Frankenthal Heimspiel auf der Rathauswiese
Wenn am Kerwe-Sonntag der Umzug vorüber ist, strömen die Teilnehmer und Zuschauer in Scharen zum Kerweplatz auf der Rathauswiese. Dort ist ab 16 Uhr Live-Musik mit der Band „Die Schobberocker“ angesagt. Ein Heimspiel, wenn man so will.
Julian Schlosser und sein Vater Klaus sind Bobenheim-Roxheimer „Urgesteine“, die Band ist mit Sängerin Silke mittlerweile zum Quintett geworden. Allesamt sind sie bühnenerfahrene Musiker, die für einen perfekten Sound sorgen – und bei ihren Auftritten auch sehr viel Publikumsnähe herstellen. Die Truppe ist vor allem im Raum Frankenthal/Grünstadt sehr beliebt. Seit Jahren tingelt man von Kerwe zu Kerwe, von Weinfest zu Weinfest. Herausragend ist vor allem der alljährliche Auftritt bei der „Asselheimer Kerb“. Julian Schlosser (22), der die Gruppe managt, kennt die Festkultur dieses Sprengels nun auch schon eine Weile. Obwohl noch jung an Jahren, registriert auch er Veränderungen. In etlichen Dörfern nehme die Kerwe spürbar ab. „Bei den Besuchern sitzt das Geld nicht mehr so locker. Viele Veranstalter spüren das und geraten damit auch unter Druck.“ Gleichzeitig wachse aber die Anspruchshaltung in Sachen Programm und Inhalt, sagt Schlosser. Die erfahrenen Musiker der „Schobberocker“ kennen ihr Publikum. Je nach dem, bei welchem Fest man auf der Bühne steht, sind es meist die Generationen „Ü40“ oder „Ü50“, die es zu unterhalten gilt. „Wir haben ein breitgefächertes Repertoire für Leute von 8 bis über 80 Jahre“, verspricht Schlosser. Natürlich müsse man eine gewisse Sensibilität für sein Publikum haben. Es sei die Quintessenz jeder Art von Live- und Unterhaltungsmusik, sich auf seine Zuhörer und einzustimmen – was nicht immer einfach sei. Und so sehr sich die „Schobberocker“ auch diesmal wieder auf ihren Auftritt im heimischen Bobenheim-Roxheim freuen, so sehr kribbelt es bei Julian Schlosser, wenn er sich bereits im Vorfeld auf das Publikum fixiert, das sich alljährlich unmittelbar nach dem Kerwe-Umzug auf der Rathauswiese einfindet. Um diese Uhrzeit seien so ziemlich alle Generationen auf dem Kerweplatz versammelt. Es sei gar nicht so leicht, dabei allen musikalischen Geschmäckern gerecht zu werden. „Live-Musik am Nachmittag ist manchmal ein Graus, das muss man sehen und darf man sagen.“ Der Trumpf der „Schobberocker“ sei sicher auch das gute menschliche Miteinander. „Wir sind nicht nur begeisterte Musiker, wir verstehen und auch alle gut. Wir rackern uns ab, um den Leuten eine gute Unterhaltung zu bieten und Freude zu bereiten. Ich denke, die Menschen spüren das auch.“ Dass es auch in pfälzischen Gefilden mit dem Kerwe-Brauchtum ein stückweit bergab geht, stimmt Julian Schlosser schon etwas traurig. Denn: Diese Art von Brauchtum sei eine über Generationen gewachsene Kultur. Sie führe Menschen zusammen und schaffe vor allem in den Dörfern Identität und Solidarität. Mittlerweile habe sich jedoch eine Art Rückzug ins Private entwickelt. „Jeder kocht sein eigenes Süppchen“, stellt Schlosser mit Bedauern fest. Mit ihrer Musik wollen die „Schobberocker“ auch einen Beitrag zum Erhalt des Kerwe-Brauchtums leisten und für die Bobenheim-Roxheimer und ihre Gäste den Kerwe-Sonntag zum Erlebnis machen.