Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Jobcenter Frankenthal: Bessere Hilfen beim Neuanfang

Sie halten die neuen Fördermöglichkeiten für aussichtsreich: Anja Hölscher, Leiterin des Jobcenters Vorderpfalz-Ludwigshafen, un
Sie halten die neuen Fördermöglichkeiten für aussichtsreich: Anja Hölscher, Leiterin des Jobcenters Vorderpfalz-Ludwigshafen, und Walter Holoch, Teamleiter Markt & Integration in Frankenthal.

Die Aussichten von Langzeitarbeitslosen, wieder Beschäftigung zu finden, haben sich nach Einschätzung des Jobcenters in Frankenthal deutlich verbessert. Neue Förderinstrumente des Bundes, die es seit Januar gibt, müssten aber vor allem bei Arbeitgebern noch bekannter gemacht werden, sagen die Fachleute.

Auch nach langen Jahren der Arbeitslosigkeit könne man den beruflichen Neuanfang noch schaffen, unterstreichen Anja Hölscher, Leiterin des Jobcenters Vorderpfalz-Ludwigshafen, und Walter Holoch, Teamleiter Markt & Integration in Frankenthal, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Sie nennen ein Frankenthaler Beispiel aus jüngster Zeit: eine 47-Jährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung. „Frau X“, die nicht mit Namen genannt werden wolle, habe nach einer langen Pause zunächst erhebliche Schwierigkeiten gehabt, beruflich wieder Fuß zu fassen. Den Einstieg habe sie dann über einen sogenannten Ein-Euro-Job in einer Kindertagesstätte geschafft. Mittlerweile arbeite die Frau fest angestellt im Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB).

Zuschüsse bis zu 100 Prozent

Die Vermittlung in eine reguläre Beschäftigung sei in diesem Fall auch deshalb gelungen, weil es im Sozialgesetzbuch II ein neues Zuschussmodell gebe, erklärt Walter Holoch. „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ nennt sich dieses Instrument, das seit Januar zur Verfügung steht. Wenn Arbeitgeber Bewerber einstellen, die über 25 Jahre alt sind und die mindestens sechs Jahre Arbeitslosengeld II bezogen haben, dann können sie nun damit fünf Jahre lang erhebliche Lohnzuschüsse bekommen: 100 Prozent in den ersten beiden Jahren, 90 Prozent im dritten, 80 Prozent im vierten, 70 Prozent im fünften Jahr. Das Jobcenter garantiert und finanziert zudem ein fortlaufendes Coaching der Betroffenen. Auch notwendige Weiterbildungen können gefördert werden.

Gerade bei dem damit angesprochenen Personenkreis sei die Vermittlung bisher schwierig gewesen, sagt dazu Anja Hölscher. „Der Anschub ist positiv; das ist ein gutes Instrument.“ Auch Walter Holoch begrüßt den Kurswechsel der Politik, der in dem neuen Fördermodell zum Ausdruck komme: „Es ist besser, Beschäftigung zu finanzieren als Arbeitslosigkeit.“

Jobmesse im Pfalzbau

Positiv sehen die Sprecher des Jobcenters auch die zweite neue Fördermöglichkeit für Arbeitgeber, die es seit Januar gibt: Unter dem Titel „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ ist festgeschrieben worden, dass es auch bei Einstellung von Personen, die mindestens zwei Jahre arbeitslos waren, Zuschüsse geben kann. Wenn sie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen, werden dem Arbeitgeber im ersten Jahr 75 Prozent, im zweiten 50 Prozent der Lohnkosten erstattet. „Berufsbegleitendes Coaching“ ist auch hier möglich und wird übers Jobcenter finanziert.

Bisher sei die Anzahl der Fälle, in denen diese neuen Förderinstrumente genutzt werden, in Frankenthal noch überschaubar, sagt Walter Holoch. Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Ludwigshafener Jobcenters, zu dem die Dienststelle in Frankenthal gehört, kämen dafür mehrere Tausend Langzeitarbeitslose in Frage. Nicht zuletzt deshalb plane man für 19. Juni die Jobmesse „Aufwind“ im Pfalzbau in Ludwigshafen. Viele Arbeitgeber hätten dort die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das Jobcenter will über 5000 seiner Kunden dazu einladen.

Die Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt sind nach Einschätzung der RHEINPFALZ-Gesprächspartner für Bewerber derzeit günstig wie selten. „Wir haben eine sehr gute Arbeitsmarktlage“, unterstreicht Anja Hölscher. Von einem Nachlassen der Konjunktur sei noch nichts zu spüren. „Gerade im Helferbereich tut sich einiges“, ergänzt Walter Holoch. Da gebe es immer wieder Nachfrage nach Personal für unterschiedliche Bereiche – vom Minijob bis zur Vollzeitstelle. Bei Handwerkern seien „die Auftragsbücher voll“. Günstig sei die Lage auch auf dem Ausbildungsmarkt, sagt Hölscher: Statistisch gebe es derzeit „1,26 Stellen pro Bewerber“.

Anträge online stellen

Beim Frankenthaler Jobcenter, das für die Stadt und den nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis zuständig ist, machen sich diese positive Entwicklungen in der Statistik bemerkbar. Ein Vergleich weist aus, dass die Anzahl der registrierten Langzeitarbeitslosen allein in der Stadt innerhalb von zwei Jahren um gut 20 Prozent gesunken ist. Parallel dazu wurde ein stetiger Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse verzeichnet. Derzeit betreut das Jobcenter mit seinen 45 Mitarbeitern nach eigenen Angaben rund 3200 „erwerbsfähige Leistungsberechtigte“, davon gut 2600 mit Wohnsitz in der Stadt Frankenthal.

Um eigene Arbeitsprozesse zu beschleunigen und Kosten zu sparen, will das Jobcenter künftig stärker die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. „Die elektronische Akte wird bei uns seit 1. Januar geführt“, sagt Anja Hölscher. Ergänzend werde es nun für Kunden die Möglichkeit geben, online etwa Anträge auf „Weiterbewilligung von Leistungen“ zu stellen, Veränderungen mitzuteilen oder Dokumente hochzuladen. Dazu werde die Anfang Juni freigeschaltete eigene Homepage dienen, erklärt Hölscher.

KONTAKT

  • Über das zentrale Internetangebot der Bundesagentur für Arbeit www.jobcenter.digital können Jobcenter-Kunden auch Weiterbewilligungsanträge stellen und Veränderungen mitteilen.
  • Seit Juni soll auch die regionale Homepage www.jobcenter-frankenthal.de freigeschaltet sein.

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