Frankenthal
Kirchgang oder Kommerz: Wie feiern Sie Ostern?
„Bist Du sicher, dass Du nicht der Osterhase bist?“: Das wurde Katja von der Au kürzlich von ihrer neunjährigen Tochter gefragt. Die 41-jährige Frankenthalerin grinst vielsagend. Geschenke für das Mädchen und seine beiden Geschwister (fünf und sieben Jahre) gibt es am Wochenende schon, allerdings eher Kleinigkeiten. „Alles, was ins Gras passt“, sagt von der Au. Die Kirche spielt für die Frankenthalerin an diesen Feiertagen keine Rolle – ebenso wenig wie an Weihnachten. „Ich bin nicht getauft“, erklärt sie. Statt einmal im Jahr zu fasten, setzt sie lieber grundsätzlich auf einen nachhaltigen Lebensstil. „Ich ernähre mich vegetarisch und fahre wenig Auto.“
Seit Aschermittwoch verzichtet Ilona Siebel bewusst auf Alkohol – ihr ganz persönlicher Beitrag zur Fastenzeit. „Das sollte jeder für sich entscheiden“, findet die 70-Jährige. Als ehemalige Erzieherin in der integrativen Kindertagesstätte des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH) sind ihr viele Osterbräuche vertraut. So gehören beispielsweise eine weiße Bienenwachskerze und mit Rotholz gefärbte Eier für sie traditionell zum Hochfest der Christen – auch wenn Siebel von sich sagt: „Ich bin nicht unbedingt christlich angehaucht.“ Weil sie an den Feiertagen oft Besuch habe, gehe sie nicht in den Gottesdienst. In ihrer Arbeit sei es ihr aber wichtig gewesen, den Kindern den Ursprung von Ostern nachzubringen. Gemeinsam hätten sie aus Weizenkeimen Ostergras gezogen. „Mit Butterbrot, lecker“, erinnert sich die Frankenthalerin.
Der religiöse Hintergrund des Osterfests ist Liam Schehlmann wichtig, auch wenn der 17-Jährige nicht unbedingt in die Kirche geht. „Ich leben meinen Glauben für mich“, sagt der Bobenheim-Roxheimer. Dazu lese er in einer modernen Fassung der Bibel und bete zu Hause. An den Feiertagen steht für ihn das Zusammensein mit der Familie im Vordergrund. „Essen, gemütlich zusammen sein, Osterkörbchen verstecken“: Das gehört für den 17-Jährigen dazu. Vor einigen Jahren habe er in der Fastenzeit auf seine Spielekonsole verzichtet. „Das war schon schwierig“, räumt er ein.
Die Auferstehung Christi feiert Gisela Flatter am Ostersonntag. Dafür steht die 66-Jährige früh auf. Bereits um 5.30 Uhr beginnt der Gottesdienst in Kirchheim. Die Battenbergerin engagiert sich als Presbyterin in der Gemeinde, zu der neben ihrem Wohnort Bissersheim, Kirchheim und Kleinkarlbach gehören. Flatter ist froh, dass nach langer Zeit wieder Gesang im Gottesdienst möglich ist. „Ich habe das sehr vermisst.“ Dass die Battenberger Kirche, die nach einem Tornadoschaden zweieinhalb Jahre lang geschlossen war, eine Woche nach Ostern wieder eröffnet wird, darauf freut sich die 66-Jährige schon. Vor dem Osterfest werden bei Flatters traditionell an Gründonnerstag die Eier gefärbt. „Das ist unser bunter Donnerstag“, sagt die Battenbergerin und lacht. Dabei schwört sie auf Iris Eierfarben. Die Tabletten sind ein Klassiker – „und einfach die besten“. Mit den bunten Eiern wird dann auch der Osterkranz aus Hefe geschmückt, der sonntags auf den Frühstückstisch kommt.
„Die Wünsche werden immer größer, es geht nur noch um Kommerz“, findet Norbert Becker. „Mit Schokoeiern gibt sich ja keiner mehr zufrieden.“ Als Katholik habe Ostern für ihn zwar eine Bedeutung, aber nicht mehr in dem Maße wie früher, sagt der 77-Jährige, der sich in seiner Jugend in den Vororten Eppstein und Flomersheim als Messdiener engagiert hat. In die Kirche gehe er nicht, lieber hole er sich beispielsweise aus Texten in der RHEINPFALZ Denkanstöße. Zum Eiersuchen sei der 14 Monate alte Enkel noch etwas klein. „Er versteckt eher unsere Sachen“, sagt der Opa und lacht.
Mit fast drei Jahren ist der Sohn von Esther Kaufmann dagegen schon im richtigen Alter, um auf Hasenjagd zu gehen. Das Geschenk soll in diesem Jahr etwas größer sein und dem Junior beim Einschlafen helfen, erzählt die Lambsheimerin. Das scheint dringend notwendig, denn als Grund dafür, warum im Hause Kaufmann in diesem Jahr keine Eier gefärbt wurden, geben die 34-Jährige und Ehemann Martin einstimmig „Schlafmangel“ an. Dafür werden die beiden an den Feiertagen für acht Personen kochen, wenn Oma und Opa zu Besuch kommen. Der Kirchgang fällt bei Kaufmanns aus. „Wir sind keine U-Boot-Christen, die nur an Weihnachten und Ostern auftauchen“, sagt die Lambsheimerin.