Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel In Frankenthal aktiv für die Demokratie: Ludwig und Else Ritterspacher

Mundartpoetin: Else Ritterspacher auf einem Buchtitel.
Mundartpoetin: Else Ritterspacher auf einem Buchtitel. Repro: THEOBALD

Er zählte zu den Vätern der rheinland-pfälzischen Landesverfassung, seine Ehefrau war eine bekannte pfälzische Mundartdichterin: Ludwig Ritterspacher und Elisabetha, genannt Else, geborene Hené. In Frankenthal wurden beide vom NS-Staat verfolgt: er als Regimegegner, sie wegen ihrer jüdischen Herkunft. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern wir an sie.

Ludwig Ritterspacher hatte die evangelische Konfession und wurde am 10. März 1883 in Waldmohr geboren. Er studierte Jura an den Universitäten in München und Berlin und promovierte in Heidelberg. Im Jahre 1912 wurde er Justizbeamter und 1916 Amtsrichter in Pirmasens. Als Frontsoldat nahm er ab dem 2. August 1914 am Ersten Weltkrieg teil.

Am 15. Mai 1919 heiratete er in Pirmasens die jüdische Schriftstellerin und Heimatdichterin Elisabetha, genannt Else, Hené, die in der pfälzische Schuhmetropole am 27. Januar 1898 zur Welt gekommen war. Die Ehe blieb kinderlos.

Richter am Landgericht

1925 zogen die Eheleute Ritterspacher nach Frankenthal und wohnten in der Wilhelmstraße 1, der heutigen Heinrich-Heine-Straße. Ritterspacher war Richter am Frankenthaler Landgericht geworden. Für ihn war es selbstverständlich, nach dem Untergang des Kaiserreiches aktiv für den Erhalt der Demokratie einzutreten. So wurde er hier – wie schon zuvor in Pirmasens – Vorsitzender der Ortsgruppe der Demokratischen Partei. Ritterspacher führte zudem den Bayerischen Beamtenbund, Bezirksverband Frankenthal, und die Vereinigung ehemaliger Landauer Feldartilleristen.

Der Landgerichtsrat gehörte dem Rat der Stadt Frankenthal von 1929 bis 1933 an und kandidierte 1928 und 1932 für den Reichstag. Außerdem war er im Vorstand des Volksbildungsvereins Frankenthal und Umgebung und im Hindenburg-Ausschuss der Stadt Frankenthal aktiv.

Engagiert für Fraueninteressen

Seine Ehefrau Else Ritterspacher trug in zahlreichen Veranstaltungen der Vereine ihre Gedichte in Pfälzer Mundart vor, die auch die „Frankenthaler Zeitung“ veröffentlichte. Besonderen Beifall fand ein den Frankenthalern gewidmetes Lied. Am 3. Dezember 1932 sendete der Bayerische Rundfunk anlässlich einer Militär-Musikstunde das „Kanonenlied“ der pfälzischen Heimatdichterin. Als Vorstandsmitglied engagierte sich Else Ritterspacher im Frankenthaler Verein für Fraueninteressen.

Schon vor der Machtergreifung hatten die Nationalsozialisten ein Auge auf den als Gegner geltenden Juristen Ritterspacher geworfen. Als sie am Ruder waren, arbeiteten sie auf seine Entlassung aus dem Justizdienst hin. Ritterspacher konnte aber darauf verweisen, dass er Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen und später gegen die Separatisten Widerstand geleistet hatte. Als die sich gegen die jüdische Bevölkerung richtenden Nürnberger Gesetze in Kraft getreten waren, hatte das NS-Regime ein neues Mittel in der Hand, Gegner zu bekämpfen: Ritterspacher galt, weil er zu seiner Ehefrau hielt, als „jüdisch versippt“ und musste 1937 aus dem Justizdienst ausscheiden.

Die Familie Ritterspacher zog 1938 von Frankenthal nach Frankfurt am Main um, wo er zunächst als Versicherungsvertreter tätig war. Ab 1940 arbeitete er als juristischer Berater für ein Münchener Unternehmen; daher zog das Paar nach München.

Mitgründer der Pfalz-CDU

Nach dem Untergang des NS-Staates war Ludwig Ritterspacher ein Mann der ersten Stunde beim demokratischen Neuaufbau. 1945 wurde er zum Präsidenten des Landgerichts Zweibrücken ernannt. Ab 1. Januar 1946 war er Präsidialdirektor und Leiter der Justizverwaltung Hessen-Pfalz. Vom 1. April 1947 bis 30. Juni 1949 war er Präsident des Oberlandesgerichts der Pfalz in Neustadt. Er gehörte dem Rat der Stadt Neustadt an und wurde zum Mitbegründer der pfälzischen CDU. Ritterspacher arbeitete in der Beratenden Landesverfassung von Rheinland-Pfalz mit und war Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz von 1947 bis 1951.

Seine Ehefrau trat nach dem Krieg wieder öffentlich als Mundartdichterin auf – doch sie schloss bereits am 22. April 1952 für immer die Augen. Ludwig Ritterspacher heiratete noch zweimal und starb am 23. April 1964 in Zweibrücken. Sein Grab wurde 2012 auf dem dortigen Hauptfriedhof eingeebnet – offenbar, weil der Name niemandem mehr etwas sagte.

Zur Sache: 27. Januar

Der 27. Januar wird in Deutschland seit 1996 als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Damit wird Bezug genommen auf den 27. Januar 1945, als die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreite. Auf Beschluss der Vereinten Nationen gilt der 27. Januar zudem als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Jurist und demokratischer Politiker: Ludwig Ritterspacher.
Jurist und demokratischer Politiker: Ludwig Ritterspacher. Foto: THEOBALD
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