Frankenthal
Katastrophenschutz: Stadtarchiv schafft Notfallboxen an
Als am 3. März 2009 in Folge von U-Bahn-Arbeiten das Kölner Stadtarchiv in sich zusammenstürzte, wurden Tausende Archivalien unter einem riesigen Berg aus Schutt und Trümmern begraben. Das über Jahrhunderte gewachsene „Gedächtnis“ der rheinländischen Metropole schien innerhalb von Sekunden zerstört und für immer verloren zu sein. „Das Unglück hat gezeigt, dass Kommunalarchive unersetzliches Kulturgut verwahren“, schreibt die Stadt Frankenthal in einer Pressemitteilung. „Bei kleineren oder größeren Katastrophen, die diese Einrichtungen treffen können, droht schlimmstenfalls der Verlust eines Teils des historischen Erbes – und damit der Identität einer Stadt.“
Auch wenn ein Gebäudeeinsturz wie in Köln ein extremes Beispiel ist, auch alltäglichere Notfälle wie Rohrbrüche oder Brände und das von der Feuerwehr eingesetzte Löschwasser können an historischen Dokumenten irreparable Schäden verursachen, wenn nicht schnell gehandelt wird. Um im Katastrophenfall besser gewappnet zu sein, hat die Stadt im Dezember mit Unterstützung der Landesstelle Bestandserhaltung am Landesbibliothekszentrum (LBZ) in Speyer vier Notfallboxen angeschafft.
Zuerst die Altbestände
Ob Gummistiefel, Löschkartons oder Schutzfolien – im Falle eines Falles seien die wichtigsten Hilfsmittel nun jederzeit griffbereit, schreibt die Verwaltung. Sollte etwa ein Wasserschaden im Stadtarchiv eintreten, könnte durchnässtes Papier einer Gefriertrocknung unterzogen werden. Das Archivgut könnte zudem in Spezialfolie eingepackt, beschriftet und gekennzeichnet werden. „Mit den Notfallsets können betroffene Einrichtungen unmittelbar aktiv werden und mit der Erstversorgung beginnen“, erklärt die Leiterin des LBZ, Annette Gerlach. „So sind Folgeschäden und Verluste vermeidbar.“
Auch wenn grundsätzlich der gesamte Bestand des Frankenthaler Stadtarchivs schützenswert ist, könnte etwa im Brandfall Eile geboten und eine Priorisierung erforderlich sein, wenn nicht alles geborgen werden kann. „Dann wären bevorzugt die unersetzlichen Altbestände des Archivs aus der Zeit der Stadtgründung im 16. Jahrhundert zu sichern, ebenso die Ratsprotokolle, die seit dieser Zeit nahezu lückenlos vorliegen“, berichtet Lisa Randisi von der Pressestelle der Stadt auf Nachfrage. So plane das Stadtarchiv aktuell, ein Notfallkonzept zur Erhaltung des Archivguts zu erarbeiten. „Dazu gehört auch eine Priorisierung und Kennzeichnung der Bestände, damit im Notfall schnell erkannt werden kann, welche Unterlagen bevorzugt geborgen werden müssen“, erläutert Randisi.
Digitalisierung als Vorsorge
Ebenfalls Teil der Notfallvorsorge sei die Digitalisierung der Bestände. Gegenwärtig sei man dabei, die historischen Ratsprotokolle aus dem 16. bis 19. Jahrhundert zu digitalisieren. Möglich machen das laut Stadtsprecherin Lisa Randisi Bundesfördermittel aus dem Programm „Wissenswandel“. Auch hier profitiere man von Erfahrungen des Kölner Stadtarchivs. Nach dem Einsturz sei dort nicht nur auf eigene digitalisierte Archivalien zurückgegriffen worden. Auch Nutzer der Einrichtung, für die vor der Katastrophe digitale Versionen der archivierten Materialien angefertigt worden waren, seien dazu aufgerufen worden, diese dem Archiv zur Verfügung zu stellen.