Frankenthal Ganz viel Schnurrbart

„Französisches Lebensgefühl“ stand am Samstagabend im Frankenthaler Kulturzentrum Gleis 4 auf dem Programm. Die Gruppe Mini Moustache aus Mannheim bot rund 70 Zuhörern weitaus mehr, ohne dabei eines der in den deutschen Köpfen noch immer vorherrschenden Frankreich-Klischees auszulassen.
Ganz die französische Gelassenheit verinnerlicht, ließen sich die Musiker Zeit, bevor sie loslegten. Das Publikum nahm’s gelassen. Zumal sich das Warten gleich darauf auszahlte, als die frankophilen Schnurrbartträger einen theatralischen Einzug mit geschwenkter Moustache-Flagge hinlegten, um einen amüsanten und durchaus auch erregenden Abend einzuleiten. Die aus Mannheim stammenden Künstler, darunter Sänger David Moeufs, Nicolas Schnepfié (Keyboard) und Tom Donner (Bass), überzeugten optisch und gesanglich auf ganzer Linie als die französischsten Deutschen in der Musikszene: Viel blau-weiß-rot, viele Matrosen-Streifen, viel Schnurrbart. Die Könige der Diskothek, als die sie sich selbst mit einigem Stolz und nur ein bisschen Ironie bezeichnen, brachten mit ihrer funkigen Elektro-Pop-Mischung und ihrem urkomischen französischen Akzent ohne große Mühe Stimmung ins Haus. Wie genau sich die Musiker den Abend vorstellten, teilten die Franko-Deutschen mit klaren Anweisungen mit: „Je chante, tu danses“ – „Ich singe, du tanzt“ hieß es dann oder „Ouvre ta blouse“ („Mach deine Bluse auf“). Wer der Anweisung gefolgt ist, bleibt allerdings ein Geheimnis. Verraten werden soll jedoch, dass sich dem Charme der gefühlten Franzosen an diesem Abend kaum jemand entziehen konnte. Wie auch, wo sie uns doch so glaubhaft versicherten, dass sie uns, zumindest aber unsere Körper vergöttern? „J’adore ton corps“ war nur eines der eingängigen und nicht ganz ernst zu nehmenden „Chansons“ der Gruppe, die alle eines gemeinsam haben: Alle Stücke sind tanzbar. Für besonders hartnäckige Bewegungsmuffel hatten die Mannheimer einen speziellen „danse“ zum Mitmachen entwickelt, der dann auch bombensicher Bewegung ins „frangedaaler“ Publikum brachte. Sprachbarrieren gab es nicht zuletzt wegen des beeindruckenden, frankophilen Schauspiels der Schnurrbartträger keine. Durch die Einbindung der im Wortschatz eines jeden Zuhörers vorhandenen Begriffe wie „baguette“, „croissant“ oder „fromage“ stand dem Einstimmen ohnehin nichts im Weg. Nach fast zehn Jahren Mini Moustache war es der erste Auftritt der Gruppe in Frankenthal. Wiederkehren wollen sie – leider erst in einem Jahr. Wer das Konzert am Samstagabend verpasst hat, sollte sich dann nichts anderes vornehmen: Die Mannheimer Stimmungsmacher sind Garanten für einen vergnüglichen Abend samt guter Musik. Gekonnt spielen sie mit immer noch bestehenden Vorurteilen. Doch keine Angst – allzu hart gehen sie mit unseren Nachbarn und uns nicht ins Gericht .