Frankenthal
Hitzefrei? Nicht an allen Schulen
26 Grad hat Georg Bauer am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr in einem der Klassensäle gemessen. Und der Leiter der Grundschule Eppstein-Flomersheim weiß, dass das Thermometer im Laufe des Vormittags bei konsequentem Lüften weiter steigen wird. „Ab 12 Uhr geht dann nichts mehr“, sagt er. Insbesondere im Vorort Eppstein, wo auf der Südseite von morgens bis mittags die Sonne aufs Schulgebäude scheint, werde die Situation unerträglich. Angesichts der bestehenden Maskenpflicht, die Bauer ausdrücklich begrüßt, sei die Belastung für die Schüler für ihn nicht mehr verantwortbar.
Die Entscheidung deshalb: Ab Mittwoch werden in den dritten und vierten Klassen die Stunden verkürzt, so dass alle 180 Kinder um 12 Uhr Unterrichtsende haben. Eltern, die eine Betreuung bis 13 Uhr benötigen, könnten diese selbstverständlich ebenso wie das Angebot der Betreuenden Grundschule bis 14 Uhr weiter in Anspruch nehmen. Bauer rechnet jedoch damit, dass die Mehrheit der Familien sich für den früheren Schulschluss entscheidet. „Wenn man in der Anleitung liest, dass der Corona-Selbsttest bei einer Temperatur zwischen 15 und 25 Grad angewendet und gelagert werden soll, dann ginge selbst das im Moment nicht“, bringt Bauer noch ein weiteres Argument vor.
Ebert-Grundschule: Wie im Tropengewächshaus
Bereits am Dienstag endete an der Friedrich-Ebert-Grundschule der Unterricht um 11 Uhr. Kinder, für die das Einverständnis der Eltern vorlag, konnten nach Hause gehen, alle anderen würden bis 16 Uhr betreut, sagt Konrektor André Staudinger auf Anfrage. In dem „uralten und schlecht gebauten“ Schulhaus am Jakobsplatz herrsche bereits morgens ein Klima „wie im Tropengewächshaus“ – zumal man nachts nicht lüften könne. Die Entscheidung sei den Verantwortlich nicht leicht gefallen. „Wir haben uns auf einen normalen Schulalltag gefreut“, sagt Staudinger. Aber in den heißen Klassenzimmern sei an Lernen nicht zu denken. Auch in den kommenden Tagen sollen die Eltern der 360 Schüler morgens per Sdui-App, über die Homepage der Schule oder in einem Aushang informiert werden, ob der Unterricht früher endet.
„Wir reagieren auf die besonderen Witterungsverhältnisse“, sagt Stephan Hirt. Als Ganztagsschule könne die Friedrich-Ebert-Realschule plus allerdings nicht einfach Kurzstunden anbieten. „Wir begrüßen das nach der Zeit des Wechselunterrichts auch nicht“, sagt der Schulleiter. Auch durch das Testen der Schüler bleibe ansonsten kaum Zeit für Lerninhalte. Stattdessen entfallen von Dienstag bis Donnerstag Unterricht und Arbeitsgruppen am Nachmittag. Eine angebotene Notbetreuung werde nicht in Anspruch genommen. Trotz Maskenpausen, wie sie das Bildungsministerium vorschreibt, sei der Mund-Nasen-Schutz eine Belastung. „Die Klassen sind voll und beim Lüften kommt nur heiße Luft rein“, schildert Hirt.
Grundschule Mörsch hat Freiluftklassenzimmer
In der Grundschule Mörsch ist vorerst kein Hitzefrei geplant. „Ich möchte die Kinder diese Woche in der Schule haben“, sagt Rektorin Petra Weis mit Blick auf die zurückliegenden Wochen im Wechsel- und Fernunterricht. Auch ihr falle diese Entscheidung nicht leicht. „In normalen Schuljahren wäre jetzt früher Schluss.“ Gerade Grundschulen seien aber prädestiniert, flexibel zu reagieren und bei zu großer Hitze mit den Kindern in den Bürgerpark, in das Freiluftklassenzimmer im schattigen Schulhof oder in die Lernoase im kühleren Keller zu gehen. „Zuhause schwitzen die Kinder ja auch“, sagt Weis. Wichtig ist ihr zudem, Eltern eine gewisse Planungssicherheit zu geben. „Und es macht einfach Spaß, endlich wieder mit allen Schülern zusammen zu sein.“
Auch Christian Bayer, Schulleiter am Karolinen-Gymnasium (KG), spricht sich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt klar gegen ein verkürztes Schulangebot aus. Die Schüler hätten gerade „ein großes Bedürfnis, Gemeinschaft zu erleben“. Das KG-Team habe sich viele Gedanken gemacht, wie man den Kindern und Jugendlichen das Ankommen erleichtere, etwa durch besondere pädagogische Angebote am Nachmittag. Sollte es tatsächlich in einem Klassensaal zu heiß sein, „dann traue ich den Kollegen zu, dass sie einen anderen Raum finden oder nach draußen gehen“, sagt Bayer.
Neumayer-Grundschule: Kühler Altbau
Überhaupt kein Thema sind die sommerlichen Temperaturen in der Neumayer-Grundschule. In dem denkmalgeschützten Gebäude gebe es viele „relativ kühle Räume“, erklären Rektor Ferdinand Fiege und seine Stellvertreterin Jutta Haas. Man gewährleiste in der vollen Halbtagsschule eine Betreuung bis 13 Uhr und in der Ganztagsschule bis 16 Uhr – „auch bei Ausfällen von Lehrern“. Während der Notbetreuung, die etwa 70 der 220 Schüler zum Teil in wechselnden Gruppen nutzten, habe man das Mensaangebot durchgehend aufrecht erhalten. „Eltern wollen ihr Kind verbindlich betreut wissen“, sagt Fiege auch mit Blick auf Hitzefrei.