Fußball
Jürgen Hollschuh ist beim MTSV Beindersheim Jugendleiter mit Herz und Seele
Mehr als 1,5 Millionen Mädchen- und Jungen sind in Deutschland aktive Fußballer. „Aktiv“ heißt: Sie trainieren und spielen in einem Fußballverein des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB). Hier kümmern sich unzählige Frauen und Männer um einen strukturierten Sport- und Spielbetrieb und vor allem um die Mädchen und Jungen unter 18. Zu ihnen zählt auch Jürgen Hollschuh, der Fußballjugendleiter des MTSV Beindersheim. Ein „Fußballverrückter“ wie er selbst sagt.
Etwas „verrückt“ müsse man vielleicht auch sein, wenn man einen solchen „Job“ übernimmt. Denn: Er koste Zeit, Nerven und Geld. Aber: Er könne auch sehr viel Freude, Sinn und Erfüllung geben, sagt er. Wie alle seine Jugendtrainer- und Betreuer arbeitet Jürgen Hollschuh ehrenamtlich. Der MTSV Beindersheim sei ein kleiner Dorfverein mit schmalem, finanziellem Budget. Liquide und spendable Sponsoren zu finden, sei hier – wie fast überall – ausgesprochen schwierig.
Auch die Mitgliedsbeiträge reichen bei Weitem nicht aus, um alle anfallenden Kosten zu schultern.
Vielseitige Zukunftsperspektive
„Unsere Kinder zahlen monatlich 5,50 Euro – also weniger als eine Schachtel Zigaretten für Erwachsene kostet “, sagt Jürgen Hollschuh, der aber keinen Trauerchoral anstimmen will. Denn: Im Rahmen seiner Möglichkeiten habe sich der MTSV Beindersheim in den letzten Jahren kontinuierlich gut entwickelt. Einen maßgeblichen Anteil daran habe vor allem die moderne und attraktive Kunstrasenanlage in der Rudolf-Harbig-Straße.
Die in den Jahren 2015/16 neu geschaffene Sportanlage eröffnete dem MTSV eine vielseitige Zukunftsperspektive. Hier spielen und trainieren junge Fußballer und Leichtathleten. Jürgen Hollschuh ist froh und dankbar für diese optimalen Rahmenbedingungen. Damit könne sich der MTSV mehr als sehen lassen. Darum werde er sogar beneidet. Woche für Woche tummeln sich hier rund 120 Kinder- und Jugendliche im Training. Aktuell hat der MTSV sieben Teams im Spielbetrieb. „Abgesehen von der A-Jugend sind wir mit allen Alterssparten im Rennen “, verdeutlicht Hollschuh.
Hoher Aufwand
Der organisatorische Aufwand für die Jugendabteilung ist groß. Drei- bis vier Stunden täglich ist Hollschuh für seine Jugendabteilung im Einsatz. Gleich nach der Arbeit geht’s los. Der 39-jährige, beruflich als Depotleiter in einem Vertriebs- und Dienstleistungsbetrieb tätig, konstatiert: „ Zuweilen frage ich mich schon, was tust du dir da an ... “
Fußballerisch aufgewachsen ist Hollschuh in der Jugendabteilung der VT Frankenthal. Nach einer mehrjährigen Pause landete er als Jugendtrainer beim VfR Frankenthal. „Ich war selbst kein überragender Fußballer – die Jugendarbeit hat mir aber immer Freude gemacht“, sagt er. Die Erfolge blieben nicht aus. Mit seiner VfR-C-Jugend stieg Hollschuh in die Kreisliga auf. „Durch meine Freundin kam ich nach Beindersheim und übernahm Training und Betreuung der G-Jugend – also der Jüngsten “, blendet er zurück.
Oft zwischen den Stühlen
Das war im Sommer 2018. Mittlerweile hat Jürgen Hollschuh beim MTSV „Karriere“ gemacht. Unter Christian Höllriegl war er stellvertretender Jugendleiter. Vor zwei Jahren trat er in die erste Reihe. Keine ganz leichte Aufgabe, bekennt Jürgen Hollschuh. Es gäbe von allen Seiten her eine gewisse Anspruchshaltung – und oft sitze man als Vereinsjugendleiter zwischen den Stühlen.
Es gehe um eine gesunde Balance zwischen Jugendlichen, Eltern und Verein und damit auch um einen Interessensausgleich. Manche Eltern seien oft nur am Fortkommen ihres eigenen Kindes interessiert und die Aktiven erwarten, dass die Jugendfußballer auch zu den Spielen der ersten Mannschaft kommen und kräftig anfeuern. Umgekehrt sei jedoch kein Spieler der ersten Mannschaft bereit, eine Jugendmannschaft zu trainieren oder zu betreuen. Bei den älteren Jugendmannschaften werde es auch zusehends schwieriger, die Jugendlichen zu Auswärtsspielen zu bringen. Während es bei den Bambini meist mehr Autos und Fahrer als Kicker gibt, stelle sich einige Jahre oft später die Frage: „Wer fährt ?“
Viel zu bieten
Fast wöchentlich sucht Jürgen Hollschuh über die Sozialen Medien noch zusätzliche Jugendtrainer- und Betreuer. Auf den ersten Blick ein gutes Zeichen, denn die Jugendarbeit beim MTSV Beindersheim boomt und die Mitgliederzahlen steigen. Umgekehrt sei die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen aber ausgesprochen gering. Hollschuh: „Manchmal hat man den Eindruck, dass keiner mehr was machen will und wir bräuchten doch deutlich mehr Jugendtrainer- und Betreuer.“
Dabei habe der MTSV jede Menge zu bieten: sportlich aber auch in geselliger Hinsicht. Jürgen Hollschuh schwärmt geradezu von der Teilnahme am Europa-Park-Turnier im südbadischen Rust. im vergangenen Jahr habe man das dortige international besetzte Turnier mit der F-Jugend geradezu sensationell gewonnen und 2023 habe die E-Jugend beim Europa-Park-Cup unter 56 beteiligten Teams einen beachtlichen fünften Platz erkämpft. „Wir waren mit 200 Leuten in Rust – das hat dort sehr viel positives Aufsehen erregt und allen Spaß gemacht“, betont er.
Anruf aus Leipzig
Freizeit ist für Jürgen Hollschuh eher ein Fremdwort. Den Sonntag hat er jedoch für seine Familie reserviert – und auch auf den „Betze“ fährt der eingefleischte FCK-Fan regelmäßig. Gerne geht er auch mit seinen beiden Hunden Tayson und Imani auf Tour. Die beiden Vierbeiner verhelfen ihm zu etwas Ruhe und Abstand.
Mit seiner MTSV-Jugend hat Hollschuh noch einiges vor. Der Verein sei für die Zukunft gut aufgestellt und gut strukturiert, wertet er. Mittlerweile haben auch höherklassige Vereine den kleinen Dorfverein im Fokus. Deren „Scouts“ sind aufmerksam und präsent. Zwei Jugendspieler seien zum 1. FC Kaiserslautern und einer zu Wormatia Worms gewechselt. Jürgen Hollschuh: „Jüngst bekamen wir auch einen Anruf vom Red Bull Leipzig ... “
Weg von der Spielkonsole
Man werde keinem talentierten und ambitionierten Jugendspieler, den Weg verbauen. Ganz im Gegenteil. „Auch wir freuen uns und wir sind stolz, wenn einer unserer Jugendspieler seinen Weg macht und vorankommt. Wir legen da keinem einen Stein in den Weg, setzen aber auch auf Breitensport und auf eine gute Zukunft des MTSV Beindersheim“, sagt Hollschuh.
Mit jungen Menschen zu arbeiten und diese auf einen guten Weg zu bringen, sei eine schöne und erfüllende Aufgabe, stellt der Jugendleiter fest und meint dazu: „ Unsere Jugendspieler, aber auch unser Verein insgesamt haben sich sehr positiv entwickelt. Auf dieser Schiene wollen wir erfolgreich weiterarbeiten und unsere Kinder ein stückweit von der Spielkonsole weglocken. “