Frankenthal Gymnasien begrüßen Schüler aus der Ukraine
Erste Orientierung im fremden Umfeld erhielten die Neuankömmlinge von überaus hilfsbereiten deutschen Mitschülern. Dank deren Russischkenntnisse gab es dabei keinerlei Verständigungsprobleme. In enger Kooperation hatten die beiden Lehrerinnen Sigrid Stutzmann (Albert-Einstein-Gymnasium) und Irina Kalusa (Karolinen-Gymnasium) ein kleines Begrüßungsprogramm für die 16 Ukrainer zusammengestellt. Nach einem musikalischen Willkommensgruß von der Ukuleleband des KG wurden die jungen Kriegsflüchtlinge mit dem Stundenplan und ihrem Klassensaal vertraut gemacht.
Unterrichtet werden sie in Deutsch, wobei montags und dienstags ein Intensivkurs vorgesehen ist. An den übrigen Wochentagen sollen sie überwiegend Englisch-, Musik- und Sportunterricht bekommen. Und freitags werden sie für fünf Stunden den jeweiligen Regelklassen zugewiesen, um mit den deutschen Schülern in Kontakt zu kommen. Die neun dem KG zugewiesenen Ukrainer nehmen darüber hinaus an der Mittagsverpflegung und an einem nachmittags angebotenen Projekt teil.
Die Kommunikation klappte auf Anhieb, rasch fanden sich sowohl in der Schulküche als auch im Freien kleine Gesprächsgruppen zum teilweise lebhaften Gedankenaustausch zusammen. „Wir sind sehr dankbar, dass sich so viele Paten aus den verschiedenen Klassen bereiterklärt haben, die Schüler aus der Ukraine zu unterstützen“, hob Sigrid Stutzmann hervor. Da alle über Kenntnisse im Russischen verfügen, seien sie wichtige Ansprechpartner.
Eltern beim Militär
Die Fluchterfahrungen der zwischen 11 und 17 Jahre alten Ukrainer sind sehr unterschiedlich. Irina Kalusa sprach gegenüber der RHEINPFALZ von zum Teil sehr bewegenden Schicksalen. „Einige kommen mit der Situation gut zurecht, andere hadern mit ihrem Schicksal.“ Die meisten seien in Familien untergekommen. Unter den Schülern befinde sich auch eine alleinreisende Minderjährige, deren Vater und Mutter beim Militär seien und daher ihr Heimatland nicht verlassen hätten. Einer der jüngeren Schüler habe fünf Geschwister und sei mit der kompletten Familie nach Deutschland geflohen.
In erster Linie gehe es für die jungen Ukrainer um Integration und das Erlernen der deutschen Sprache, unterstrichen die beiden Lehrerinnen. Daneben sei auch der Wohlfühleffekt wichtig. Die persönlichen Kontakte mit gleichaltrigen Mitschülern könnten von schlimmen Ereignissen und Erlebnissen in der Heimat zumindest ein wenig ablenken, meinte Irina Kalusa. Sie gab sich zuversichtlich, dass sich eine „nette Gruppe“ zusammenfinden werde.
ADD: Schnelle Reaktion
Froh ist man bei den beiden Gymnasien, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) schnell reagiert und ein zusätzliches Unterrichtskontingent von 72 Stunden genehmigt hat. Das Problem: AEG und KG stoßen an personelle Grenzen, zumal es bei den 16 Schülern der „Ukraine-Klasse“ nicht bleiben wird. „Es kommen fast täglich neue Anmeldungen hinzu“, berichtete Sigrid Stutzmann. Geplant werde vorerst bis zu den Sommerferien. Und auch Flüchtlingskinder aus anderen Ländern würden weiter aufgenommen. Aktuell besuchten rund 30 Schüler ohne deutsche Muttersprache die Schulen.