Frankenthal Klassik und Popcorn

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Marc Lohse möchte auch in der klassischen Musik die Distanz zum Publikum überwinden. Was er damit meint, erlebten die Zuhörer bei der Musik zum Feierabend am Mittwoch in der Zwölf-Apostel-Kirche Frankenthal. Seine Moderation war fundiert und humorvoll, sein Klavierspiel beeindruckte ebenfalls.

Dass zum Schluss des Programms aktuelle Filmmusik, nämlich der Song „City of Stars“ aus dem gleich mit mehreren Oscars ausgezeichneten Film „La La Land“, erklang, kann man diskutieren. Zum einen zeigt es, dass der 18-jährige Musiker aus Frankenthal musikalisch aufgeschlossen ist und sich von Genre-Grenzen nicht beeindrucken lässt – was grundsätzlich eine gute Sache ist. Andererseits ist das Stückchen von Justin Hurwitz aber auch ein musikalisches Leichtgewicht. In anderem Zusammenhang lässt sich das so nebenbei schon hören. Aber wenn dieses musikalische Popcorn direkt nach Stücken von Beethoven, Brahms und Rachmaninow erklingt, kommt es nicht zur Geltung und, was schwerer wiegt, nimmt den Zuhörern auch die entstandene Stimmung und Gedankentiefe wieder weg. Los ging es mit dem ersten Satz aus Beethovens Klaviersonate Nr. 15 D-Dur, op. 28, der Beethovens Verleger den Beinamen „Pastorale“ gegeben hat. Lohse erklärte: „Beethoven selbst hat bedauert, dass dieses Werk selten gespielt wird, im Gegensatz zu ,Mondscheinsonate’ und ,Pathétique’.“ Es sei kein Stück zum „Angeben“, vielmehr gehe es um Emotionen und Gedanken, sagte der Pianist. Lohse spielte ausdrucksvoll, allerdings gingen einige der Feinheiten in der schwierigen, stark hallenden Akustik unter. Das Scherzo op. 4 es-Moll schrieb Johannes Brahms, als er genauso alt war wie Lohse, als er das Stück für das Konzert wählte, nämlich 18 Jahre. „Er weiß, was er kann und er will es zeigen“, so Lohses Kommentar zu Brahms’ Werk. Es ging lebhaft und kraftvoll zur Sache, Lohse spielte farbig und energisch, und das Ganze hatte so viel Schwung, dass es auch ganz gut mit dem Raumklang wirkte. Rachmaninows Moment Musical op. 16, Nr. 3 in h-Moll, klang dunkel und melancholisch, im Gegensatz zur folgenden Étude-Tableau op. 33 Nr. 7 in Es-Dur. Wie Lohse berichtete, sei die Inspiration für dieses Werk für Rachmaninow vom Bild einer Jahrmarktszene ausgegangen. So ließ der junge Pianist das Stück auch sehr lebhaft klingen. Marc Lohse begann sein Musikstudium in Mannheim als Jungstudent 2013 noch während der Schulzeit. Seit Oktober 2015 ist er dort Vollzeitstudent und hat Unterricht in der Klavierklasse von Rudolf Meister und Ok-Hi Lee. Musik zu machen, begann er im Alter von drei Jahren nach der Suzuki-Methode. Die führe Kinder ganz spielerisch ans Musizieren heran. „Ich habe mit einer Geige aus Pappe angefangen“, erinnert er sich. Im Alter von acht Jahren kam das Klavier dazu. Unterricht für beide Instrumente hatte der Beindersheimer an der Städtischen Musikschule Frankenthal, und das mit bemerkenswertem Erfolg: Mit beiden Instrumenten hat er so viele Preise und Wettbewerbe, unter anderem bei Jugend musiziert, gewonnen, dass sie sich nicht aufzählen lassen. Orgel und Posaune spielt der junge Mann übrigens auch. Und in der Band Late4Breakfast (sprich Late for Breakfast) ist er der Keyboarder. Die Band bringt eigene Stücke und hat ihren eigenen Stil. Da schreibt und arrangiert Lohse mit und spielt auch improvisierte Soli – was vielen rein klassisch ausgebildeten Musikern schwer fällt. Lohse hat sich das selbst angeeignet. Dabei hilfreich ist sicher sein absolutes Gehör.

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