Frankenthal immer„Hundekot geht “
Vorsicht, Frollein! Das ist eine edle deutsche Hunderasse. Aber eigentlich spielen wir mit dem Namen auf die Parteienvielfalt in der Weimarer Republik von 1918 bis 1933 an. Dass damals bis zu 17 Parteien im Reichstag waren, wird ja allgemein für den Untergang der ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland mitverantwortlich gemacht. Wollen Sie unser patriotisch-europäisches Abendland ruinieren? Ach was! Auf den Namen hat uns der Bürgermeister von Bobenheim-Roxheim gebracht. Weil dort im Gemeinderat bis vor Kurzem fünf Parteien vertreten waren – nur fünf, dass ich nicht lache (lacht) – hat er von Weimarer Verhältnissen gesprochen. Die wünscht er sich jetzt, da die Wir Bürger sich auflösen, plötzlich wieder zurück. Wegen der Meinungsvielfalt. Welche Politik vertreten Sie denn? Ihr Motto „Hauptsache dagegen“ wirkt ziemlich populistisch und noch dazu unentschlossen. So ein Spruch kommt beim kleinen Mann halt gut an. Natürlich haben wir eine Programmatik. Ich sag’s mal so: Die großen Themen wie Burka-Verbot, Fleischkonsum und Industrie 4.0 sind ja alle schon besetzt. Damit können wir uns nicht profilieren. Uns geht es mehr um die kleinen Themen, die vor Ort in den liebens- und lebenswerten Wohlfühlgemeinden eine Rolle spielen. Zum Beispiel? Zum Beispiel, zum Beispiel ... Hundekot! Das Thema geht immer. Wenn Sie da ordentlich auf die Kacke hauen, treffen Sie jeden Geschmack. Auch den eines Hundehalters? Ja klar. Der ist doch auch gegen die Haufen auf dem Gehweg und betont immer, dass sein Hund so etwas nicht macht. Verstehe. Aber jetzt mal konkret zu den Gemeinden hier in der Region. Die haben ja nicht nur Probleme mit Hundesch... Also wir haben da aufwendig in den und Rats- und Bürgerinfosystemen im Internet recherchiert und natürlich auch die regionale Lügenpresse gelesen. Nehmen wir Lambsheim. Da soll der Ortsbürgermeister bloß wegen der Fusion seine zweite Heimat, das Rathaus, verlassen. Das regt die Leute auf. Wir geben dem Volk eine Stimme und sagen: Da muss ein Anbau her. Für Anbauten, das weiß doch jeder, gibt’s immer Zuschüsse, das bezahlt sich quasi von selbst. Man kann ja eine schwere Brandschutztür einbauen, damit Herr Knoll nicht dauernd wegen einer Büroklammer zu seinen ehemaligen Verwaltungsmitarbeitern rennt und sie von der Arbeit abhält. Was ist mit Großniedesheim? Da gibt’s nach dem Verkauf und Abriss des Bürger- und Sportzentrums keine Gaststätte mehr. Gerüchte auf Facebook besagen, dass die Großniedesheimer das Lokal eh nicht besucht haben. Wir haben eine billige Lösung, die den Schein wahrt: An den Umkleidekabinen, die der Turn- und Sportverein jetzt bauen muss, könnte man das Schild „Sportlerklause“ anbringen. Jetzt kommen Sie in Fahrt, Herr von Lurch. Was fällt den Weimaranern zu Dirmstein ein? Die neue Festhalle am Kellergarten. Die ist seit Anfang September in Betrieb, und noch immer ist nicht definitiv entschieden, was Lieschen Müller nach ihrer Hochzeitsfeier dort für die Saalreinigung berappen muss. Da muss man sich doch nicht wundern, wenn die Menschen in unserem Land Existenzängste entwickeln und politikverdrossen werden. Wir schlagen einen Bürgerentscheid vor. Mit drei ganz einfachen Fragen: Soll ein externes Beratungsbüro für ein Honorar 30.000 Euro den billigsten Anbieter für eine besenreine Grundsäuberung ermitteln? Oder soll die Reinigung zu Mindestlohnbedingungen durch Ein-Euro-Jobber erfolgen? Oder soll die Teilnahme an einer Hochzeitsfeier mit der Bedingung verknüpft werden, am nächsten Tag den Putzlappen zu schwingen? Welche Perspektive haben Sie für Kleinniedesheim entwickelt? Da droht der Merkel-Kurs in der Baupolitik zu scheitern. Der Kanzler, pardon, der Bürgermeister kriegt Gegenwind wegen der Geheimsache „Baugebiet Enggasse“. Die Leute fordern mehr Transparenz. Da muss man gegensteuern. Unsere Antwort lautet: mehr Polizeipräsenz in Gemeinderats- und Ausschusssitzungen, Telefonüberwachung und Datenvorratsspeicherung sowie mehr V-Leute in Bürgerinitiativen einschleusen. Ich bin beeindruckt. Jetzt verraten Sie uns nur noch, wie Sie Martin Haller (SPD) oder Christian Baldauf (CDU) – je nachdem, wer am 13. März gewinnt – das Frankenthaler Direktmandat abluchsen wollen. Als Mitglied des Adels habe ich mehr Zeit und Disziplin als der Christian und der Martin. Mich zum Beispiel an einem Abend auf sechs Prunksitzungen in der Region blicken zu lassen, ist für mich kein Problem. Und das ist ja im Prinzip schon die halbe Miete. Besser singen und Trompete spielen kann ich allemal. Dann noch 50-mal am Tag Gerüchte twittern und Online-Redaktionen mit Kommentaren unterwandern – damit sollten Die Weimaraner und ich die Stimmen der Wähler eigentlich fangen können. Herr von Lurch, danke für dieses aufschlussreiche Gespräch. Keine Ursache. Schönen Fasnachtsdienstag wünsch’ ich noch.