Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Thorsten Koch, Trainer der HSG Eckbachtal, über die Arbeit in Krisenzeiten

Thorsten Koch kann sich derzeit ausführlich dem Studium von Videos widmen.
Thorsten Koch kann sich derzeit ausführlich dem Studium von Videos widmen.

Was macht ein Trainer, wenn er – so wie zurzeit – nicht regelmäßig Übungseinheiten vorbereiten und Systeme für Spiele vorbereiten muss? Thorsten Koch, Coach der Oberliga-Handballer der HSG Eckbachtal, genießt jedenfalls diese Phase, in der er mehr Zeit für die Familie und Dinge, die sonst hinten runterfallen, hat. Allerdings verspürt er schon wieder das Kribbeln und die Lust auf Handball.

Herr Koch, die Handball-Oberliga hat gerade Pause. Ist Ihnen als Handball-Trainer langweilig?
Nö. Ich muss zugeben, dass, bei aller Dramatik rund um das Coronavirus, die Entschleunigung gerade gut tut. Man hat weniger Druck, besinnt sich wieder auf die einfacheren Dinge ... Ich gebe zu: Ich bin morgens sehr irritiert, wenn die Anzahl der WhatsApp-Nachrichten nicht im zweistelligen Bereich ist. In Sachen Handball habe ich lange die Füße stillgehalten nach der Saisonunterbrechung. Jetzt schaue ich mal langsam wieder im Internet, was die anderen Verbände so machen. Und dann nutze ich die Zeit jetzt für Dinge, die sonst auf der Strecke geblieben wären in der Runde. Ich kann am Spielsystem feilen. Da wollen wir bei der HSG eine einheitliche Linie fahren, was A-Jugend und die Aktivenmannschaften betrifft.

Ich merke, Sie genießen die Ruhe auch?
Meine Tochter sagt mittlerweile wieder „Du“ zu mir und nicht mehr „Sie“, weil ich so oft zu Hause bin. (lacht) Ja, ich genieße es, mehr Zeit mit der Familie zu haben. Ein Beispiel: Meine Tochter hatte am Samstag Geburtstag. Da hätten wir aber auch ein Spiel gehabt und ich wäre nicht da gewesen. Am Ostermontag hätten wir Pokalfinale spielen können. Auch da kann ich jetzt bei der Familie sein. Es ist sehr schön, am Wochenende alles mitmachen zu können. Aber ich gebe auch zu: So langsam kribbelt es wieder, was Handball angeht.

Welche Möglichkeiten haben Sie denn, so eine Pause als Trainer zu nutzen?
Ich bin normalerweise immer sehr früh dran, was die Vorbereitung auf die neue Saison angeht. Jetzt glaube ich aber nicht, dass wir Ende August mit der neuen Saison anfangen. Das Virus wird bis dahin ja nicht weg sein. Ich schau mir viele Videos an – von Spielern anderer Vereine, die Spielzüge der HSG, was war von mir schlecht ... Dafür habe ich jetzt Zeit. Ich lese viele Handballbücher.

Tut die Ruhephase gerade auch Ihrem Körper gut?
Ja. Eine Runde Oberliga ist schon anstrengend. Die Zeit erinnert mich gerade an die drei Jahre, als ich eine Pause eingelegt habe. Das tut schon gut, auch wenn ich den Handball jetzt wieder vermisse. Ich hatte mich auf die letzten Spiele gefreut. Ich war überzeugt, dass wir noch zwei, drei Teams hinter uns gelassen hätten. Wir waren gut drauf und wären nicht abgestiegen. Jetzt muss man aufpassen, dass man nicht ein bisschen lethargisch wird. Man lebt mit dem Sport ja auch einen bestimmten Wochenrhythmus mit Trainings und Spielen. Der fehlt. Man sieht auf einmal, was im Fernsehen so läuft.

Das heißt, Sie gucken donnerstagabends jetzt „Germany’s Next Topmodel“?
Nee. Aber ich weiß jetzt immerhin, dass es das gibt. Ganz ehrlich: Das ist auch für meine Frau eine Umstellung. Die hatte an dem Abend vielleicht auch was vor. (lacht)

Fühlen Sie sich da im Bezug auf Handball arbeitslos?
Ja, das trifft’s ganz gut. Es hat einfach so schlagartig alles aufgehört. Wir hatten uns noch auf das Spiel gegen Dansenberg II vorbereitet und haben erst noch Witze gemacht: Wir sind nach Mülheim gefahren im Orkan, da kann uns doch so ein Virus nicht stoppen. Und dann mussten wir auch bei der HSG reagieren.

Wie intensiv ist derzeit der Kontakt mit den Spielern?
Es ist alles etwas weniger geworden. Handball hat viel mit Organisation zu tun. Normalerweise schreibe ich eine Nachricht in unsere WhatsApp-Gruppe, und gleich darauf kommen Fragen, der eine kann nicht, der andere ist krank. Jetzt kommt allerhöchstens mal von einem Spieler die Frage, ob es etwas Neues gibt. Wir müssen ja immer noch damit rechnen, dass die Runde irgendwann wieder aufgenommen wird. Aber ich tue mir schwer, Trainingspläne vorzugeben. Manch einer traut sich vielleicht auch nicht, sich zu melden, weil er befürchtet, dass dann doch ein Trainingsplan kommt. (lacht) Den Verletzten tut die Pause gut. Für Steffen Christmann, Carsten Wenzel oder Michael Betz wäre die Runde vielleicht beendet gewesen. Wenn’s noch weitergehen sollte, sähe es bei denen ganz gut aus.

Sie machen also kein Cybertraining wie der FC Bayern?
Nee. Wir sind auch schlechte Fußballer. Von uns wird es keine Videos geben, wie die Jungs mit Klopapierrollen kicken. Der Großteil der Mannschaft ist vernünftig und geht selbstständig laufen. Zwei Spieler haben auf ihrer Runde sogar bei mir geklingelt. Natürlich haben wir den Sicherheitsabstand eingehalten.

Das heißt, Sie bauen auf die Eigenverantwortung Ihrer Schützlinge?
Stand jetzt: ja.

Wie schwierig ist es, dann wieder in den Rhythmus zu kommen?
Ich denke, da sind die Voraussetzungen für alle gleich, wenn es irgendwann weitergeht. Ich werde den Teufel tun und die Mannschaft jetzt zusammentrommeln, und sei es auch nur für Übungen in Fünfergruppen auf der grünen Wiese. Wir haben eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Die anderen können ja auch nix anderes machen. Wenn’s dann wieder losgeht, sind die Zuschauer vielleicht nicht so entzückt, aber so ist es nun mal.

Ihre Spieler wären bereit, wenn es wieder losgehen sollte?
Ja, es juckt auch wieder. Die Jungs gehen außerhalb der Spiele gerne miteinander feiern. Da kann einem die Situation gerade schon aufs Gemüt schlagen. Ich bin mir sicher, dass es bei denen auch schon angefangen hat, zu kribbeln. Jeder würde gerne wieder in die Halle gehen.

Sie haben schon die nächste Saison angesprochen. Wie weit sind Sie mit den Planungen?
Wir sind bei der HSG Eckbachtal ja in der komfortablen Lage, dass wir nicht groß mit Verträgen rumjonglieren und Gehälter aushandeln müssen. Ich hatte im November schon die Zusagen von allen Spielern aus dem aktuellen Kader, dass sie auch in der nächsten Saison bei uns auflaufen – unabhängig davon, ob wir Pfalzliga oder Oberliga spielen. Und was mir punktuell vielleicht noch im Kader fehlt, kann ich gut mit Spielern, die aus der A-Jugend kommen, kompensieren.

Zur Person

Thorsten Koch

Mit fünf, sechs Jahren hat Thorsten Koch seine ersten Gehversuche in Sachen Handball unternommen. Und wollte das eigentlich gar nicht, wie er sagt. „Ich hatte echt keine Lust.“ Doch da der große Bruder beim TuS Laumersheim die Minis trainierte, ging auch er hin. Als Spieler war er auf Rückraum Mitte aktiv. Doch schon früh ging es in Richtung Trainerbank. „Als ich 15 oder 16 war, habe ich die C-Jugend übernommen und die Mannschaft auch bis zur A-Jugend begleitet.“ Dem TuS Laumersheim ist er immer treu geblieben – egal ob später in der SG Gerolsheim/Laumersheim oder jetzt bei der HSG Eckbachtal. Deren „Erste“ trainierte er schon von der Saison 2006/07 bis zur Runde 12/13. Dann kam eine Pause. Seit dem Start der Saison 16/17 ist er wieder an der Seitenlinie bei der HSG. Koch, der bei einer Elektronikfirma als Verkaufsleiter arbeitet, ist verheiratet und hat eine Tochter.

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