Frankenthal
Jugend des ASV Mörsch auf Rekordniveau
Drei Grad hat es auf dem Kunstrasenplatz zwischen Isenach und A6. Es weht eine steife Brise, Regen fällt auf die zehn- bis zwölfjährigen Nachwuchskicker. Während die Eltern im Vereinshaus klönen, geht auf dem Platz die Post ab. Die Choreographie ist geregelt: Aufwärmen, dribbeln zwischen Hindernissen, Abspiel und Schuss. Am Ende der anderthalb Stunden der Höhepunkt – ein kleines Match. „Trotz Mistwetter sind fast alle gekommen“, freuen sich Hack und Wägner.
Insgesamt sind 200 Mädchen und Jungen gelistet – ein Rekord in der Geschichte des Allgemeinen Sport-Vereins 1900/19 Mörsch. „Wir haben viel Zulauf, die größte Gruppe ist die D-Jugend mit 54 Mitgliedern. Sie ist nun in der Kreisliga aufgeschlagen und gerade ins Pokalhalbfinale eingezogen“, berichtet Hack stolz. Das Team ist so groß, dass es in Kleingruppen trainiert wird. Wie es zu dem Ansturm kommt? „Qualität spricht sich rum bei den Eltern. Wir kümmern uns intensiv um den Nachwuchs, es herrscht eine familiäre Atmosphäre“, sagt Hack.
Trainer kümmern sich
Mit ihren Kollegen hat die Leiterin der Jugendabteilung ein Konzept erarbeitet. Neben Fairness auf dem Feld enthält es soziale Komponenten – die Mitspieler sollen sich auch privat kennen lernen, bei Bedarf helfen die Trainer ihnen beim Schulstoff. Um den Zusammenhalt zwischen den Trainern zu stärken, hat Hack eine neue Tradition etabliert. Einmal im Jahr machen die Trainer eine Städtereise. 2025 geht es nach München, der Besuch der Allianz Arena ist da Pflicht. Und im kommenden Frühjahr ist ein Ausflug für die Trainerfamilien geplant.
Dass der Jugendfußball in Mörsch boomt, ist für die 48-Jährige das schönste Weihnachtsgeschenk. Das Sahnehäubchen war vor Kurzem ein Überraschungsgast: Der Kreisvorsitzende und Ehrenamtsbeauftragte des Fußballkreises Rhein-Pfalz, Klaus Rings, kam, mit Urkunden im Gepäck. Hack erhielt den DFB-Ehrenamtspreis und wurde in den „Club 100“ aufgenommen. Damit würdigt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die jährlich besten Ehrenamtlichen der bundesweit 264 Fußballkreise.
„Das ist schon eine große Ehre. Damit hätte ich nicht gerechnet, es war wie vorgezogenes Weihnachten“, meint Hack. Für sie ist die Auszeichnung eine Würdigung aller Fußballtrainer des ASV. „Ein Erfolg ist immer eine Leistung von Teamplayern“, sagt Hack. Vom DFB gab es ein Ticket für ein Länderspiel und eine Einladung in das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund, wo den Club 100 ein Galaabend erwartet. Und ihr Verein erhält zwei kleine Fußballtore.
Fußballheld Patrick Wägner
Einer, der sich im ASV ebenfalls für die Jugendarbeit besonders stark macht, ist Patrick Wägner. Der Trainer der Mörscher E-Jugend wurde zum Fußballhelden gekürt. Mit diesem Förderpreis würdigt der DFB junge Ehrenamtliche. Alljährlich wird ein Vertreter aus jedem Fußballkreis nominiert, sodass der 24-jährige Student der Technischen Informatik einer der bundesweit 264 Fußballhelden des Jahres ist und im nächsten Jahr auf Bildungsreise nach Spanien gehen darf. Man sei nicht nur Trainer, sondern auch Pädagoge, Kumpel und Papa, erzählt Wägner. Fußball spiele er seit seinem fünften Lebensjahr. In seiner Jugend sei er bei der VT Frankenthal von Roland Wittke trainiert worden. „Ich hatte ein tolles Vorbild und bin jetzt selber Vorbild.“ Hack sagt über den drittjüngsten Jugendtrainer des ASV Mörsch, der auch in der B-Klasse als Rechtsverteidiger kickt: „Er liebt und lebt das Traineramt.“
Auch Hack ist mit dem Fußball aufgewachsen, spielt Fußball seit ihren vierten Geburtstag und war als junge Frau sogar kurzzeitig in der Bundesliga der Frauen. Beim ASV ist sie seit sieben Jahren aktiv. Aus Zufall, wie sie berichtet. „Ich wollte nur meinen Sohn zum Training abgeben.“ Zwei Jahre darauf wurde sie Jugendleiterin. „Das macht mir mega Spaß.“ Inzwischen schmeißt die Ideenmanagerin bei der KSB den Trainingsbetrieb der jungen Kicker und feuert ihre Jungs und Mädels bei Spielen an, mit dem Ruf „Auf ihr Rote“ – in Anspielung auf die roten Trikots. Freizeit für sich habe sie nur sonntags, wenn sie als Weinberaterin unterwegs ist. „Das ist mein Ausgleich.“ Mit Tanja Schuff ist sie die einzige weibliche Trainerin im Verein. „Anfangs wurden wir von den Herren belächelt, inzwischen werden wir voll akzeptiert“, berichtet die Ausgezeichnete.
Das alles erzählt Hack so nebenbei, während sie die Nachwuchskicker über den Platz jagt.