FRANKENTHAL
Gastronomen setzen auf Abhol- und Lieferdienste
Am 30. März, Tag drei des Shutdowns, hat Nicola Pizzulli seinen Pizzaofen angefeuert. Er verteilt seither allabendlich ab 17 Uhr frisches Gemüse, Käse, Salami und andere Zutaten auf Dutzenden durchgewalkter Teigfladen. Mit Erfolg: „Die Pizza Mattia und die Pizza Emma sind der Renner“, berichtet der Inhaber des Café Solino in der Bahnhofstraße. Der Zwangsschließung begegnet Pizzulli mit der Kombination von Eis und Pizza. Von 12 bis 21 Uhr gibt es Eiskreationen wie Spaghettieis, Frucht- und Nougatbecher, von 17 bis 22 Uhr diverse Pizzasorten für fünf, sechs, sieben Euro, beides zum Abholen und frei Haus. Wartezeit rund 30 Minuten. Zurzeit arbeiten nur noch vier Familienmitglieder in Küche und Auslieferung. Große Gewinne könne er mit der Aktion Lieferservice nicht machen, eher gehe es um Schadensbegrenzung: „Wir wollen die Verluste gering halten und im Gespräch bleiben.“
Zehnminütige Zeitfenster
Seit zwei Wochen allein hinterm Herd steht Alexander Stock, Inhaber des Restaurants Penny Lane 20.18, und kocht ab 16 Uhr kreative Gerichte wie Loup de Mer auf Erbsenrisotto, „Bürgermeisterstück“ mit Spätzle sowie Saumagen und Pasta mit Bärlauch-Pesto. Alles kann entweder abgeholt und von einem Familienmitglied ausgeliefert werden. Die Karte ist auf Facebook veröffentlicht und wechselt wöchentlich. Geliefert wird von 17 bis 20 Uhr „bis nach Gerolsheim, Lambsheim, Bobenheim-Roxheim“. Überrascht ist Stock vom Erfolg seines kontaktlosen Abholangebots: 75 Prozent der Gäste nähmen ihr Essen lieber mit und seien dabei „froh, mal aus dem Haus zu kommen“. Damit keine Warteschlangen entstehen, wird bei Bestellung der Abhol- oder Liefertermin in zehnminütigen Zeitfenstern angesagt. Termine um 19 Uhr seien Primetime und schnell vergeben, doch die Gäste ließen gerne mit sich reden, weil sie Frischgekochtes schätzten.
„Die Osterwoche war ruhig, jetzt läuft’s langsam an“, berichtet Klaudia Heisig, Inhaberin des Café Quito in der Speyerer Straße. Man wolle überleben und gemeinsam mit den Gästen die schwierige Zeit überstehen. 15 Gerichte hat sie über die Webseite und auf Facebook angeboten, darunter Schnitzel, Cordon Bleu und Vegetarisches. Besonders beliebt seien die polnischen Teigtaschen, gefüllt mit Frischkäse, Kartoffeln oder Speck. Den Mittagstisch per Abholung gibt es von 11 bis 17 Uhr. „Unsere Stammgäste haben Mitleid und unterstützen uns sehr“, freut sich die Inhaberin. Übrigens: Kaffeespezialitäten „to go“ gibt es im Café Quito ebenfalls.
Abends wird mehr geliefert
„Es ist kein Vergleich mit unserem gewohnten Alltag“, sagt Bujar Gaxherri, Inhaber des Café Ideal an der Ecke Eisenbahnstraße/Bahnhofstraße/Neumayerring. Er hat einen Lieferdienst eingerichtet und bietet Speisen auch zum Mitnehmen. Die umfangreiche Karte wurde auf drei Seiten reduziert und im Internet veröffentlicht. Kaffee zum Mitnehmen werde meist in mitgebrachte Becher ausgeschenkt. Durch Homeoffice weniger geworden seien die Business-Lunch-Gäste von 11.30 bis 14 Uhr, doch dafür sei abends recht viel los. Zur Mittagszeit werde mehr abgeholt, abends mehr geliefert im Einzugsgebiet von rund 20 Kilometern bis nach Oppau.
Hauptsächlich bestellten Stammkunden zwischen 17 und 21 Uhr Pasta-Gerichte, Burger und Currywurst. Besonders beliebt seien Spargelgerichte. Von ehemals 40 Mitarbeitern seien zurzeit nur noch zwei in Sechs-Stunden-Schichten im Einsatz. „Ich mache das hauptsächlich, dass ich im Café bin“, bekennt der Gastronom und hofft auf moderate Lockerung der Bestimmungen ab Mai.
„Leute haben mehr Zeit zu kochen“
„Es ist keine einfache Zeit“, sagt Paul-Stephan Günther, Inhaber der Metzgerei Kaltenborn in der Bahnhofstraße. Durch das weggebrochene Cateringgeschäft verzeichnet er zurzeit 20 Prozent weniger Umsatz. Während im Wormser Stammhaus ein Lieferdienst aktiv ist, hat man sich in Frankenthal auf den Straßenverkauf der „heißen Theke“ spezialisiert und bietet täglich wechselnden Mittagstisch (sieben Gerichte) zum Mitnehmen. Die Kundschaft habe sich umgeschichtet, Bank- und Geschäftskunden seien weggefallen, Privatkunden mehr geworden. Der Verkauf über die Theke habe zugelegt, stärker gefragt seien seit Kurzem hochwertige Fleischwaren: „Die Leute haben mehr Zeit, um selbst zu kochen.“