Serie „Sportlexikon“ RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Abheben mit dem Kempa-Trick

Der Erfinder: Bernhard Kempa. Er verstarb 2017 im Alter von 96 Jahren.
Der Erfinder: Bernhard Kempa. Er verstarb 2017 im Alter von 96 Jahren.

Wenn’s klappt, ist es spektakulär. Wenn nicht, kommen von den Gegnern mit Sicherheit bissige Kommentare. Die Rede ist vom Kempa-Trick. Bei der Erfindung von Bernhard Kempa braucht man einige Zutaten. Bei den Oberliga-Handballern der HSG Eckbachtal ist diese Wurfvariante allerdings nicht sehr beliebt.

Wenn im Sport ein Trick des Erfinders trägt, dann muss das schon etwas Besonderes sein. Beim Kempa-Trick ist das der Fall. Wenn der „Kempa“ erwähnt wird, weiß man: Es geht um Handball. Benannt ist der Trickspielzug nach seinem Erfinder – Bernhard Kempa.

Dieser spielte zu seiner aktiven Zeit bei FrischAuf Göppingen, wurde mehrfach deutscher Meister als Spieler und Trainer. Somit ist klar, dass er unzählige Trainingseinheiten bestritten hat. Und da kommt man als Sportler, der mit Leib und Seele seinen Sport liebt, auf die eine oder andere Idee, die nicht im Plan des Übungsleiters steht. So auch auf den Kempa-Trick.

In der Luft fangen und werfen

Der funktioniert so: „Der Angreifer bekommt ein Zuspiel, während er in der Luft ist und muss dann im Sprung auch werfen. Wenn er mit den Füßen im Kreis steht, wird abgepfiffen“, erklärt Thorsten Koch. Für den Trainer der HSG Eckbachtal ist der Kempa-Trick eine „hochspektakuläre Aktion“.

Und zudem noch technisch äußerst anspruchsvoll. „Man braucht ein exaktes Timing“, erklärt Koch. Hauptsächlich spiele eine Mannschaft den Kempa-Trick in der Schlussphase, wenn die Partie schon entschieden sei. Und genau da hat Thorsten Koch so seine Bedenken, ob das sein muss. „Muss ich einem Gegner, den ich besiegt habe, noch zeigen, dass ich den Kempa-Trick kann?“

Gleich die Nase oben – wenn’s klappt

Klappe dieser Spielzug gleich in der Anfangsphase, könne das eine Mannschaft aber auch richtig pushen. „Da hat man die Nase gleich oben, die Zuschauer stehen hinter einem“, meint Koch.

Es kann aber auch nach hinten losgehen, wie Maximilian Schreiber aus eigener Erfahrung erzählt. Der Rückraumspieler erinnert sich an eine Partie in Vallendar. „Da haben die Gastgeber gleich beim ersten Angriff den Kempa-Trick gegen uns ausgepackt. Da hatten wir dann von Anfang an große Motivation, in der Abwehr besonders aufmerksam zu Werke zu gehen“, sagt Schreiber. Es sei einfach eine Frage von Anstand und Respekt.

Schreiber: Im Spiel so gut wie nie eingesetzt

Schreiber ist einer von „zwei, drei Spielern“, sagt Koch, die den „Kempa“ bei der HSG drauf haben. „Im Spiel zeigen wir den aber so gut wie nie“, betont Schreiber. Ja, es könne eine Option sein, wenn man sonst keinen Weg durch die Abwehr findet. In der Regel würden damit aber beim Gegner nur negative Emotionen geschürt. „Und wenn der nicht funktioniert, sieht es richtig doof aus“, meint Schreiber und lacht. Und das Gegenmittel für die Abwehr? „Am besten schon früh die Laufwege zu machen“, sagt Schreiber.

Der Torschütze vom Dienst bei den „Gekkos“ ist laut Thorsten Koch deshalb für den Kempa so gut geeignet, weil er die Dynamik und Sprungkraft dafür habe. Doch man braucht auch noch mehr dafür. „Für das Zuspiel einen Spieler mit viel Ballgefühl, zum Beispiel bei uns Michael Betz“, sagt Maximilian Schreiber.

Geheime Zeichen oder Blickkontakt

Für die Verständigung reichten dann ein, zwei geheime Zeichen oder sogar ein Blickkontakt, erläutert der Rückraumspieler. In der Luft bleibe dann wenig Zeit, um den Torwart auszugucken. „Das ist natürlich schon ein Schmankerl, wenn’s funktioniert“, schaut sich auch Schreiber gerne einen Kempa-Trick im Fernsehen an, wenn die Profis in die Trickkiste greifen. Zum Beispiel bei der Weltmeisterschaft oder in der Bundesliga. „Die Rhein-Neckar Löwen und die SG Flensburg spielen das gut.“

Nisse Nehrdich, Timo Kluzik sowie Carsten Wenzel hätten das bei der HSG Eckbachtal auch drauf, meint Maximilian Schreiber. Im Training packe man den Kempa-Trick schon mal im Abschlussspiel aus. Im Optimalfall bekomme der Spieler, der sich gerade in der Luft befindet, den Ball direkt in die Wurfhand, sagt Maximilian Schreiber. Dann sei es eine Frage der Ballkontrolle.

Und die sei mit Haftmitteln wesentlich einfacher als ohne, sagt der Rückraumspieler. Und ja, das sei mit Sicherheit auch ein Grund, warum der Kempa-Trick bei der HSG Eckbachtal nicht so hoch im Kurs steht: In der Dirmsteiner Sporthalle darf kein Harz benutzt werden. Und das macht die Ballkontrolle bei diesem Trickspielzug noch mal ein bisschen schwieriger.

Da passt alles: Hendrik Pekeler erzielt per Kempa-Trick ein Tor für die Rhein-Neckar Löwen. Vor allem ein gutes Timing ist bei d
Da passt alles: Hendrik Pekeler erzielt per Kempa-Trick ein Tor für die Rhein-Neckar Löwen. Vor allem ein gutes Timing ist bei der Aktion gefragt.
Kein Freund des Kempa-Tricks: Maximilian Schreiber (links) von der HSG Eckbachtal.
Kein Freund des Kempa-Tricks: Maximilian Schreiber (links) von der HSG Eckbachtal.
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