Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: HSG Eckbachtal verliert trotz guter Leistung 26:27 beim HV Vallendar

Danach geht es raus aus der Kabine und rein in die mit 350 Zuschauern gut gefüllte Konrad-Adenauer-Halle.
Danach geht es raus aus der Kabine und rein in die mit 350 Zuschauern gut gefüllte Konrad-Adenauer-Halle. Foto: MWAG

Vor der Weihnachtspause stand für Handball-Oberligist HSG Eckbachtal am Samstagabend noch die Partie beim HV Vallendar an. In die Region Koblenz-Mayen ging es mit dem Reisebus. Zurück kam die Mannschaft von HSG-Trainer Thorsten Koch zwar ohne Punkte, dafür aber mit bester Stimmung. Die 26:27 (13:12)-Niederlage war schnell verdaut. Um ein Haar hätte es zum zweiten Auswärtssieg der Saison gereicht.

14.15 Uhr – noch eine Viertelstunde bis zur Abfahrt zur letzten Partie des Jahres. Einige HSG-Spieler und Fans tummeln sich bereits vor der Schulsporthalle in Dirmstein. Die Abfahrt verzögert sich jedoch etwas, weil noch nicht alle Akteure an Bord sind. Daniel Hörner erscheint verspätet. Dass der Rechtsaußen der HSG dabei ist, wird auf dem Heimweg noch wichtig sein.

Im fast voll besetzten Bus haben sich da bereits einige Grüppchen gebildet. Ganz hinten sitzen die Zocker: Maximilian Schreiber, Sven Dopp, Tobias Häuselmann und Kapitän Michael Betz. „Wir sitzen hinten, weil wir meistens Karten spielen“, berichtet Torhüter Häuselmann. Das sei hinten einfacher als mitten im Bus. Gespielt wird Doppelkopf. Gar nicht zufrieden mit seinem Blatt ist Schreiber. Aber das sei immer so, erklärt Häuselmann. Vielleicht fehlen Schreiber aber auch seine vier Mitspieler. Verletzungsbedingt sei die Doppelkopfrunde kleiner geworden. Trainer Koch muss in Vallendar auf Nisse Nehrdich, Thomas Betz, Fabian Quandt und Julian Pozywio verzichten.

Blick aufs beleuchtete Koblenz

Der Coach nutzt die 150 Kilometer nach Vallendar zur Videoanalyse. „Das ist mehr so eine Rückversicherung“, sagt Koch. Er schaue ein Spiel an, das er noch nicht analysiert habe und gleiche es mit bereits gesichtetem Material ab. Ähnlich verhält es sich mit Torhüter Rouven Hahn und Carsten Wenzel, der auf die Kartenrunde verzichtet. Die beiden sehen sich Szenen von vergangenen Partien des HV Vallendar an. Mit Jochen Schloß bespricht Wenzel die Verteidigungsarbeit. Hahn macht sich Notizen. „Ich schaue mir Wurfbilder an“, berichtet der Torhüter. Damit möchte er herausfinden, ob die gegnerischen Spieler Lieblingsecken haben, in die sie werfen. Das soll sich im Spiel noch auszahlen.

Bis zum Anpfiff hat der Tross noch einige Kilometer vor sich. Die Handballer lauschen den Fußballergebnissen, die im Radio durchgesagt werden oder beobachten den Liveticker im Netz. Für Wenzel geht nichts über das Fanradio des MSV Duisburg, „ZebraFM“. Das habe er im Urlaub zum ersten Mal gehört, berichtet er unter dem Gelächter seiner Mitspieler.

Ein Blick auf den Rhein und das beleuchtete Koblenz sorgt für Begeisterung. Wenige Minuten später wird dann die Konzentration hochgefahren. Der Bus ist an der Konrad-Adenauer-Halle in Vallendar angelangt. Das heißt für die Sportler: Taschen holen, ab in die Umkleidekabine, umziehen und die Musik der Band Volbeat auf Anschlag drehen. Dann ist Thorsten Koch an der Reihe. Der Coach erklärt die taktischen Kniffe des Gegners und verlangt trotz der etwas dünneren Personaldecke viel Tempo von seiner Mannschaft.

Ran ans Harz

Dabei geht es für die Gäste wieder einmal darum, sich an das Harz zu gewöhnen. Denn auch in Vallendar wird mit dem Haftmittel gespielt. Nach dem Einwerfen geht es wieder hoch in die Kabine, in der sich alle noch einmal auf die Partie einschwören. Koch, Betz und Hahn sind die Wortführer, begleitet werden sie von lauter Musik. Kurz vor 18 Uhr geht es raus aus der Kabine und rein in die mit 350 Zuschauern gut gefüllte Halle.

Den besseren Start erwischen die Hausherren, die schnell 3:1 führen. Doch schon nach fünf Minuten ist der Spielstand wieder ausgeglichen. Die HSG bestimmt fortan die Begegnung, zur Pause führen die Gäste 13:12. Zurück in der Kabine folgen die ersten Diskussionen. Schreiber und Maximilian Staats haben noch etwas zu klären, ehe Koch das Wort ergreift. „Wir sind mehr als gleichwertig und haben eine bessere erste Halbzeit gezeigt als Vallendar“, betont er. Das Team feuert sich selbst noch einmal an, ehe es den Gang in die zweite Halbzeit antritt.

Es läuft weiter gut für die Koch-Sieben. Die Führung wird auf 18:14 ausgebaut. Es sieht schon ganz nach dem zweiten Auswärtssieg aus. Doch wie es häufig so ist bei Teams, die unten drin stehen: Am Ende wird es noch einmal richtig spannend. Vallendar holt auf und hat beim Stand von 26:26 einen Siebenmeter – 20 Sekunden vor Schluss. Rouven Hahn pariert, doch anstatt den Ball zu erobern, achtet keiner auf Vallendars Philipp Woods. Der kommt an die Kugel und versenkt sie im Netz.

Danach hat die HSG noch die Chance zum Ausgleich. Doch Linksaußen Timo Kluzik trifft nur die Latte. Die sechste Auswärtsniederlage ist besiegelt, bei den Eckbachtalern macht sich Fassungslosigkeit breit. „Selbst ein Punkt wäre heute eigentlich zu wenig gewesen für diese Leistung“, meint Maximilian Staats. Häuselmann kann dem nur zustimmen. Der Torhüter spricht von der besten Auswärtspartie der Saison. Auch Thorsten Koch ist zufrieden mit seiner Mannschaft: „Ich weiß, dass jeder sein Bestes gegeben hat. Wir haben gut dagegengehalten.“

Bier und belegte Brötchen

Doch die Enttäuschung weicht schnell. Noch in der Halle werden die ersten Biere geleert. Am Bus gibt es belegte Brötchen. Auf der Rückfahrt verliert kaum noch einer ein Wort über die Niederlage. Dafür gibt es weitere Kaltgetränke und die Musikauswahl von DJ Daniel „Horny“ Hörner. Die reicht von „YMCA“ über „Captain Jack“ bis zu „Girl You Know It’s True“. Und das Koch-Team grölt ganz eifrig mit.

Dass die Mannschaft unabhängig vom Ergebnis feiern würde, hatte Teambetreuerin Ursel Diehl vor dem Spiel angekündigt. Die „gute Seele“ der HSG sollte recht behalten. Spätestens beim „Pfalzlied“ der Anonyme Giddarischde ist die Niederlage vergessen, und die Stimmung im Bus erreicht den Höhepunkt.

Kurz nach 23 Uhr trifft die Truppe wieder in Dirmstein ein. Koch spricht von einer „schönen Abschlussfahrt“, die auch so etwas wie Teambuilding sei. Am nächsten Tag schenken die HSG-Akteure beim Laumersheimer Advent noch am eigenen Stand aus, dann geht es in die Weihnachtspause. Zumindest bis zum Neujahrstag hat die Mannschaft jetzt frei. „Die Spieler sollen die Zeit zur Regeneration nutzen“, erklärt Thorsten Koch. Am 2. Januar geht es für die Truppe weiter. Dann steht Athletiktraining auf dem Programm.

Kurz nach 23 Uhr ist der HSG-Tross wieder in Dirmstein.
Kurz nach 23 Uhr ist der HSG-Tross wieder in Dirmstein. Foto: MWAG
Zurück bleiben leere Bierkästen im Kofferraum des Busses.
Zurück bleiben leere Bierkästen im Kofferraum des Busses. Foto: Mwag
Torhüter Rouven Hahn studiert auf der Busfahrt Wurfbilder der Gegner.
Torhüter Rouven Hahn studiert auf der Busfahrt Wurfbilder der Gegner. Foto: MWAG
Nach 150 Kilometern Anreise: Ankunft in Vallendar.
Nach 150 Kilometern Anreise: Ankunft in Vallendar. Foto: MWAG
Beim Einwerfen müssen sich die HSG-Spieler erst wieder an das ungeliebte Harz gewöhnen.
Beim Einwerfen müssen sich die HSG-Spieler erst wieder an das ungeliebte Harz gewöhnen. Foto: MWAG
Trainer Thorsten Koch schwört sein Team auf das letzte Spiel des Jahres ein.
Trainer Thorsten Koch schwört sein Team auf das letzte Spiel des Jahres ein. Foto: MWAG
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