Frankenthal
Handball: Vanessa Weiland ist Athletiktrainerin bei der HSG Eckbachtal
Seit Beginn der aktuellen Runde ist sie ein fester Bestandteil des Teams: Vanessa Weiland (26) aus Frankenthal ist Athletiktrainerin bei der ersten Herrenmannschaft der Handballer der HSG Eckbachtal. In den ersten 30 Minuten jedes Trainings hat sie das Kommando. Ihr Engagement im Verein will sie noch ausweiten.
„Streck mal die Arme richtig aus!“ Mit prüfendem Blick geht Vanessa Weiland durch die Reihe und betrachtet sich, wie die Oberligaspieler der HSG Eckbachtal die Dehnübungen umsetzen, die sie erklärt und vorgemacht hat. Ihre Stimme muss sich durchsetzen. Der Lärm in der Dirmsteiner Sporthalle, in der noch andere Gruppen trainieren, ist nur schwer zu übertönen. Beim nächsten Mal soll es wieder zum Lauftraining an die frische Luft gehen. Die Trainingseinheit an diesem Abend besteht aus Aufwärm- und Dehnübungen am Seitenrand der Halle.
Am beweglichsten sind die Torhüter
„Wir machen viele stabilisierende Übungen und Kräftigungsübungen, wir trainieren das Gleichgewicht und fördern die Beweglichkeit“, zählt Weiland auf. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit nennt sie als die vier großen Bestandteile der Athletik. Gerade die Beweglichkeit sei ein Defizit bei Ballsportlern. Deshalb müssen die Handballer in der 30-minütigen Einheit vor jedem Training auch Verrenkungen machen, die hin und wieder wehtun können. „Am beweglichsten sind wohl noch die Torhüter“, hält die 26-Jährige fest. „Wenn die nämlich Bälle abwehren müssen, kommen noch mal andere Bewegungen zustande als bei den Feldspielern.“ Doch auch die Schlussmänner machen das gleiche Training mit. Viele ihrer Übungen seien als Ausgleich zu den typischen Bewegungen gedacht, die man beim Handball so macht, erläutert Weiland.
Der Schweiß tropft, die Stimmung ist gut
„Als nächstes stellen sich bitte immer zwei Leute gegenüber“, ruft Weiland den Jungs zu. „Die Füße bilden eine Linie, die Arme werden ausgestreckt!“ Einer muss den Ball halten, der andere muss den Ball drücken und versuchen, sein Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen. Gar nicht so einfach, wie sich zeigt. In den Pausen zwischen den Übungen ist endlich wieder Zeit zum Durchatmen und Scherzen. Auch die Trainerin lässt sich vom Humor der Mannschaft anstecken. „Für uns ist das Training nicht nur eine Ergänzung, es bedeutet auch Verletzungsprävention“, sagt Julian Pozywio, Rückraumspieler der HSG. „Das Athletiktraining ist speziell auf den Handball bezogen und Vanessa kann es richtig dosieren. Es hat Hand und Fuß, was sie macht.“
Arbeit mit Parkinson-Patienten
Jedoch ist das Training mit den „Gekkos “ nicht ihr Hauptberuf. Vanessa Weiland arbeitet an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, wo sie auch studiert hat. Ihren Bachelor hat sie in Sportwissenschaften gemacht und dann den Masterstudiengang „Gesundheitsförderung und Therapie durch Sport“ angehängt. Da sie ursprünglich sowohl Mainz als auch Heidelberg als Studienort in Erwägung gezogen hatte, musste sie sich in zwei Bundesländern einer Sporteignungsprüfung unterziehen. „Jetzt arbeite ich am Mainzer Sportinstitut in der Abteilung Bewegungs- und Trainingswissenschaft“, berichtet sie. Sie entwickelt Therapiekonzepte für neurologische Patienten – momentan vor allem für Menschen, die unter Parkinson leiden. Konkret gehe es dabei zum Beispiel um Konzepte für die Gangschulung. Die Gangschulung umfasst das systematische Trainieren von Gang und Gehtechnik. „Wir messen dann, wie sich diese Bewegungstherapien auf die Hirnströme auswirken“, verdeutlicht die Frankenthalerin.
Noch engagierter ab Sommer
Vanessa Weiland hat außerdem eine Ostheopathie-Ausbildung absolviert, weil das Gebiet sie interessiert. Außerdem ist sie Heilpraktikerin. „Die Themen Bewegung und Körper faszinieren mich einfach“, sagt sie. Sie hat persönlichen Bezug zum Handballsport, hat für den TV Bodenheim früher selbst gespielt, als Kind auch für den TSV Freinsheim. Nicht zuletzt ihr guter Kontakt zur Mannschaft hat sie zu ihrem Trainerjob bei der HSG Eckbachtal gebracht. Sie ist die Freundin des Mannschaftskapitäns Michael Betz und kennt manche Spieler auch schon aus der Grundschulzeit. „Die Jungs nehmen ihr Training gut an“, resümiert der Trainer der ersten Herrenmannschaft, Thorsten Koch. „Weil wir im Gegensatz zu anderen Teams nur zweimal pro Woche trainieren, ist das ein guter Ausgleich für uns“, findet HSG-Spieler Jochen Schloß. „Da nimmt man die 30 Minuten gern mit.“
Thorsten Koch verrät im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass die 26-Jährige noch weiter integriert werden soll: Ab Sommer wird sie auch im Jugendbereich trainieren. „Das ist natürlich ein Alter, in dem man noch viel Einfluss nehmen und zum Beispiel an einem korrekten Laufbild arbeiten kann“, freut sich Weiland auf ihren Zusatzjob.
Zur Sache
HSG Eckbachtal am Sonntag (18 Uhr)
zu Gast beim TV Offenbach
Keine Frage: Der Heimsieg im Pokal gegen die VTV Mundenheim hat den Oberliga-Handballern der HSG Eckbachtal gut getan. Auch wenn HSG-Trainer Thorsten Koch den Erfolg nach der kurzen Winterpause nicht überbewerten will. „Beide Teams waren nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Aber gewinnen ist besser als verlieren.“ In der Lage, in der sich die HSG befindet (Vorletzter, 8:24 Punkte), tut jeder Sieg gut. Egal wie, egal gegen wen.
Nach zwei Wochen Pause kämpft die HSG Eckbachtal mit kleinen Wehwehchen, wie sich Koch ausdrückt. Das betrifft vor allem die Torhüter. Tobias Häuselmann hat Kniebeschwerden, bei Rouven Hahn zwickt der Rücken. „Ich gehe aber davon aus, dass beide spielen können“, sagt Koch. Kreisläufer Georg Ebel ist beruflich verhindert, Nisse Nehrdich spielt parallel bei der A-Jugend. Ansonsten sei der Kader komplett.
Weshalb Thorsten Koch auf einen guten Start in den Ligabetrieb hofft. „Wir haben einiges gutzumachen“, betont der Trainer mit Verweis auf die verschenkten Zähler in der Hinrunde. Er wünscht sich, dass die Mannschaft ordentlich aus der Vorbereitung komme. Die Trainingsbeteiligung sei gut gewesen. „Die Jungs wollen was reißen“, hat Thorsten Koch festgestellt. Ein weiterer Mutmacher sind die besseren Leistungen in den vergangenen Wochen. „Gefühlt sind wir im Aufschwung“, sagt Koch. Da sei es wichtig, dass die HSG mit einem guten Ergebnis aus der Halle gehe. „Wir haben uns in den letzten Wochen gesteigert. Ich bin verhalten optimistisch“, meint der Coach. Das Hinspiel hat die HSG 32:24 gewonnen.