Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Gitarristin Jule Malischke: „Die Menschen mit auf eine Reise nehmen“

Jule Malischke ist bei vielen Festivals zu Gast – und nächste Woche in Bobenheim-Roxheim.
Jule Malischke ist bei vielen Festivals zu Gast – und nächste Woche in Bobenheim-Roxheim.

Jule Malischke war auf dem Weg, eine erfolgreiche Tennisspielerin zu werden – bis eine schwere Sportverletzung diese Karriere beendete. Da sie nicht nur mit dem Tennisschläger, sondern auch mit der Gitarre versiert umgehen kann, wurde sie zur klassischen Gitarristin und gleichzeitig zur Liedermacherin. Und das ebenfalls mit großem Erfolg. Worum es ihr mit ihrer Musik geht, erzählt die 37-Jährige im Gespräch mit Gereon Hoffmann.

Frau Malischke, das Besondere Ihres Repertoires ist, wie vielseitig es ist. Es reicht von Klassik bis Liedermacherin.
Ja, richtig. Ich tue mir selber manchmal schwer, wenn ich gefragt werde, welche Musik ich mache. Ich sage dann sowas wie „moderne Konzertmusik in Fingerstyle“. Aber ich bin auch Songwriterin und versuche, mich komplex auf der Gitarre zu begleiten. Meine Wurzeln liegen in der klassischen Gitarre, die ich mit acht Jahren angefangen habe. Dann habe ich die Wettbewerbe mitgespielt, mit 16 Popmusik entdeckt und mit 18 das eigene Liedermachen. Dann habe ich Sport und Musik auf Lehramt studiert und parallel dazu klassische Gitarre in Augsburg. An der klassischen Musik hat mich gestört, dass man „nur“ Interpret ist und alle Asturias spielen. (Lacht.) Ich wollte auch eigene Sachen machen. So fing ich an, eigene Lieder zu schreiben. So bin ich dann nach Dresden, wo es einen Studiengang „Gitarre in Jazz, Rock und Pop“ gibt.

Bei Thomas Fellow?
Genau. Bei ihm hat mir diese Crossover-Ausbildung zugesagt. Anderswo kann man nur entweder Klassik oder Jazz studieren. Das ist in Dresden anders mit verschiedenen Stilen. Da habe ich den Master gemacht und gleichzeitig selber angefangen zu unterrichten. Und seit 2021 habe ich eine feste Stelle und leite einen Studiengang. So bin ich in Dresden hängengeblieben.

Bei Liedermachern ist die Gitarre meist auf die Begleitung reduziert?
Bei mir ist das nicht nur so schrumm-schrumm-Lagerfeuer-Gitarre, sondern sehr gitarristisch. Ich denke, das ist mein Alleinstellungsmerkmal und der Grund, warum mich Festivals buchen. Ansonsten ist man ja entweder Singer/Songwriter oder Gitarrist. Bei mir ist der Gitarrenteil schon recht komplex und ich arbeite auch mit Open Tunings. Ein anderer Aspekt sind meine klassischen Wurzeln. Aber ich spiele keine alten klassischen Stücke, sondern so Sachen wie etwa im Stil von Ralph Towner oder Egberto Gismonti und singe Vocalisen dazu, wie ein zweites Instrument. Ich habe auch immer mehrere Gitarren dabei. Meist sind es eine Steelstring, eine Nylon und eine Bariton-Gitarre. Man muss ja für Abwechslung sorgen, wenn man zwei Stunden spielt. Ich wechsle also zwischen Liedern und Instrumentalkompositionen.

Also kein Programm, das sich nur an Gitarren-Spezialisten richtet?
Nein, es ist mir wichtig, mit meiner Musik alle Menschen zu erreichen, nicht nur die Nerds in Sachen Gitarre. Die Emotionen sind mir am Wichtigsten, instrumental und in meinen Songs. Ich will die Menschen mit auf eine Reise nehmen. Mein Motto ist auch nicht „höher, schneller, weiter“. Mir geht es um die Wirkung der Musik. Aber es gibt auch mal Gitarren-Virtuosität.

Zur Gitarre gekommen sind Sie aber erst, als Sie kein Tennis-Star mehr werden konnten?
(Lacht.) Ich habe sehr viel Leistungssport auf dem Tennisplatz gemacht. Das stimmt. Gitarre lief mehr so nebenher, obwohl ich damals schon Wettbewerbe gewonnen habe. Aber Gitarre war Entspannung. Dann aber kamen eine Sportverletzung und eine schwierige Operation und ich hatte auf einmal ganz viel Zeit, mit verschraubtem Fuß und Gips. Da war ich so 17 Jahre alt. So ergab sich auch, dass ich mit meinem Gitarrenlehrer ein Duo gemacht habe. Wir haben seine Lieder gespielt und ich habe selbst auch angefangen, Songs zu schreiben. Und ganz viel Gitarre gespielt. Klassik mochte ich gerne, aber es war mir auch zu einseitig. Und gesungen habe ich schon immer gerne.

Können Sie etwas zum Konzertprogramm sagen?
Ich habe ganz neu ein Album aufgenommen, „Seagulls“, und werde daraus spielen. Einige Sachen sind vom vorigen Album. Die Songs sind auf Deutsch und Englisch, meist über Themen, die mich beschäftigen. Dann einige Instrumentalstücke, Joni-Mitchell-Cover und auch Fingerstyle-Sachen. Ein paar bekannte Stücke in meiner Interpretation sind dabei.

Und wie kommen Sie nach Bobenheim-Roxheim, das bislang nicht als Metropole der Gitarre aufgefallen ist?
Ich habe eine Autostunde entfernt ein Wohnzimmerkonzert zu spielen und gesagt, dass es recht aufwendig ist, für nur ein Konzert von Dresden anzureisen. Und dieser Veranstalter kennt die Leute der Kirche in Bobenheim-Roxheim, und so hat sich das ergeben. Aber bisher habe ich kaum in Ihrer Gegend gespielt.

Umso schöner, dass Sie mal in die Pfalz kommen.
Ja, so Konzerte auf dem Land mache ich ganz gerne. In den großen Städten gibt es manchmal schon ein Überangebot, und auf dem Land ist das Publikum besonders motiviert. Die Konzerte haben dadurch einen besonders intimen Charakter. Meist sind die Veranstalter auch liebe Menschen, die sich besonders engagieren.

Termin

Das Konzert ist am Freitag, 23. Juni, 19.30 Uhr, in der Protestantischen Kirche Bobenheim-Roxheim, Bobenheimer Straße 19. Kartentelefon: 0176 27270035.

Zur Person

Jule Malischke verbindet zwei musikalische Genres, die sonst eher nebeneinander laufen: Sie ist Singer/Songwriterin und begleitet sich auf der Gitarre zu ihren Songs, aber zugleich ist sie studierte klassische Gitarristin mit Konzertdiplom, und sie hat auch die Gitarre in der Popularmusik studiert. So ist sie inzwischen besonderer Gast vieler Gitarrenfestivals, hat schon als Support Konzertabende großer Bands eröffnet: Barclay James Harvest, Whitesnake oder Christina Stürmer. Geboren 1986 im süddeutschen Heidenheim an der Brenz, war sie zuerst auf dem Weg, erfolgreiche Tennisspielerin zu werden, bis eine schwere Sportverletzung diese Karriere vorzeitig beendete. So wendete sie sich der Gitarre zu und ist heute nicht nur als Musikerin, sondern auch als Lehrerin moderner Stilistiken hoch geschätzt. Sie lebt in Dresden.

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