einer lichten Farbigkeit und einem dynamischen Pinselstrich. Sein Schaffen gilt bis heute unter vielen Kunsthistorikern als symbolischer Übergang von der Kunst des 19. Jahrhunderts in die klassische Moderne.
Slevogt liebte das Malen in der Natur
Als weitere wichtige Vertreter des deutschen Impressionismus werden auch Bilder von Max Slevogt und Lovis Corinth in der Ausstellung, die von der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim organisiert wird, zu sehen sein. Slevogt, 1868 in Landshut geboren und 1932 an der Südlichen Weinstraße gestorben, war besonders in der Landschaftsmalerei bedeutsam. Wie Liebermann und Corinth bevorzugte auch Slevogt die Freilichtmalerei. Das heißt, anstatt seine Bilder im Atelier zu malen, begab er sich mit Leinwand und Farben direkt in die Natur. Der Maler, Grafiker und Illustrator gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbunds und der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler, zu der unter anderem auch Albert Haueisen und Hans Purrmann zählten. Slevogts Bedeutung für die Kunst kann man heute noch in der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben sehen: In dem von Ludwig I. erbauten Schloss gibt es mehrmals im Jahr Wechselausstellungen in der hauseigenen Max-Slevogt-Galerie.
Über München und Paris nach Berlin
Der 1858 in Ostpreußen geborene Lovis Corinth ließ sich für seine späten Werke auch vom Expressionismus inspirieren. Seine Eltern betrieben eine Gerberei und einen landwirtschaftlichen Betrieb. Auf dem Hof der Familie entstand später auch der Wunsch, Maler zu werden. An der Kunstakademie Königsberg lernte er als Schüler von Otto Günther die Grundlagen der Malerei und Historienmalerei kennen. Später wechselte er an Akademien nach München, Antwerpen und Paris, wo er sich auch der Aktzeichnung von Frauen widmete. 1886 reiste er an die Ostseeküste, um Porträts und Landschaften zu malen. Im Jahr darauf entstand in Berlin sein erstes Selbstbildnis.
Bil Spira wird in Speyer wiederentdeckt
Neben den grafischen Werken von Liebermann, Slevogt und Corinth wird in der Ausstellung im Kleinniedesheimer Schloss auch ein Selbstbildnis von Bil Spira zu sehen sein. In einer Ausstellung im Jüdischen Museum in Speyer wurde der österreichische Karikaturist, der von 1913 bis 1999 lebte, wiederentdeckt. Anfang der 1940er-Jahre rettete er Hunderte Flüchtlinge mit seinen zeichnerischen Fälschungen von Pässen und Visa vor den Nazis. Eine Verbindung zu Speyer hat auch ein weiterer Künstler, dessen Selbstbildnis Teil der Ausstellung ist: Thomas Duttenhöfer. Geboren in Speyer, feiert der Wahl-Darmstädter in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. Duttenhöfers Konterfei wird als großformatige Rötelzeichnung in Kleinniedesheim ausgestellt.
Auch die Selbstbildnisse des Ludwigshafeners Rudolf Kortokraks sowie der Wiener Künstler Herwig Zens, Wolfgang Buchta und Lisa Est sind Teil von „Blicke auf das eigene Ich“. Dem Großniedesheimer Treidler-Mitglied Ursula Faber und dem Lambsheimer Nachwuchs-Künstler Eric Lubos hat die VG ebenfalls einen Platz in der Ausstellung eingeräumt. Zusammen mit Werken von unter anderem Karin Bury (Schifferstadt), Nina Karkoschka (Speyer), Sabine Gustke (Altrip), Fatemeh Shojaiyan (Mutterstadt) und Dieter Zurnieden (Speyer) verspricht die VG ein reiches Spektrum künstlerischer Selbstbefragung aus 100 Jahren Kunstgeschichte.
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