Frankenthal
Grundschulen: Eltern wollen mit einer Stimme sprechen
„Elternbeiräte sind nicht nur dazu da, beim Schulfest Kuchen zu backen“, sagt Anna Starzetz. Vielmehr gehe es darum, mit Schulleitung und Lehrern, aber auch in Kooperation mit dem Land und der Stadt als Schulträger allen Kindern einen möglichst guten Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Und weil das gemeinsam besser geht, haben engagierte Grundschuleltern ein Netzwerk aller Schulelternbeiräte gegründet. Denn: Was es mit dem Stadtelternausschuss (Stea) für Kindertagesstätten bereits gibt, fehlte bislang beim Übergang in die Schule. Und so landeten Anfragen von Eltern immer wieder beim Stea, berichtet dessen ehemalige Vorsitzende Starzetz, die sich als dreifache Mutter nun im Schulbereich einbringen will. Mit dem Gesamtelternbeirat für Grundschulen, der Mitte Januar gegründet wurde, sei man landesweit Vorreiter, betonen die Verantwortlichen.
In einem ersten Schritt wurden im Herbst vergangenen Jahres alle Grund- und Förderschulen der Stadt angeschrieben, berichtet Daniel Stangoni, Schulelternbeirat an der Neumayer-Grundschule und Sprecher des neuen Zusammenschlusses. Dabei sei man auf eine bestehende WhatsApp-Gruppe aufmerksam geworden. „In dieser Gruppe waren einige, aber nicht alle Grundschulen vertreten“, erinnert sich der Frankenthaler. Unter Eltern sei diese Kommunikationsplattform zudem nicht sehr bekannt gewesen. Ein Knackpunkt aus seiner Sicht: Alle zwei Jahre werden die Schulelternbeiräte (SEB) neu gewählt. „Zum Teil fangen die neuen Eltern ohne jegliche Info wieder bei Null an“, so Stangonis Beobachtung. Das Ziel des neuen Netzwerks: Elternmitwirkung von der Kita über die Grundschule bis zur weiterführenden Schule verbessern.
Infos kommen nicht immer an
„Häufig gibt es beim Übergang in die Schule eine Lücke“, hat Mela Aydin festgestellt, deren Kind die Friedrich-Ebert-Grundschule besucht. Gemeinsam mit Veronica Immesberger (Carl-Bosch-Grundschule) kümmert sie sich als Mitgliedsbeauftragte in dem neuen Verbund um die Kontaktpflege und den Informationsaustausch der SEBs untereinander. „Auch Eltern brauchen in der für sie neuen Schulsituation Begleitung“, findet Immesberger. Die WhatsApp-Gruppe sei inzwischen auf 26 Teilnehmer angewachsen, außerdem hat der Gesamtschulelternbeirat eine zentrale E-Mail-Adresse. Die Kommunikation zwischen den Schulen, aber auch mit Land und Stadt verbessern, ist ein zentrales Anliegen. „Es gibt ja schon viele Informationen und Angebote – sie kommen nur eben nicht unbedingt bei den Eltern an“, sagt Immesberger.
Was Eltern gemeinsam erreichen können, dafür hat Stangoni ein Beispiel. In einem Brandbrief hatte der SEB der Neumayerschule den Zustand der Toiletten moniert. Die Sanierung sei inzwischen in den Haushalt eingestellt. Allerdings gehe es bei dem Netzwerk nicht darum, nur für die eigene Schule das Beste rauszuholen, betont der Sprecher. Um ein möglichst breites Themenspektrum abzudecken, hat der Gesamtschulelternbeirat bei inzwischen zwei Treffen Arbeitspakete geschnürt, für die jeweils einige der Mitstreiter zuständig sind. Dabei geht es unter anderem um die Verbesserung der Ganztagsbetreuung, um Aktionen für einen sicheren Schulweg und die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Schulen könnten dabei voneinander lernen und ihre Erfahrungen mit einzelnen Projekten sowie Förderprogrammen austauschen.
Missstände schnell erkennen
Probleme würden schneller erkannt und man könne besser gegensteuern, sagt Starzetz. Sie erinnert an die Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen, wo vergangenes Schuljahr 39 Kinder die erste Klasse wiederholen mussten, weil grundlegende Fähigkeiten fehlten. „Im Austausch bekommen wir Eltern frühzeitiger mit, wenn etwas schief läuft“, hofft sie. Wenn alle Eltern mit einer Stimme sprechen, finde man beim Bildungsministerium in Mainz vermutlich auch eher Gehör.
Die Rückmeldung aus dem Rathaus, wo sich das Eltern-Netzwerk bereits vorgestellt hat, sei positiv gewesen. Für die Stadt könne der Beirat die Kommunikation mit den Eltern vereinfachen und als Multiplikator zur Informationsweitergabe dienen. Für Sitzungen könne man bei Bedarf Räume in der Verwaltung anfragen, ein regelmäßiger Austausch mit dem Bereich Schulen sei angedacht. Mit der Schulaufsicht, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), wolle man ebenfalls Kontakt aufnehmen. Auch die Schulleitungen würden das Engagement begrüßen, sie sähen ihre Position dadurch gestärkt. „Wir setzen die Elternarbeit auf eine neue Ebene“, sagt Starzetz selbstbewusst.
Aktuell gibt es in Frankenthal 1871 Grundschüler, eine Förderschule besuchen 419 Kinder. Ihre Interessen will der Beirat im Schulträgerausschuss der Stadt künftig mit noch stärkerer Stimme vertreten. Susan Carvalho aus dem Vorstand ist Delegierte in dem kommunalpolitischen Gremium. Zwei Vertreterinnen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Christina Semere und Claudia Jordan, komplettieren den Vorstand samt Beisitzern. Dass das Engagement nicht mit einem Wechsel in der Führung einschläft, dafür soll eine Satzung sorgen, die gerade in Arbeit ist.
Kontakt
Der Gesamtelternbeirat der Grundschulen ist per E-Mail an gesamtschulelternbeirat@gmail.com oder per WhatsApp an 0177 2407085 erreichbar.
