Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Hilfsangebote für Sterbende und deren Angehörige

Ziel der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung ist es, die Lebensqualität und Selbstbestimmtheit schwerstkranker Mensch
Ziel der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung ist es, die Lebensqualität und Selbstbestimmtheit schwerstkranker Menschen zu erhalten.

Wie sterbende Menschen zu Hause oder in einer Einrichtung gut versorgt werden können – darüber haben sich Vertreter von Palliativ- und Beratungseinrichtungen in der Stadtbücherei ausgetauscht. Neben Pflegekräften erfuhren auch Angehörige von Betroffenen und Interessierte, welche Hilfsangebote es gibt.

Jeder Zweite möchte zu Hause sterben. Das ergab eine Umfrage des Deutsche Hospiz- und Palliativverbands vom vergangenen Jahr, aus der Sybille Wolf vom Pflegestützpunkt Frankenthal am Dienstag zitierte. Tatsächlich stirbt die Hälfte der Deutschen in einem Krankenhaus. In den eigenen Wänden oder in einer speziellen Einrichtung mit Sterbebetreuung aus dem Leben zu scheiden, betrachtet die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung als würdevoll. Was den Sterbenden Angst bereitet und die Angehörigen vor große Herausforderungen stellt, sind starke Schmerzen, Atemnot und die zunehmende körperliche Schwäche.

Als Lotse in dieser schwierigen Situation verstehen sich die ambulanten Pflegestützpunkte. Zum kostenlosen Angebot gehören die Vermittlung von häuslicher oder stationärer Pflege und eine Beratung in finanziellen Fragen. Eine erste Anlaufstelle kann der Ambulante Hospiz-und Palliativ- Beratungsdienst in Frankenthal sein. Dort will man Entlastung und Beistand bieten, etwa mit einem Gesprächsangebot, das dienstags von 9 bis 12.30 Uhr im „Marktcafé“ im Dathenushaus stattfindet, sowie mit Seminaren und dem Besuch ehrenamtlicher Hospizbegleiter.

24-stündige Rufbereitschaft

„Wir können nichts mehr für Sie tun, Sie sind austherapiert.“ Diese ärztliche Diagnose zieht den meisten Betroffenen und ihren Angehörigen erst einmal den Boden unter den Füßen weg. Hier setzt die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) an. Deren Ziel ist es, die Lebensqualität und Selbstbestimmtheit schwerstkranker Menschen zu erhalten, um ihnen ein würdiges Leben bis zum Tod in vertrauter Umgebung zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt seien zwar Tumorpatienten, aber auch Menschen mit neurologischen und internistischen Erkrankungen könnten von den Palliativmedizinern und Pflegekräften gut zu Hause betreut werden, erklärt Marek Wenzel, der selbst Palliativmediziner ist. Wenzel ist für Ambulante Palliativpflege Invia in Kirchheim tätig, die auch Patienten in Frankenthal versorgt.

Die SAPV wird von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, muss aber ärztlich verordnet werden. Was viele nicht wissen: Auch Bewohnern von Pflegeeinrichtungen steht diese Leistung zu. Als besonders entlastend empfinden Angehörige die 24-stündige Rufbereitschaft der Ärzte. Um ein möglichst schmerzfreies Sterben zu ermöglichen, sei die richtige Medikamentierung wichtig, so Wenzel. Hier arbeite Invia eng mit Apotheken zusammen.

Sollte die häusliche Betreuung nicht mehr möglich sein, was insbesondere bei Patienten ohne Familie schon in einem frühen Stadium der Fall sein könne, sei die Einweisung in eine Palliativstation eine Lösung. Die sind Krankenhäusern angegliedert. In Frankenthal gibt es eine solche Einrichtung nicht, sondern lediglich zwei Betten. Die nächsten Stationen befinden sich in Ludwigshafen, Worms und Bad Dürkheim.

Fokus auf dem Leben

Dort wird laut Wenzel ganz auf die Bedürfnisse des Patienten eingegangen. Die sonst übliche Krankenhausroutine wie das morgendliche Wecken oder feste Essenszeiten spielten keine Rolle. Gemeinsam mit dem Patienten werde nach Möglichkeiten zur Verbesserung seiner Lebensqualität gesucht, etwa durch die Aromatherapie. Die Aufnahme erfolge nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Krankenhaus.

Wie Ulrike Grüner, die Leiterin des Hospizes in Bad Dürkheim, berichtet, liege der Fokus im Hospiz auf dem Leben. „Es ist kein Warten auf den Tod.“ Häufig fiele von den Menschen eine Last ab, komme es zu einem letzten Aufblühen. „Viele unsere Patienten leiden unter Appetitlosigkeit. Dadurch, dass wir selbst kochen, können wir auf die Wünsche unserer Patienten gut eingehen“, berichtet Grüner. Alle Einzelzimmer hätten eine eigene Terrasse mit Gartenzugang. Wer möchte, könne Zeit im Bett im Freien verbringen. Angehörige und insbesondere Kinder seien ganz selbstverständliche Gäste in Hospizen.

20 Pflegekräfte und zwölf Ehrenamtliche kümmern sich laut Grüner in Bad Dürkheim um ihre Gäste. Von Patienten spreche man ganz bewusst nicht. In einigen Fällen könnten Patienten so stabilisiert werden, dass eine Rückkehr nach Hause möglich sei. Mit dem Tod ende die Fürsorge des Hospizes nicht. „Wir waschen den Verstorbenen, kleiden ihn an und geben den Angehörigen die notwendige Zeit zum Abschied“, erläutert Grüner. Vergeben würden die Hospizplätze nach Dringlichkeit. Grüner empfiehlt, sich im Bedarfsfall möglichst in mehreren Häusern anzumelden.

Kontakte

Pflegestützpunkt Frankenthal 1, Foltzring 12, Telefon 06233 35641-31 oder -32; Pflegestützpunkt Frankenthal 2, Schmiedgasse 47, Telefon 06233 35641-20 oder -21; Ambulanter Hospiz-und Palliativ-Beratungsdienst, Foltzring 12, Telefon 06233 4960094; Ambulante Palliativpflege Invia in Kirchheim, Triftweg 2 b, Telefon 06359 9457021, Internet www.palliativteam-invia.de.

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