Fussball
Interview: Profi Danny Blum aus Frankenthal über den VfL Bochum und seine Zukunft
Als wir uns das letzte Mal trafen, im Dezember 2020, hatten Sie ein Ziel: die Bundesliga. Damals waren Sie Topscorer des damaligen Zweitligisten VfL Bochum. Jetzt absolvieren Sie mit Bochum Spiele in der Ersten Bundesliga. Wie fühlt es sich an, wieder Erstligaspieler zu sein?
Ja, manchmal geht das schneller als man denkt. Das typische Fußballleben. Nach dem ersten Corona-Lockdown ging es auf einmal bergauf. Es war wie eine Welle, die wir erwischt haben, und die hat sich durch die anschließende Saison gezogen. Dann bekommt man irgendwann das Gefühl, dass es auf einmal so weit sein könnte. Da passiert dann etwas mit manchen Spielern und der Mannschaft, sodass wir uns auch durch Niederlagen nicht aus dem Konzept haben bringen lassen. So ist es die ganze vergangene Saison gelaufen. Dann spielst du Bundesliga, wo du wieder hinwolltest. Ich bin froh darüber, mit dem VfL Bochum etwas unfassbar schönes erreicht zu haben. Das ist etwas Besonderes.
Bisher haben Sie elf Spiele (zwei Tore) absolviert. Sie hatten immer wieder mit muskulären Problemen zu kämpfen. Wie sehr ärgert es Sie, gerade jetzt, wo Sie in der Bundesliga spielen könnten, auszufallen?
Ich habe die Verletzung noch aus der alten Saison mitgenommen, sodass ich keine reguläre Mannschaftsvorbereitung hatte. Ich habe die ganze Vorbereitung mit einem Reha-Trainer alleine gemacht. Erst nach einigen Spieltagen bin ich ins Mannschaftstraining eingestiegen. Es hat natürlich gebraucht, die ganzen Defizite aufzuholen, aber ich gebe nie auf. Im Gegenteil. Ich bin immer motiviert und kämpfe mich immer zurück. Jetzt bin ich wieder auf einem guten Weg und zufrieden mit dem Verlauf und merke, dass ich von Tag zu Tag stärker und fitter werde. Ich hoffe, dass ich für den Endspurt der Saison zur Verfügung stehe und meiner Mannschaft helfen kann, um den Klassenerhalt zu erreichen.
Wenn Sie von außen zusehen, wie Ihr Team gegen den FC Bayern 4:2 gewinnt, ist da die Freude größer als der Ärger, dass Sie selbst nicht mitspielen können?
Das macht einen schon stolz. Das war schon unglaublich, was da passiert ist. Damit hat niemand gerechnet. Es gibt diesen einen Tag, der genau so laufen muss. Wenn alles so zusammenkommt und klappt, ist sogar Bayern München schlagbar.
Der VfL spielt eine gute Runde, steht mit 36 Punkten auf Platz zwölf. Was ist noch drin?
Das erste Ziel sollte sein, dass wir uns sichern und dass nichts mehr passieren kann. Das wird schwierig genug. Alles was danach kommt, ist Bonus.
Sie haben immer wieder davon gesprochen, dass es wichtig für Sie sei, sich wohlzufühlen. Beim VfL scheint das der Fall zu sein. Sie sprachen sogar von Heimat. Können Sie sich eine Zukunft beim VfL Bochum vorstellen?
Das hat sich nicht geändert. Ich fühle mich unglaublich wohl in Bochum, und ich weiß, was ich an Bochum habe. Ich glaube, das sieht man immer wieder, wenn ich meine Leistung auf dem Platz abrufe.
Ihr Vertrag läuft zum Ende der Spielzeit aus. Gab es bereits Gespräche über eine mögliche Verlängerung?
Wir befinden uns auf jeden Fall im Austausch. Mehr kann ich dazu derzeit wirklich nicht sagen. Da, wo man sich wohlfühlt, ist es immer am schönsten. Der VfL ist mein erster Ansprechpartner.
Sie sind nicht mehr der einzige Blum mit einem Vertrag im deutschen Profifußball. Ihr jüngerer Bruder Shawn unterschrieb einen Kontrakt bei Ihrem Ex-Verein in Nürnberg. Wie stark verfolgen Sie seine Laufbahn? Geben Sie auch Tipps?
Ich habe meinen Bruder immer begleitet. Wir sind täglich im Austausch. Irgendwann kommt auch der Zeitpunkt, an dem man mit seinem Bruder redet. Ich habe ihm gesagt, dass, wenn er unbedingt Profifußball spielen möchte, er sich vorbereiten und danach leben muss. Das ist manchmal nicht einfach in jungen Jahren. Ich habe das alles durchgemacht, wo er jetzt hinkommt. Ich musste den Weg meistens alleine gehen und hatte keinen älteren Bruder, der mir gesagt hat, mach das so oder verhalte dich so. Ich versuche, ihm diese Unterstützung zu geben, damit er nicht die Fehler macht, die ich gemacht habe. Natürlich habe ich ihm auch gesagt, was ihn in Nürnberg erwartet. Nürnberg ist eine unfassbar gute Adresse. Ich habe da zwei Jahre lang gespielt. Es ist ein toller Verein mit Strahlkraft, tollen Fans und Tradition. Er hat sich dafür entschieden. Den Bruder zu sehen, wie er den Weg ins Profigeschäft geht, macht mich stolz. Dabei werde ich immer an seiner Seite sein. Mit meiner Erfahrung werde ich ihm helfen.
Ist es ein Wunsch von Ihnen, einmal mit ihm zusammenzuspielen?
(lacht) Das hat er mich auch schon gefragt. Ich weiß nicht, ob das noch klappen wird. Wenn es so käme, wäre das natürlich eine unglaubliche Geschichte. Aber wichtig ist, dass er seinen Weg weitergeht und nicht auf mich achtet.
Sie sind nun bereits über 30. Wie lange wollen Sie noch spielen?
Ich versuche, so lange es geht, Profifußball zu spielen. Das war schon seit Kindheitstagen mein großer Traum. Solange ich den leben kann, werde ich das auch tun. Bis ich nicht mehr laufen kann. Und bis dahin: Vollgas.
Sie haben Anfang 2021 mit Jamil Shanab und Dennis Tiano in Frankenthal die „Danny Blum Fußballakademie“ gegründet, in der Sie jungen Kickern abseits vom Verein helfen wollen, besser zu werden. Wie weit sind Sie da noch involviert?
Pandemiebedingt ist das etwas ins Hintertreffen geraten. Es gab viele Veränderungen. Jamil hat sich beruflich verändert. Jeder hat eine Familie zu ernähren. Da ist es dann manchmal besser, einen anderen Weg einzuschlagen. Das heißt nicht, dass es aus der Welt ist, aber in den letzten eineinhalb Jahren hat sich jeder etwas verändert. Aber mal schauen, was in der Zukunft noch so passiert.
Eine Fußballakademie hört sich etwas nach Schule an. Da ist der Trainer nicht weit entfernt. Können Sie sich vorstellen, mal als Trainer aktiv zu sein?
Natürlich habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, was ich danach mache. Es ist nie ganz einfach, daher lasse ich das erstmal auf mich zukommen und schaue, wie sich alles in den nächsten Jahren entwickelt. Vielleicht werde ich dann einen anderen Weg einschlagen.
Ist Bochum nur die fußballerische Heimat, oder können Sie sich vorstellen, dort zu bleiben? Oder zieht es Sie zurück nach Frankenthal?
Es geht hauptsächlich darum, dass man Fußball spielt. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass es mir gut geht, dann spiegelt sich das in der Leistung wider. Meine Heimat Frankental habe ich nie vergessen. Wenn ich Zeit habe, fahre ich gerne nach Hause zur Familie. Ich glaube nicht, dass ich nach meiner Karriere meinen festen Sitz in Bochum habe. Ich glaube, dass es irgendwann zurück zur Familie geht.