Handball
Handballer der HSG Eckbachtal steigen nach Saisonabbruch nicht aus der Oberliga ab
Handball ist per se ein sehr emotionaler Sport. Das merkt man, egal in welcher Klasse und egal, in welcher Halle man gerade ist. Doch so richtig hochemotional klingt Thorsten Koch am Telefon gar nicht. „Es freut mich, dass wir den Klassenverbleib geschafft haben. Auch wenn die Emotionen fehlen“, gesteht er im RHEINPFALZ-Gespräch.
Peter Josef Schmitz, Geschäftsführender Präsident der Oberliga RPS, bestätigt im Telefongespräch mit der RHEINPFALZ, dass die Oberligasaison vorbei ist und die Liga das vom Deutschen Handballbund vorgeschlagene Modell – es gibt nur Auf-, aber keine Absteiger – übernimmt. Darauf habe er sich mit den Präsidenten der angeschlossenen Verbände Saarland, Pfalz und Rheinhessen verständigt. „Wir haben diese Empfehlung als sinnvoll erachtet“, sagt Schmitz. Es habe auch keiner damit gerechnet, dass in dieser Saison noch mal gespielt werde.
Koch ist überzeugt: Wir hätten mindestens noch ein Team hinter uns gelassen
Natürlich hätte er es gerne auf sportlichem Wege gelöst, sagt Thorsten Koch. Da sei er auch zuversichtlich gewesen, dass das noch geklappt hätte. Vor der Corona-Unterbrechung belegte die HSG zwar den vorletzten Platz in der Oberliga, hatte allerdings nur zwei Zähler Rückstand auf den TuS Kaiserslautern-Dansenberg II und die HSG Kastellaun/Simmern, sowie drei respektive fünf Zähler Rückstand auf die HSG Worms und den TV Mülheim. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mindestens noch eine Mannschaft hinter uns gelassen hätten“, sagt Koch.
Sein Kapitän stimmt ihm da zu: „Ergebnistechnisch hat die Runde nicht ganz gepasst. Wir hatten uns mehr Punkte erhofft. Aber den Klassenerhalt hätten wir bestimmt geschafft“, meint auch Michael Betz.
Eckbachtal hätte noch fünf Heimspiele gehabt
Dieser Optimismus liegt vor allem darin begründet, dass die HSG noch fünf Heimspiele gehabt hätte, darunter unter anderem noch gegen Dansenberg II. „Ich war sehr optimistisch. Das Restprogramm wäre machbar gewesen“, betont Koch. Sei’s drum, jetzt freue er sich, dass es für die „Gekkos“ in der Oberliga weitergeht. „Und das war ja das Ziel.“
Doch bis es soweit war, musste die HSG ganz schön zittern. Was vor allem daran lag, dass sich auch für die Truppe das bewahrheitete, was schon bei vielen Teams zum Tragen kam: Das zweite Jahr in einer neuen Liga ist immer schwerer als das erste.
Koch: Haben in der Hinrunde nicht die Leistungen gebracht
„Wir haben vor allem in der Hinrunde nicht die Leistung gebracht, die wir eigentlich drauf haben“, erläutert Thorsten Koch. Unter anderem war da die Heimpleite gegen den HC Dillingen/Diefflen. Die Saarländer beenden die Saison als Schlusslicht. Der Erfolg in Dirmstein war bis zum Rundenabbruch der einzige der Saarländer. „Es waren zwei, drei Spiele zu Hause dabei, die hätten wir gewinnen müssen“, reflektiert der HSG-Coach. Irgendwie habe aber auch das Glück gefehlt. Oder wie Michael Betz meint, auch ein wenig die Abgezocktheit.
Das will der Kapitän aber nicht nur darauf zurückführen, dass vor der Runde mit Peter Baumann und Mohamed Subab zwei Stützen des Teams aufgehört hatten. „Natürlich haben die beiden viel Erfahrung. Aber wir haben ja nicht den Vergleich, ob es mit den beiden besser gelaufen wäre. Und wir hatten genügend Leute da, um die Spiele anders zu gestalten“, sagt Betz.
Mannschaft noch in der Findungsphase
Gleichwohl hat Thorsten Koch registriert, dass seine Mannschaft nach dem Verlust von Baumann und Subab noch in einer Findungsphase ist. Allerdings sei es auch in der letzten Phase der Saison besser geworden. „Es war ja ein Problem mit Ankündigung. In der Vergangenheit hat Peter eben oft die Entscheidungen getroffen, und das wurde dann auch so gemacht. Jetzt hatten wir auf einmal fünf verschiedene Meinungen. Es hat ein bisschen gedauert, bis sich das gelegt hat“, sagt Koch.
Die Last wurde am Ende auf mehrere Schultern verteilt. Vor allem die Jungs im Abwehrzentrum und in der Rückraummitte hätten sich dann hervorgetan, meint der HSG-Trainer. Von Jochen Schloß habe er gefordert, mehr Kommandos zu geben. Julian Pozywio habe mehr Spielzeit bekommen und einen großen Sprung nach vorne gemacht. Michael Betz gebe im Angriff jetzt noch mehr den Ton an. Und Carsten Wenzel wolle er noch mehr in die Rolle drücken, einer derjenigen auf dem Feld zu sein, die den Ton angeben, meint Koch.
Verletzte können sich jetzt richtig auskurieren
Vor allem das lange verletzungsbedingte Fehlen von Wenzel hat die HSG in dieser Runde hart getroffen. „Das hat uns in der Abwehr limitiert“, erläutert Michael Betz. Denn Wenzel, der im Angriff Kreisläufer spielt, sei derjenige, der sich um den besten Angreifer der Gegner kümmere.
Thorsten Koch und Athletiktrainerin Vanessa Weiland haben den HSG-Spielern ein Programm für die kommenden Wochen an die Hand gegeben. Die Verletzten wie Michael Betz (Schulter, Achillessehne) haben die Möglichkeit, alles richtig auszukurieren. „Außer Radfahren geht gerade nichts“, sagt Betz. Auch Carsten Wenzel hat jetzt Zeit, komplett zu genesen. Er sei zwar wieder auf dem aufsteigenden Ast gewesen, sagt Thorsten Koch, aber die Pause tue ihm gut.
HSG-Team bleibt zusammen
Der Trainer selbst kann derweil in die Vorbereitungen auf die Saison 20/21 starten. Auch wenn noch keiner weiß, wann die losgeht. „Der erste Spieltag soll Ende August sein. Das ist für mich im Moment noch unvorstellbar“, sagt Koch. Die Mannschaft bleibe so im Wesentlichen zusammen. Nisse Nehrdich, der vergangene Runde noch zwischen A-Jugend und Oberliga pendelte, werde dann fest zum ersten Herrenteam gehören. Aus dem Nachwuchs sollen Torwart Tobias Fischer, die Rückraumspieler Silas Rogawski und Marc Bappert sowie Linksaußen Jan Rullmann in der Vorbereitung dabei sein.
Mit Routinier Steffen Christmann will der Trainer, da er nun Gewissheit habe, wie es weitergeht, ebenfalls die Gespräche über ein weiteres Engagement aufnehmen. Zwei andere Änderungen stehen bereits fest: Torwarttrainer Dennis Rohmann wird laut Koch sein Amt aus zeitlichen Gründen aufgeben. Für ihn rückt Sascha Gieger, aktuell noch Trainer der Damen des TV Edigheim, in den Trainerstab. Neuer Co-Trainer an Kochs Seite wird Mohamed Subab. Er ersetzt Peter Baumann, der die A-Jugend betreuen wird.