Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Gerdband begeistert mit zeitgenössischem Jazz

Die von Gerd Baier (links) komponierten Stücke orientieren sich am amerikanischen Brooklyn-Jazz.
Die von Gerd Baier (links) komponierten Stücke orientieren sich am amerikanischen Brooklyn-Jazz.

Nach einem Jahr Corona-Zwangspause war es endlich so weit: Die ökumenische Initiative KuKuK (Kunst, Kultur und Kirche) konnte wieder eine Veranstaltung anbieten. Die Gerdband aus Heidelberg gastierte im Ökumenischen Gemeindezentrum (ÖGZ) und gestaltete einen entspannten Abend mit zeitgenössischer Jazzmusik.

Gerd Baier, Chef und Namensgeber des Trios, eröffnete das Konzert am Keyboard mit zärtlichen Läufen und filigranen Harmonien. Der lyrischen Einstimmung folgten ausschließlich eigene Kompositionen. Als Independent-Formation spielt die Gerdband zeitgenössischen Jazz, bei dem amerikanische Geradlinigkeit und Coolness auf die emotionalen Qualitäten europäischer Romantik trifft.

Die Stücke sind komplex aufgebaut. Sie entfalten sich in epischer Breite und gewinnen dabei eine enorme Dynamik. Changierende Klangwelten treffen in Stücken wie „Puppets“ und dem bisher unveröffentlichten „Pink“ auf experimentelle Soundeffekte. Lyrisch und balladenhaft angelegt ist „2041“, ein Titel über Baiers Auseinandersetzung mit der Zukunft und dem eigenen Alter. Mit „Humanity“, das Anfang 2015 zur Zeit des islamistischen Terroranschlags auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charly Hebdo entstanden ist, setzt Baier ein musikalisches Statement gegen Gewalt und Fanatismus.

Subtile Besenstriche

Im Schein gelbroter Bühnenstrahler erlebten zwei Dutzend Zuhörer ein hochkarätiges Konzert dreier Instrumentalvirtuosen. An den Saiten glänzte Mario Fadani. Er entlockte seinem Kontrabass mitunter sägende und streichende Klänge und reizte die Möglichkeiten des Instruments vom coolen Zupfakkord über feingliedrige Läufe bis zum perkussiven Handspiel raffiniert aus. Im Stück „Green Elephant“ griff Fadani am E-Bass in die Saiten. Als Gast eingesprungen war Philipp Gutbrod am Schlagzeug. Er spielte mit subtilen Besenstrichen und wohltemperiertem Becken, ehe er expressiver wurde und sich im Stück „Change“ durch einen imaginären Dschungel trommelte.

Die von Gerd Baier komponierten und gemeinsam mit seinen Musikern arrangierten Stücke orientieren sich am amerikanischen Brooklyn-Jazz, dem mit Verzierungen, Abschweifungen und Zitaten typisch romantische Akzente europäischer Provenienz beigemischt werden. Das dauert, braucht Raum und Zeit. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Sound der Gerdband auch von der Länge der Stücke her eine eigene Qualität entfaltet, abseits des von Radiosendern bevorzugten Dreieinhalb-Minuten-Formats. Die Gerdband bewegt sich jenseits des Mainstreams. Sie wirkt aber nicht verkopft, sondern nahbar und frisch. Vier CDs sind bisher erschienen, die in Fachkreisen gefeiert und von Kennern geschätzt werden. Zurzeit ist die Gruppe jedoch auf Label-Suche.

Am liebsten in Clubs

Die drei Musiker überzeugten am Samstagabend durchweg mit hoher Sensibilität, Virtuosität und Spielfreude. Und so gelang auch das ältere Stück „Nordlicht“ als Uraufführung in der aktuellen Besetzung. Hier beschworen per Loop erzeugte Echo-Effekte musikalisch das Bild wechselnder Himmelserscheinungen am Polarkreis.

Als typische Live-Formation spiele man am liebsten in Clubs, verriet Gerd Baier in der Pause. „Dort genießen wir die Interaktion mit dem Publikum“, sagte der Triochef. Im ÖGZ ließ die Gerdband den Abend über eine entspannte Lounge-Atmosphäre entstehen. Genau das Richtige für einen Spätsommerabend. Nur auf die Drinks mussten die Gäste coronabedingt verzichten.

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