Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel JVA: Weihnachten im Dienst hinter Gittern

Eine Stunde Hofgang, 15 Minuten am Telefon: An den Feiertagen gelten in der Justizvollzugsanstalt Frankenthal die üblichen Regel
Eine Stunde Hofgang, 15 Minuten am Telefon: An den Feiertagen gelten in der Justizvollzugsanstalt Frankenthal die üblichen Regeln.

25 Kilo Plätzchen und Braten zum Mittagessen für die Inhaftierten: Bis auf ein paar Ausnahmen herrscht in der Justizvollzugsanstalt an Weihnachten normaler Betrieb. Was das für die Beamten heißt, die für diese Schichten eingeteilt sind, wird am Rande eines Besuchs des Justizministers am Vormittag von Heiligabend deutlich.

Das Telefon ist an Weihnachten ganz besonders gefragt. 15 Minuten pro Tag stehen den Gefangenen üblicherweise pro Tag in ihrer Freizeit zu, in Untersuchungshaft sind es zehn Minuten. „Das ist bei dem Andrang an den Feiertagen nicht drin“, weiß Schichtleiter Stefan Krehbiel. Der Vater zweier erwachsener Kinder trägt im Wochenenddienst am 24. Dezember die Verantwortung für alle Hafthäuser. Die Inhaftierten würden allerdings bei ihren Anrufen bei Freunden und Familie aufeinander Rücksicht nehmen. Besuche gibt es über die Feiertage nicht. Letzter Termin dafür war der 22. Dezember, die nächsten Angehörigen kommen am 27. Dezember.

Gottesdienste an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag sorgen für etwas Abwechslung. Außerdem laden ehrenamtliche Vollzugshelfer der Mennoniten-Brüdergemeinde am 24. Dezember nachmittags zu einer kleinen Feier ein. Über 100 der aktuell rund 400 Männer in der JVA haben sich laut Anstaltsleiterin Gundi Bäßler dazu angemeldet. Für jedes der fünf Hafthäuser hätten die Gemeindemitglieder rund fünf Kilo Plätzchen gebacken. Aus Sicherheitsgründen müssen die Naschereien vorab im Gefängnis abgegeben und kontrolliert werden.

An Feiertagen zwei Schichten

Für die Mitarbeiter bedeuten diese Extras ein Plus an Arbeit neben dem normalen Wochenendablauf mit Mahlzeiten und einer Stunde Hofgang. Dazu könne, wie immer, die Polizei Neuzugängen bringen. Wenn Angehörige in diesen Tagen eine Geldstrafe zahlen, erfolge auch an Weihnachten direkt eine Entlassung. 13 Inhaftierte der JVA Frankenthal haben in diesem Jahr von der Weihnachtsamnestie profitiert und konnten bereits am 21. Dezember ihre Haftstrafe beenden, zehn weitere, deren Entlassung zwischen den Jahren angestanden wäre, durften ebenfalls einige Tage früher gehen.

Dank vom Justizminister: Anstaltsleiterin Gundi Bäßler mit Herbert Mertin (FDP).
Dank vom Justizminister: Anstaltsleiterin Gundi Bäßler mit Herbert Mertin (FDP).

Neben den Kollegen im Vollzug seien im Feiertagsdienst unter anderem Mitarbeiter der Kantine sowie Sanitäter im Einsatz. 250 Menschen arbeiten in der JVA Frankenthal unter anderem im Allgemeinen Vollzugsdienst, in der Seelsorge, in der Verwaltung und im sozialpädagogischen sowie therapeutischen Bereich. 30 bis 40 Bedienstete sind es pro Schicht laut Leiterin Bäßler. Statt des üblichen Drei-Schicht-Betriebs werde am Wochenende sowie an Feiertagen in zwei Schichten gearbeitet. So müsse jeder Vollzugsmitarbeiter im Jahr nur 14 dieser Dienste übernehmen. Die Dienstpläne werden laut Schichtleiter Krehbiel weit im Voraus gemacht, die Feiertage 2024 seien bereits eingeteilt. „Wir schauen, dass nicht jedes Jahr an Weihnachten die gleichen Leute dran sind“, sagt er.

Tüten mit Gummibärchen und Nüssen: Justizminister Herbert Mertin (FDP, rechts) brachte am Vormittag des 24. Dezember Geschenke f
Tüten mit Gummibärchen und Nüssen: Justizminister Herbert Mertin (FDP, rechts) brachte am Vormittag des 24. Dezember Geschenke für die Mitarbeiter der JVA Frankenthal vorbei.

Nach Angriff auf Beamten: Minister zu Besuch

Für die Belegschaft brachte Herbert Mertin (FDP) am Vormittag des Heiligabend Süßes und Nüsse vorbei. Der Justizminister hatte die JVA Frankenthal für seinen traditionellen Weihnachtsbesuch ausgewählt, weil hier am 27. September ein Bediensteter von einem Inhaftierten niedergestochen worden war. Der Kollege sei noch nicht wieder dienstfähig, erst seit Dezember habe er nach langer Wartezeit eine psychologische Betreuung gefunden, informiert Anstaltsleiterin Bäßler auf Nachfrage. Der Angriff auf zwei Mitarbeiter habe „wieder einmal vor Augen geführt“, dass die Arbeit im Justizvollzug ein anspruchsvoller und zum Teil gefährlicher Beruf sei, so Mertin.

Das Land habe in den vergangenen Jahren „erheblich“ in die Sicherheitsausrüstung der Beamten investiert. Mertin reagiert damit auf Kritik des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD). Die Gewerkschaft hatte nach der Attacke in Frankenthal unter anderem angeprangert, dass im Strafvollzug Sicherheitsausrüstung, wie sie in der Polizei üblich sei, teils verweigert werde und als Beispiel den Taser (Elektroschockpistole) genannt.

Im Justizvollzug habe man es häufig mit Situationen auf engem Raum zu tun, mit einem Teaser könnten dabei auch Unbeteiligte getroffen werden. Im konkreten Fall Ende September war es dem Angreifer gelungen, die Schlüssel des Beamten an sich zu nehmen. „Er hätte also auch einen Teaser oder eine andere Waffe in seine Gewalt bringen und gegen Bedienstete richten können“, sagt der Justizminister im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Selbst wenn der Mitarbeiter eine Schutzweste getragen hätte, hätte dies die Verletzung am Hals nicht verhindert.

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