Weisenheim am Sand RHEINPFALZ Plus Artikel Ihr Herz gehört dem Musical: Die Sängerin Carina Smerdon

Carina Smerdon in der Frankenthaler Musikschule, dort hat ihre Karriere begonnen.
Carina Smerdon in der Frankenthaler Musikschule, dort hat ihre Karriere begonnen.

Die Sängerin Carina Smerdon aus Weisenheim am Sand – Am 4. Januar singt sie in der protestantischen Kirche Lambsheim „Colours of Music“.

Sie sang sich schon durch die ganze Welt, mit Wasser unterm Kiel. Carina Smerdons Herz gehört dem Musical. Und ihrem Zuhause, der Pfalz, wo sie das nächste Jahr mit einem Auftritt begrüßen wird – das Konzert „Colours of Music“ in Lambsheim kann sie kaum erwarten.

„Hier hat alles angefangen.“ Sagt die Diva ein wenig wehmütig, als sie die Frankenthaler Musikschule betritt. Damals war sie 13 Jahre alt und getrieben von dem unbändigen Wunsch, zum Musical zu gehen. Gesangslehrerin Katharina Gündner nahm den Teenager unter ihre Fittiche, dann begann ein steiniger und zugleich steiler Weg in die Musical-Welt. Jetzt ist Smerdon, die früher Kärcher hieß, zurückgekehrt in das heimatliche Weisenheim am Sand. Und möchte ihrer Heimat ein Ständchen bringen.

Von RPR1 zur „Stimme des Jahres“ gekürt

Gündner und Smerdon begrüßen sich wie gute Freundinnen. Sie erinnern sich, wie der Teenie, schon mit Lorbeeren im Gepäck, in die Musikschule kam. Carina war ein Jahr zuvor vom Hörfunksender RPR1 zur „Stimme des Jahres“ gekürt worden. „Ich musste Amazing grace singen, a capella“, meint die 37-Jährige lachend. Als Kind hatte sie daheim „alle CD’s mit Musicals rauf- und runtergesungen“. Gündner nahm die neue Schülerin mit Kusshand. Jede Woche fuhr Carina von Weisenheim in die Musikschule. Und bekam Unterricht von der ehemaligen Opernsängerin und Musicaldarstellerin mit Konzertexamen, die schon Talente wie Frauke Schäfer, Madeleine Sauveur und Silke Hauck musikalisch trainiert hat.

„Man muss sie gehen lassen und sich über ihre Erfolge freuen. Eine Mutter ist nichts wert, wenn sie ihre Kinder zuhause einsperrt“ meint Gündner. Bevor sie ihren Schützling ziehen ließ, brachte sie ihm das Handwerk des Gesangs bei. Sie vergrößerte Carinas Range, den Stimmumfang. Was noch wichtiger war: Eine technisch gute Artikulation, die den Belastungen auf der Bühne gewachsen war. Damit sich keine Knötchen auf den Stimmbändern bilden. „Eine Stimme kann man nicht nachkaufen“, sagt Gündner. „Katharina hat mir gezeigt, was ich aus meiner Stimmer rausholen kann – der Grundstein für meine Karriere“, sagt Carina.

Studium in Hamburg

Mit 16 Jahren verließ sie ihre Heimat. Bestand die Aufnahmeprüfung, sowohl für die Abraxas-Musical-Akademie in München als auch für die Stage School of Music in Hamburg. Sie entschied sich für die Hansestadt, wo sie in der Bewerberrunde die Jüngste war. Während ihre Altersgenossen in der Pfalz noch von Mama bekocht wurden, hatte sie eine eigene Wohnung und versorgte sich selbst. Drei Jahre ging sie in Hamburg durch eine harte Schule. „Das war Hochleistungssport für den ganzen Körper. Da gehst du abends auf keine Party, da fällst du ins Bett.“

Dann wartete die weite Welt: Zunächst ging es quer durch Deutschland, mit der Hauptrolle der Eva Perón in „Evita“. Danach sang die gebürtige Frankenthalerin mit Wasser unterm Kiel – auf Kreuzfahrtschiffen schipperte sie sieben Jahre rund um den Globus und führte Musicals auf. „Das war toll, ich hatte Gaststatus mit eigener Kabine, viel Freizeit und konnte eigene Shows kreieren.“ Wie waren die Auftritte auf dem Ozean? „Seekrank war ich nie. Doch es tanzt sich schon anders als mit festem Boden unter den Füßen. Da braucht man schon viel Spannung im Körper.“

Liebe auf dem Schiff

Auf dem Luxusschiff der Crystal Cruises fuhren die Superreichen wie die Bacardi-Familie. „Da waren tolle Künstler an Bord – wie Allan Rich, der mit Jud Friedman für Whitney Houston „Run to you“ geschrieben hat.“ Und da war ein Toningenieur an Bord: Carina verliebte sich in Ross Smerdon. Dem Sohn südafrikanisch-schottischer Eltern folgte sie für acht Jahre nach Kapstadt und heiratete ihn 2018. Vorher gab es noch drei Jahre in Wien, im Raimund-Theater sang die Pfälzerin in „Ich war noch niemals in New York“.

2020 brachte Carina ihre Tochter zur Welt und kehrte 2021 mit Ross zurück nach Weisenheim am Sand. „Früher habe ich gedacht, das Dorf sei für mich zu klein und zu eng. Nachdem ich die Welt bereist habe, fühle ich mir hier wohl“, sagt sie. Inzwischen tritt Carina Smerdon in der Region auf, gehört zum festen Ensemble des Kammertheaters Karlsruhe und macht unter dem Titel „Showbiz Baby“ Podcast-Interviews mit Promis aus der Showbranche. Ihren Mann lässt das Fernweh immer noch nicht los. Er arbeitet, inzwischen als technischer Ingenieur, auf Yachten der High Society. Und besucht seine kleine Familie auf Heimaturlaub.

Wiedergefundene Heimat

Demnächst zündet Carina Smerdon in ihrer wiedergefundenen Heimat ein Feuerwerk von Songs aus Musicals, Rock und Pop – gemeinsam mit ehemaligen Kollegen aus der Stage School of Music: Karl Grunewald und Melanie Gebhard, beide ebenfalls erfolgreiche Musicaldarsteller. Grunewald kennt man unter anderem als Gast bei den „Zwölf Tenören“ und „Elisabeth – Legende einer Heiligen“. Gebhard trat auf in Musicals wie „Wicked“, „Mozart“ und „The Adams Family“. Begleitet wird das Trio von der Opernsängerin und Pianistin Cynthia Grose, die das Jugendtheater Koblenz leitet. „Das Konzert ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es ist ein großes Geschenk, dass ich daheim auftreten darf“, sagt Carina.

Termin

„Colours of Music“ wird am Sonntag, den 4. Januar 2026 um 19 Uhr in der protestantischen Kirche in Lambsheim, Hauptstraße 6, aufgeführt. Kartenvorverkauf bei Brillen Bott in Lambsheim, Mühltorstraße 18 a. Es sind noch wenige Restkarten erhältlich.

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