Frankenthal „Ganz einfach gesagt: Harte Arbeit zahlt sich aus“

Trommeln für die Partei – und fürs persönliche Vergnügen: David Schwarzendahl im Proberaum seiner Band Jaz33.
Trommeln für die Partei – und fürs persönliche Vergnügen: David Schwarzendahl im Proberaum seiner Band Jaz33.

Ein Frankenthaler als neue Nummer zwei bei den Linken in Rheinland-Pfalz. David Schwarzendahl (34) ist am Wochenende beim Parteitag in Kaiserslautern zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt worden – mit 84 Prozent der gültigen Delegiertenstimmen (wir berichteten). Die RHEINPFALZ hat mit ihm über seinen schnellen Aufstieg, innerparteilichen Zwist und Gemeinsamkeiten von Politik und Musik gesprochen.

2012 aktiv in die Politik eingestiegen, 2014 Kreisvorsitzender, 2017 stellvertretender Landeschef – so eine Blitzkarriere war bisher nur bei der FDP möglich. Hat die Linke in Rheinland-Pfalz zu wenig Personal oder sind Sie ein politischer Überflieger?

Zu wenig Personal ganz sicher nicht. Ich nehme meine Aufgaben immer sehr ernst, egal auf welcher Ebene, und versuche, 110 Prozent zu geben – dafür haben mir die Genossinnen und Genossen wieder ihr Vertrauen gegeben. Und ich enttäusche sie nicht. Ganz einfach gesagt: Harte Arbeit zahlt sich aus. Der Vergleich mit der FDP hinkt allerdings, denn bei uns kann man sich Plätze, Posten oder Meinungen nicht kaufen. Der rheinland-pfälzische Landesverband der Linken gilt als notorisch zerstritten. Ihr Wahlergebnis am Wochenende spricht für großen Rückhalt in der Partei. Ist die Zeit der Lagerkämpfe vorbei? Zerstritten greift meiner Ansicht nach zu weit. Es gab wie in jeder Partei unterschiedliche Positionen. Der Unterschied ist nur, dass bei uns von den Medien ein Fass aufgemacht wird. Meist kurz vor Wahlen! Aber im Moment sehe ich Die Linke Rheinland-Pfalz in sehr positivem Licht. Sonst hätte ich meinen Namen und meine Zeit nicht für diesen Posten gegeben. Unser Ziel ist es, im Bund drittstärkste Kraft zu werden, was angesichts des „Weiter so!“ der CDU und des „Heute hier, morgen dort“ der SPD wichtiger denn je ist. Die Menschen brauchen eine Partei, die sich traut, die Soziale Frage zu stellen und anzupacken. Im Stadtrat zählen Sie nach meiner Beobachtung nicht zu denjenigen, die sich besonders oft zu Wort melden. Woran liegt das? Wir haben klare Strukturen, in denen wir arbeiten. Die Fraktion besteht aus Ulrich Pender und mir, in Kooperation mit unserer Arbeitsgruppe Stadtpolitik. Wir erarbeiten Themen gemeinsam, und der Fraktionsvorsitzende trägt sie vor. Das kann ich mit meinem Ego wunderbar vereinbaren. Der Inhalt muss stimmen, das ist mir wichtig. Politik für die Menschen machen – darum bin ich bei der Partei Die Linke. Ihre zweite große Leidenschaft neben der Politik ist das Trommeln. Mit ihrer Band Jaz33 machen Sie „Punk’n’Roll“. Welcher Musikstil wäre denn mit der Politik der Linken vergleichbar – und warum? Ich glaube, dass Rock’n’Roll da schon gut passt. Er spiegelt das echte Leben, wettert immer ein wenig gegen verkrustete Strukturen, singt von Liebe und Leid, weckt aber auch Hoffnungen, die dann mit einem grandiosen Solo bezahlt werden. Sie arbeiten nicht mehr in Ihrem ursprünglichen Beruf als Buchbinder. Welche dort erlernte Fähigkeit hilft Ihnen in der Politik weiter? Mein Meister war ein alter, zäher Knochen, dessen Grundeinstellung „Ordnung ist das halbe Leben“ immer und überall Gültigkeit hat. Aber die Fähigkeit, die Probleme der „normalen“ Menschen zu kennen, das ist das, was am wertvollsten ist. Wenn man weiß, dass der Monat der meisten Menschen länger ist, als das Geld auf dem Konto reicht, wenn man mit Wildfremden zusammenziehen muss, weil das Geld für die Miete nicht langt, wie es ist, mit Rechnungen zu jonglieren, weil Arbeitgeber nicht zahlen – all das aus persönlichen Erfahrungen zu kennen, verändert einen und sorgt dafür, dass ich weiß, wofür und für wen ich mir die Arbeit auflade. Ihr Aufstieg in der Partei war bislang rasant. Wie soll’s weitergehen? Erst mal machen wir weiter Wahlkampf und versuchen, für die Menschen ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, damit wir auch weiterhin etwas bewegen können. Wie schon gesagt: Drittstärkste Kraft im Bund ist unser Ziel. In der Partei steht für mich Basisarbeit an erster Stelle. Parteiaufbau und die Vorbereitungen auf die Kommunalwahlen sind da meine Prioritäten. Einen weiteren innerparteilichen Aufstieg kann ich mir schon vorstellen, doch da frag ich zuerst mal lieber meine Frau. | Interview: Jörg Schmihing

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