Frankenthal Kalter Krieg und Ost-West-Klischees
Die Russen sind die Bösen, der Westen steht für Freiheit – und hier gibt es Cola und Bananen. Um den satirischen Blick auf den Kalten Krieg geht es in der neuen Produktion des Frankenthaler Theaters Alte Werkstatt (TAW): „Ausgerechnet Bananen“. Grundlage ist Billy Wilders Ost-West-Komödie „Eins, zwei, drei“ von 1961. TAW-Regisseur Jürgen Hellmann findet das Stück „unverhofft aktuell“.
„Ausgerechnet Bananen“ ist ein alter Schlager von Friedrich Hollaender. Er verbindet Wilders berühmte Satire mit der Neuproduktion des TAW. In Wilders Film gibt es eine berühmte Szene, in der Hollaender im „Grand Hotel Potemkin“ den Schlager dirigiert. Im TAW-Stück ist die Banane ein Symbol für die Überlegenheit des Westens. Das hat sich Regisseur Hellmann nicht einmal ausdenken müssen – das war wirklich so. „Ich habe nachgelesen, was Adenauer über die Bedeutung der Banane gesagt hat und dachte erst, der Kanzler müsse betrunken gewesen sein“, sagt Hellmann. Tatsächlich hatte Konrad Adenauer 1957 durchgesetzt, dass Deutschland zollfrei Bananen aus Amerika importieren darf. Die exotische Frucht sollte Zeichen des Wohlstands sein. Und solcherart symbolträchtig schafften es die Bananen in den Titel der TAW Produktion. Das Theaterstück folgt der Filmhandlung. MacNamara, ein großspuriger Amerikaner, möchte Anfang der 1960er-Jahre ganz Europa mit Coca-Cola versorgen – auch den stramm kommunistischen Osten, der die Amerikaner Imperialisten nennt. Um sich bei seinem Chef beliebt zu machen, verspricht er, sich um dessen Tochter zu kümmern, die Europa kennenlernen will. Natürlich verliebt sich die Tochter ausgerechnet in einen jungen engagierten Kommunisten. MacNamara ist entsetzt: Wie soll er das seinem Chef klarmachen? Also muss der Jungkommunist kurzerhand ideologisch umgekrempelt werden. So richtig lustig fand das Publikum den Film, der 1961 in die Kinos kam, zuerst nicht. Noch während der Dreharbeiten wurde in Berlin die Mauer gebaut, die Teilung Deutschlands durchgesetzt. Auch dass MacNamaras Ehefrau ihren Mann gelegentlich mit „mein Führer“ anspricht, fand nicht jeder lustig. Die ironische Überzeichnung von Ost- wie West-Klischees erkannte nicht jeder. Es dauerte über 20 Jahre, bis der Film wiederentdeckt und als satirisches Meisterwerk gefeiert wurde. Ein wichtiger Teil in Hellmanns Produktion ist die Musik. Die Hauptfiguren werden Songs singen aus jener Zeit, in der der Film spielt. Zwischendrin hat Hellmann auch ein Stück eingeschmuggelt, das zwar klingt „wie früher“, aber neueren Datums ist. Die Hauptfiguren singen, und dann gibt es noch den TAW-Chor. Mit ihm hat Stefanie Titus einige Stücke einstudiert. Hellmann und Titus kennen sich schon lange und haben früher in Musikkabaretts zusammengearbeitet. Auch am TAW hat Stefanie Titus schon mitgemacht. Die Musikerin hat für die aktuelle Produktion auch eigene Instrumentalbegleitungen aufgenommen. „Klar hätte ich gerne eine Live-Band auf der Bühne, aber wir wollen die Musiker fair bezahlen, und das ginge dann über unsere Mittel“, sagt Hellmann. Es habe eine Zeit lang gedauert, die nötigen Rechte für die TAW-Fassung zu bekommen. Aber das Frankenthaler Team hat da Erfahrung. Auch für „Papa ist die Beste“, einer Adaption von „Mrs. Doubtfire“, habe es etwas Zeit gebraucht, bis die nötigen Lizenzen gegeben wurden. Die ersten Proben für das neue Stück liefen in musikalischer und schauspielerischer Hinsicht schon vielversprechend, bestätigt Hellmann. Dass die Ost-West-Konfrontation auf einmal wieder solche Aktualität bekommt, hätten die Theaterleute nicht erwartet. Es werden wieder Feindbilder gemalt, die Menschen fühlen sich unsicher. Wie passt da so ein satirisches Stück? „Man kann es auf verschiedenen Ebenen erleben“, meint Regisseur Hellmann. Man könne einfach die Musik hören und über die Gags lachen. Man könne sich aber auch Gedanken machen, ob der überwunden geglaubte Kalte Krieg wirklich wiederkommen müsse. Noch Fragen? „Ausgerechnet Bananen“, TAW Frankenthal, Wormser Straße 109. In einer eintrittfreien Einführung am Sonntag, 16. April, 11 Uhr, beantwortet Regisseur Jürgen Hellmann Fragen zum Stück. Premiere ist am 20. April, 20 Uhr. Karten von 18 bis 21 Euro gibt es an der Theaterkasse im Foyer, Dienstag und Freitag, 10 bis 13, Mittwoch und Freitag, 17 bis 19 Uhr, und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Eine Reservierung ist möglich unter Telefon 06233 354826, per E-Mail an karten@tawfrankenthal.de.