Frankenthal „Kinder sehen das Stück anders“
„Der kleine Prinz“ ist ein Kunstmärchen von Antoine de Saint-Exupéry, das seit 75 Jahren weltweit Menschen fasziniert. Deborah Sasson und Jochen Sautter haben aus dem Stoff ein Musical gemacht. An Silvester um 18 Uhr ist es im Rosengarten in Mannheim zu sehen. Mit der Komponistin und Sopranistin Deborah Sasson haben wir gesprochen.
Eine Hürde müssen wir noch nehmen und die Rechte am Text abklären. Der ist in Europa inzwischen frei, aber in den USA hat ein Verlag sich noch Ansprüche gesichert. Wenn das geklärt ist, wird es etwa 70 Shows geben. Die von Ihnen geschriebene Musical-Fassung ist die erste und einzige. Das dachte ich auch. Aber inzwischen weiß ich, dass es einen Musicalfilm von Loewe und Lerner, den Autoren von „My fair Lady“, gibt. Aber der war wohl ein Misserfolg und ist völlig in Vergessenheit geraten. Sie haben Ihre Fassung komplett neu verfasst? In welchem Stil? Ja, die Musik habe ich neu geschrieben. Manche sagen, das sei eine Oper geworden, aber das stimmt nicht. Es gibt auch Dialoge, die nicht durchkomponiert sind. Stilistische Einflüsse gibt es – hm, vielleicht ein bisschen Irisches, ein bisschen wie Enya, so zwischen Pop und Irischem. Für die Figuren haben wir auch unterschiedliche Klänge. Die Schlange klingt ein bisschen orientalisch. Den „Kleinen Prinzen“ als Buch kennt fast jeder. Warum soll man sich die Geschichte noch mal ansehen? Oberflächlich betrachtet ist es eine sehr simple Geschichte. Aber zugleich ist es ein philosophischer Text. Das macht seinen Reiz aus. Ich habe das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen, da war ich zehn Jahre alt. Als Kind hat es mir nicht gefallen, weil es so traurig endet. Später habe ich dann mehr verstanden. Richtet sich Ihre Fassung eher an Kinder oder an Erwachsene? Es ist kein spezielles Kindermusical. Aber es sind immer viele Kinder im Publikum. Die sehen das Stück anders als die Erwachsenen. Sie sind von den lustigen Figuren fasziniert, dem König, dem Geschäftsmann, dem Laternenanzünder – das sind im Buch Parodien, und so erscheinen sie bei uns auf der Bühne. Und wir haben spektakuläre Effekte, etwa wenn der Prinz fliegt. Erwachsene verstehen die tiefere Bedeutung. Es ist also nicht so, dass Eltern ihre Kinder bringen und sich dann beim Stück langweilen. Haben Sie den Text verändert, um ihn für die Bühne anzupassen? Im Buch tritt jede Figur nur einmal auf. Das ist für Bühne und Darsteller natürlich nicht optimal. Also haben wir uns ein großes Finale ausgedacht, bei dem alle Figuren noch einmal zusammenkommen. Als Schlange tritt eine akrobatische Frau auf, die sich wunderbar bewegen kann. Fuchs und Rose werden auch von Frauen dargestellt. Für mich sind alle drei Aspekte des Weiblichen. Der Prinz steht in der Mitte und wird von den dreien in verschiedene Richtungen gezogen. Am Ende kommen Figuren, die den Prinzen beeinflusst haben, zurück. Wir haben uns ziemlich viele Gedanken gemacht. Aber letztendlich muss es auch ein unterhaltsames Stück sein. Ich denke, das haben wir geschafft. Um die Weihnachtszeit sind viele Musicals unterwegs – warum sollte man gerade zum „Kleinen Prinzen“ gehen? Im Gegensatz zu vielen Produktionen wird bei uns die Musik wirklich von einem Orchester live gespielt. Dann haben wir ein raffiniertes Bühnenbild mit Videos. Es gibt zwei Projektionsebenen, dazwischen das Bühnenbild mit den Darstellern. Das ergibt beeindruckende dreidimensionale Effekte. Termin „Der kleine Prinz“ am Montag, 31. Dezember, 18 Uhr, im Rosengarten Mannheim. Karten unter Telefon 06073 72274 und auf der Webseite www.s-promotion.de . | Interview: Gereon Hoffmann