Frankenthal
Kirchen im Raum Frankenthal setzen stärker auf Internet
Um die Religionsausübung weiter zu ermöglichen und bei Bedarf auch konkrete Hilfen anzubieten, wollen die katholischen und protestantischen Kirchengemeinden in Stadt und Umland in verstärktem Umfang elektronische Medien und soziale Netzwerke nutzen.
So hat Pfarrer Michael Baldauf (Pfarrei Heiliger Petrus Bobenheim-Roxheim) eine technische Möglichkeit gefunden, um Gottesdienste per Livestream im Internet zu übertragen – erstmals am Donnerstag, 19. März, um 18.30 Uhr. Als weitere Termine wurden festgelegt: Sonntag, 22. März (10.30 Uhr), Mittwoch, 25. März (18.30 Uhr), und Sonntag, 29. März (10.30 Uhr). Nähere Hinweise zum Livestream, für den keine Anmeldung erforderlich ist, gibt es im Internet unter https://www.pfarrei-bobenheim-roxheim.de/ oder http://bikertreffen2018.kolping-hessheim.de/livestream/. Es ist auch möglich, dem Livestream auf Facebook unter „Kath. Kirche St. Martin Heßheim“ und „Kath-Kirche-St-Laurentius-Bobenheim“ zu folgen. Dort können im Anschluss zudem Kommentare gepostet werden.
Kirchen weiter offen
Pfarrer Baldauf will die Gottesdienste zusammen mit dem Organisten in der Kirche St. Martin in Heßheim feiern. Sie biete sich an, weil im benachbarten Pfarrheim ein Internetanschluss vorhanden sei, informierte er auf Anfrage der RHEINPFALZ. Er plane weitere Übertragungen am Palmsonntag, an den Kartagen und an Ostern. Er wies auch darauf hin, dass alle Kirchen der Pfarrei täglich von 10 bis 17 Uhr für das persönliche Gebet geöffnet seien.
„Wir brauchen neue Formen der Verkündigung“, betont Pfarrer Carsten Schulze von der protestantischen Kirchengemeinde Pilgerpfad. Er hat einen Podcast mit einem „guten Wort“ auf Facebook veröffentlicht und damit auch jüngere Zielgruppen erreicht. Er habe bereits positive Rückmeldungen erhalten. Auch über Streaming-Gottesdienste, live im Internet übertragen, denke er nach. Am vergangenen Sonntag habe er in St. Jakobus den letzten Gottesdienst mit 25 Besuchern gefeiert und eine Liste mit deren Kontaktdaten geführt. Die Konfirmation sei abgesagt, Trauergespräche und Beisetzungen (in Absprache mit der Stadt) fänden aber noch statt.
Pfarramt erreichbar
Pfarrer Schulze hob hervor, dass sich Menschen, die in Not seien oder Hilfe benötigten (etwa beim Einkaufen oder Ausführen des Hundes), an das Pfarramt wenden könnten. Er sei telefonisch erreichbar oder rufe zurück. Auch wenn er auf der Straße unterwegs sei, könne er angesprochen werden.
Die Laurentiuskirche in Dirmstein sei jeden Tag geöffnet und lade die Gläubigen zum Gebet ein, sagte Pfarrer Alfred Müller (Pfarrei Heilige Elisabeth). Am Sonntag habe er allein mit der Sakristanin Eucharistie gefeiert und für alle gebetet. Beerdigungen fänden nur noch im kleinen Kreis statt, der Weiße Sonntag sei verschoben worden. „In welchem Rahmen die Ostergottesdienste stattfinden können, weiß ich nicht“, sagte der katholische Geistliche.
Mehr Telefonkonferenzen
„Für Menschen, die sich mit ihren Ängsten an uns wenden, stehen wir jederzeit zur Verfügung“, betonte Pfarrer Stefan Mühl (Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit). Alle kirchlichen Veranstaltungen seien bis vorerst 31. März abgesagt. Die Erstkommunionfeier werde verschoben. Die Krankensalbung könne noch gespendet werden, bei Beerdigungen müssten die Vorgaben der Stadt und die Abstandsregeln beachtet werden. Die pfarreiinternen Treffen seien auf maximal vier Personen beschränkt, vermehrt würden daher Telefonkonferenzen geführt. Für Streaming-Gottesdienste fehlten in der Ludwigskirche die technischen Voraussetzungen. Pfarrer Mühl verwies auf die zahlreichen anderweitigen Angebote. Von der Erfüllung der Sonntagspflicht seien die Gläubigen derzeit befreit.
Taufen verschoben
„Auf die Älteren und Schwachen müssen wir jetzt besonders Rücksicht nehmen und dürfen sie nicht alleinlassen“, unterstrich Dekanin Sieglinde Ganz-Walther gegenüber der RHEINPFALZ. Dabei stünden die jungen Leute in einer besonderen Verantwortung. Bei Problemen und Gesprächsbedarf stehe sie als Ansprechpartnerin telefonisch zur Verfügung. „Ich werde die Menschen meiner Gruppen anrufen und mich nach ihrem Befinden erkundigen.“ Auch der Aufbau ehrenamtlicher Dienste werde erwogen.
Taufen und Trauungen werden auch bei den Protestanten bis auf Weiteres verschoben. Zu den gewohnten Gottesdienstzeiten sollen sonntags die Kirchen geöffnet werden. „Die Glocken werden läuten und zum Gebet einladen“, kündigte die Dekanin an.